30 Teilnehmer bei Info-Treffen / Deutliche Kritik an Förderunternehmen

Nach Öl-Lecks in Hankensbüttel: BI für Wasserschutz geplant

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Der Kreistagsabgeordnete Christian Schroeder (l.) und Landtagsabgeordnete Imke Byl von den Grünen mit dem Referenten des Abends: Umweltschützer Bernd Ebeling.

Hankensbüttel – Etwa 30 Teilnehmer kamen am Donnerstagabend ins Hankensbütteler Otter-Zentrum: Es soll eine Bürgerinitiative gegründet werden, die das Trinkwasser als höchstes Gut geschützt wissen will.

Grünen-Kreistagsabgeordneter Christian Schroeder hatte zu dem Info-Treffen eingeladen. Der Tenor an dem Abend: Die erdölfördernden Konzerne im Isenhagener Land setzen die Qualität des Trinkwassers aufs Spiel. Dem wolle man sich energisch entgegenstellen.

Rund 30 Teilnehmer kamen ins Hankensbütteler Otter-Zentrum zu dem Info-Treffen, zu dem Schroeder eingeladen hatte. Die Gründung einer BI ist vorgesehen.

„Ich hätte mir mehr Teilnehmer gewünscht“, schickte Schroeder voraus. Grundsätzlich kritisierte er, dass Vermilion weiter den Weg gehe, nur über das Nötigste zu informieren. Neue Leitungen würden ohne Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) installiert – selbst durch Trinkwasserschutzgebiete hindurch. Die Dea kommuniziere zwar, halte aber Versprechen nicht ein, etwa beim Beseitigen von Missständen an alten Bohrplätzen. „Exxon Mobil behält die Schrottleitungen am Netz“, unterstrich Schroeder. Die Bohrungen selbst und Altlasten durch Bohrschlammgruben seien zudem weitere Probleme in der Region, sagte Schroeder generell zur Situation. „Was können wir machen?“, stellte er als Frage in den Raum. „Gucken wir nur nach Hannover und aufs Landesbergbauamt?“ Der Kreistag hätte durch eine Anpassung der Verordnung für Trinkwasserschutzgebiete eine Förderung dort verhindert können, so Schroeder. Dies sei unterblieben. Die Frage sei auch, ob man nun durch Petitionen Druck mache und sich an den Petitionsausschuss wende.

„Wir kämpfen schon lange für eine sichere Förderung“, betonte Grünen-Landtagsabgeordnete Imke Byl. Derzeit laufe eine riesige Klimadebatte. Der Kohleausstieg bis 2038 sei „viel zu spät“. Sie fordert: „Wir müssen auch aus Erdöl und Erdgas raus.“ Darüber sei ebenfalls eine Ausstiegsdebatte nötig. Zudem gebe es in diesem Bereich einen „dringenden Nachbesserungsbedarf in Sachen Sicherheit“.

Seit dem Info-Abend der Grünen zum Thema Erdölförderung Ende April im Otter-Zentrum, bei dem auch die Bundestagsabgeordnete Dr. Julia Verlinden dabei gewesen war, hat sich laut Byl „nichts getan“. Man kämpfe weiter darum, dass eine Förderung in Trinkwasserschutzgebieten zukünftig verboten werde. Zudem müsse für jedes Bohrvorhaben eine UVP verbindlich vorgeschrieben und die Anwohner beteiligt werden. Grundsätzlich müssten die Bürger aufgeklärt werden und Geschehenes geradegerückt werden. Beim Landesbergbauamt sehe sie ein Kontrolldefizit. Bislang laufe alles auf eine Selbstkontrolle der Unternehmen hinaus.

Der Uelzener Wasserbau-Ingenieur und Umweltschützer Bernd Ebeling als Referent hielt in Sachen Erdölleitungen fest: „Es ist ein marodes System.“ Es gebe aber auch an neueren Leitungen Schäden. Er kritisiere die Arbeitsweise der Unternehmen in puncto Sicherheit, diese sei teils „schlampig“. Dass die Unternehmen sämtliche Bohrplätze, also auch die alten, abdichten werden, sehe er als unwahrscheinlich an.

Die noch zu gründende BI will kleine Arbeitsgruppen bilden, um die verschiedenen Themengebiete abzudecken. Es soll auch der Kontakt zu bestehenden Initiativen in Sachsen-Anhalt gesucht werden, um sich zu verknüpfen.

VON PAUL GERLACH

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