Nach Drosten-Überlegung zu Corona-Virus: Otter-Zentrum-Chef über Hundeartige als Überträger

Marderhunde als Quelle? „Ist Spekulation“

+
Da man 2002 nach dem Ausbruch in Südchina das SARS-Corona-Virus in Marderhunden gefunden hat, bringt Virologe Prof. Dr. Christian Drosten die Tiere als Zwischenwirt ins Spiel. Dr. Oskar Kölsch vom Otter-Zentrum betont: „Das sind Spekulationen.“

Hankensbüttel – Prof. Dr. Christian Drosten, Chef-Virologe am Charité-Klinikum Berlin, vermutet Marderhunde als Coronavirus-Quelle. „Ich denke, es gibt eine Tierquelle“, führt Drosten aus.

„Man hat damals bei dem alten, ersten SARS-Corona-Virus Schleichkatzen Virus-positiv gefunden, aber auch Marderhunde.“

Die Marderhunde seien in China aufgrund ihres Fells ein riesiger Industriezweig. „Da könnte man mal drüber spekulieren, ob da vielleicht eine Quelle zu finden wäre“, so der Virologe. Das IK hat sich beim Hankensbütteler Otter-Zentrum umgehört, ob Marderhunde als Überträger in Frage kommen.

„Das sind Spekulationen“, betont dessen Chef Dr. Oskar Kölsch auf IK-Anfrage. Dazu gebe es noch keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Zunächst seien Fledermäuse, danach das Schuppentier – das in China als Delikatesse gilt – für die Übertragung auf den Menschen ins Spiel gebracht worden, erinnert Kölsch.

Daher handele es sich bei Drostens Ausführungen um eine Vermutung. Der Experte habe Überlegungen angestellt, wie das Virus vom Wildtier auf den Menschen überspringen konnte. Wo hat es Kontakte in großen Mengen gegeben? Und das sei nun mal in den Pelztierfarmen in China der Fall gewesen. „Bei Marderhunden wurden Corona-Viren schon nachgewiesen“, bestätigt Kölsch. In den Farmen seien die Menschen und die Wildtiere in engem Kontakt. „Dort werden viele Marderhunde sehr eng gehalten. Das sind Wildtier-Bestände.“

Kölsch hält fest, dass man zu dem Thema jetzt genauer forschen müsse. Das Muster sei oft gleich: Am Anfang würden Zerstörungen von Lebensraum von Tieren durch den Mensch stehen. In der Folge würden Wildtiere und Menschen dann zu eng zusammenleben, etwa indem sie in den Farmen oder auf Märkten mit lebenden Tieren gehalten werden.

„Wir sollten den Wildtieren ihren Lebensraum lassen und ihn erhalten“, schlussfolgert Kölsch daraus. „Wir sollten keine Wildtiere in Massentierhaltung halten.“ Denn dies seien Gefahrenpunkte in Sachen Übertragung von Viren. Demnach stellt sich laut Kölsch insgesamt betrachtet die grundsätzliche Frage, ob eine Übertragung des Virus vom Marderhund auf den Menschen überhaupt möglich ist.

Wie sieht es in der hiesigen Region in Sachen Marderhund aus? „Er ist hier überall verbreitet“, sagt Kölsch. Sie könnten als Hundeartige alle Krankheiten bekommen und Viren tragen wie ein Hund. Dennoch sieht Kölsch in der Gegend hier keine große Gefahr. „Sie sind sehr scheu.“ Die Jäger würden wissen, wo sich die Marderhunde aufhalten, aber der Otto Normalbürger komme nicht mit ihnen in Kontakt.

VON PAUL GERLACH

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare