Probleme durch Windwurf, Borkenkäfer, Dürre

Maseler Wald: Wiederaufforstung auf den Schadflächen

Forstwirt Michael Jacobs beim Anpflanzen im Maseler Wald, im Hintergrund Trainee Henning Grabs (v.l.), Förster Joachim Remitz sowie Betriebsdezernent Georg Deeken von den Niedersächsischen Landesforsten (Forstamt Unterlüß).
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Forstwirt Michael Jacobs beim Anpflanzen im Maseler Wald, im Hintergrund Trainee Henning Grabs (v.l.), Förster Joachim Remitz sowie Betriebsdezernent Georg Deeken von den Niedersächsischen Landesforsten (Forstamt Unterlüß).
  • Paul Gerlach
    vonPaul Gerlach
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Masel / Isenhagener Land – Millionen junger Bäume für den Landeswald in Niedersachsen: Mit Zahlen dieser Größenordnung wird im Maseler Wald nicht hantiert, aber auch dort wird auf Schadflächen Wiederaufforstung betrieben und ein klimastabiler Mischwald aufgebaut. Dabei wird naturgemäß in großen Zusammenhängen gedacht und nach langfristigen Zielen gehandelt.

Wechsel der Baumarten

Georg Deeken, Betriebsdezenent des Forstamtes Unterlüß, erläutert die Stoßrichtung: „Wir hoffen, durch intensive Überwachung und schnelle Reaktion Schadensereignisse zu verzögern, damit wir genügend Zeit gewinnen, um unsere Wälder langsam in Richtung Klimaresilienz entwickeln zu können.“ Die Bäume sollen mit den Auswirkungen des Klimawandels gut umgehen können. Windwurf, Dürre und der Befall mit Borkenkäfern haben sich in den vergangenen zehn Jahren verstärkt. Das Kiefernsterben hält bereits seit Jahrzehnten an.

Im Maseler Wald wurden in diesem Frühjahr auf einer Gesamtfläche von zwei Hektar junge Bäume angepflanzt – auf einem Hektar 7000 Traubeneichen, hinzu gesellen sich außerdem 800 Weißtannen. Mit der Pflege der Pflanzen nun im Anschluss wird dieses Vorhaben vier, fünf Jahre in Anspruch nehmen. Im Maseler Wald passiert außerdem durch Naturverjüngung ökologisch eine Menge. In dem Wald gibt es im Vergleich zu den meisten Flächen des Forstamtes überdurchschnittlich gute Standorte. Der sehr hohe Fichtenanteil stammt überwiegend aus Nachkriegsaufforstungen, die durch die Reparationszüge an die Briten mit Holz nötig geworden waren: Die Fichten wuchsen hervorragend und lieferten jahrzehntelang gutes Bauholz. Seit vielen Jahren wird der Maseler Wald umgebaut – insbesondere mit Eichen und Buchen, aber es gibt auch Teilflächen mit Douglasie, Lärche oder Weißtanne. Das Pflanzen von Eichen ist nur mit einem Zaunschutz gegen Wildverbiss möglich.

Blick 40 Jahre voraus

Deeken veranschaulicht, dass sehr vorausschauend agiert werden muss. Wissenschaftliche Grundlage seien Klimamodelle, die berechnen, wie sich unterschiedliche Einflussfaktoren auf die Situation in den nächsten 40 Jahren auswirken. Pessimistische Szenarien seien eingepreist. Entsprechend situationsgerechte Baumarten werden ausgewählt. „Wir wollen eine Baumartenvielfalt haben“, sagt Förster Joachim Remitz. Ausgerichtet daran, wie die Bodenbeschaffenheit ist und um welchen Standort es sich handelt. „Buchen und Fichten werden es schwer haben“, prognostiziert Deeken. Trainee Henning Grabs verweist darauf, dass es von den Versuchsanstalten Empfehlungen gebe, welche Bäume besser mit dem Klimawandel besser zurechtkommen. Douglasie, Roteiche und noch einige andere würden empfohlen und zu den Arten gehören, die auch für die hiesige Region geeignet sind. Deeken führt ergänzend die Japanische Lärche und die Küstentanne an. „Wir reagieren flexibel – nicht aktionistisch, aber konsequent – auf die kleinen Katastrophen und die größeren Störungen.“ An allen Problemen werde gearbeitet. Bei der Bodenbearbeitung gehe man minimalistisch vor. Remitz freut sich, dass man als Förster kreativ sein kann – beim Wandel von Rein- hin zu Mischbeständen auf der großen Fläche.

Im Bereich des Forstamtes Unterlüß gibt es – wie etwa in Südniedersachsen, speziell im Harz und Solling – seit 2018 auch Schäden: insbesondere bei den Fichten, aber auch durch ein Eschensterben sowie den Befall durch den Diplodia-Pilz bei Kiefern im Südkreis. In der Samtgemeinde Hankensbüttel liegt der Schadensschwerpunkt bei Fichten im Maseler Wald und im Bereich Hagen. Deeken: „In den meisten Fällen sind die Schäden auf kleineren Flächen oder in Mischbeständen, sodass die Flächen der natürlichen Verjüngung mit verschiedenen Baumarten wie Kiefer, Birke, Fichte, Ebereschen oder auch Weiden überlassen werden.“

Anpassung ans Klima

Auf größeren Flächen oder an den „besseren“ Standorten wie dem Maseler Wald soll zielgerichtet ein Wechsel der Baumarten durch eine klimaangepasste Wahl erfolgen. Grundlage für letztere ist ein Programm der Landesforsten von 2019, das seit etwa 15 Jahren fortgeschrieben wird. Dabei wird von einer längeren Vegetationszeit und extremeren Wetterereignissen ausgegangen. Im Forstamt werden im Frühjahr 130 000 Pflanzen gesetzt – 75 000 Laubbäume (55 000 Eichen, 16 000 Buchen) und 55 000 Nadelbäume (30 000 Douglasien, 13 000 Kiefern).

Schwerpunkt auf Südniedersachsen

Der Schwerpunkt der Landesforsten liegt in den von Witterungsextremen und vom Borkenkäfer-Befall stark betroffenen Wäldern in Südniedersachsen. Neben den etwa 3,5 Millionen Laubbäumen wie Buchen, Eichen, Ahornen und den 2 Millionen Nadelbäumen wie Lärchen, Tannen und Douglasien, die in den Landesforsten gepflanzt werden, werden sich auch unzählige Bäumchen von allein einfinden – so wie im Maseler Wald. Über die „Klima-Aktion Wald“ der Landesforsten ist es möglich, sogenannte Klima-Aktien zu erwerben. Mit dem Erlös wird die Wiederaufforstung unterstützt.

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