Ein Jahr Örtliche Einsatzleitung: Führungseinheit rüstet sich für Stürme, Hochwasser oder Waldbrände

Mobile Lösung für den Ernstfall

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Sturm „Friederike“ Mitte Januar war die Nagelprobe: Der Landkreis Gifhorn kam bei dem Orkantief glimpflich davon. Aber für die Örtliche Einsatzleitung war es eine gute Gelegenheit, die Abläufe im Ernstfall zu proben und weiter zu verinnerlichen.

Samtgemeinde Hankensbüttel. Orkantief „Friederike“ Mitte Januar war die Nagelprobe für die Örtliche Einsatzleitung (ÖEL): Diese wird seit Februar 2017 von der Hankensbütteler Samtgemeinde-Feuerwehr aufgebaut – mit Percy Pfeiff als großem Vorantreiber.

Die mobile Führungseinheit soll, wie ein kleiner Krisenstab, bei Sturm, Hochwasser, Waldbränden oder auch größeren Schadenslagen in Betrieben zum Einsatz kommen. Aber auch Evakuierungen, größere Personensuchen oder umfangreichere Einsätze in Verbindung mit Krankenhäusern oder Schulen zählen zu den möglichen Ereignissen, bei denen die ÖEL herangezogen wird.

„Sobald drei Züge im Einsatz sind, sollte man in Betracht ziehen, die ÖEL zusammenzurufen“, sagt Pfeiff im IK-Gespräch. Der Steinhorster und Karsten Hildebrandt aus Emmen führen die ÖEL: Das Alter der ursprünglich 20, inzwischen 27 Gruppenmitglieder aus allen Teilen der Samtgemeinde reicht von 25 bis 60 Jahre. Darunter sind zwei Frauen. „Das Interesse war groß. Die Mitgliederzahl ist ausreichend“, sagt Pfeiff. So könnten auch bei einem Einsatz, der sich über einen oder zwei Tage hinzieht, die Kräfte gewechselt werden.

Die ÖEL übt 14-tägig, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Seit deren Gründung setzten sich die Beteiligten vorwiegend mit der internen Organisation auseinander: Wie stellt sich die ÖEL auf? Was muss im Einsatz geschehen? Was muss die ÖEL leisten? Über allem schwebt die Feuerwehr-Dienstvorschrift 100 zur Führung und Leitung im Einsatz. Daraus ergeben sich die Vorgaben für die ÖEL. Deren Aufgaben teilen sich in vier Sachgebiete auf: Personal/Innerer Dienst, Lage, Einsatz und Versorgung. Bei letzterem Punkt geht es darum, die Einsatzkräfte mit Getränken und Essen zu verpflegen. Im Einsatzfall können in der mindestens achtköpfigen ÖEL problemlos dann die Verwaltung, die Polizei, das THW oder zum Beispiel das Umweltamt eingebunden werden.

Bei der ÖEL, die komplett ausgestattet ist (inklusive Soft- und Hardware) und deren Equipment in Alu-Transportkisten im Gerätehaus – zunächst in Emmen, jetzt in Hankensbüttel – gelagert wird, entschied man sich für die mobile Lösung. Eine stationäre Variante wurde verworfen. „So sind wir deutlich flexibler“, erklärt Pfeiff. „Wir haben eigenes Internet über LTE und eigenes Telefon – wir sind autark.“ Bei der Lagemeldung setzt die ÖEL, wie etwa der Katastrophenschutz, auf Vierfach-Vordrucke – mit einem farbigen Symbolsystem, das einen schnellen Überblick ermöglicht. „Da sind wir noch analog unterwegs. Elektronische Lösungen stehen erstmal hinten an“, sagt Pfeiff, dem beim Aufstellen des ÖEL-Konzeptes seine Erfahrungen als ehemaliger Gemeindebrandmeister zugute kamen. Andere ÖEL gibt es etwa schon in Gifhorn und in Isenbüttel.

„Wir waren vorbereitet auf ‘Friederike’“, zieht Pfeiff ein zufriedenes Fazit. „Es war nicht so schlimm, wir sind rechtzeitig alarmiert worden.“ Die Mitglieder sind alle mit Meldeempfängern ausgestattet, die Voralarmierung läuft über eine WhatsApp-Gruppe.

Von Paul Gerlach

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