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Grünen-Kritik an Kommunikationspolitik nach Leckage bei Steinhorst

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Von: Paul Gerlach

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Eine so genannte Pferdekopfpumpe, im Hintergrund der Betriebsplatz einer Erdölbohrung.
Deutliche Kritik an der Kommunikationspolitik des Landesbergbauamtes (LBEG) äußert Christian Schroeder, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag, nachdem bei einer Leckage bei der ehemaligen Erdölbohrung Eldingen 25 bei Steinhorst 1000 Liter Bohrlochflüssigkeit ausgetreten sind. © Agenturen

Steinhorst/Eldingen – Deutliche Kritik an der Kommunikationspolitik des Landesbergbauamtes (LBEG) äußert Christian Schroeder, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag. Der Hintergrund: Zwischen Steinhorst und Groß Oesingen wird derzeit die ehemalige Erdölbohrung Eldingen 25 verfüllt. Am 11. August sind dort beim Ausbau des Produktionsrohrs durch eine Leckage in etwa zwei Metern Tiefe 1000 Liter Ringraumschutz-Flüssigkeit – also Bohrlochflüssigkeit, kein Lagerstättenwasser – ausgetreten, wie das LBEG als Meldung auf seiner Homepage unter „Neuigkeiten“ berichtet. Darin heißt es, der Betreiber habe festgestellt, dass auf dem Betriebsplatz etwa sechs Meter vom Bohrlochkeller entfernt Flüssigkeit ausgetreten sei. Die Arbeiten an der Bohrung seien sofort eingestellt, die Bohrung gesichert und Sofortmaßnahmen eingeleitet worden. Der Betreiber informierte demnach das LBEG als Aufsichtsbehörde und den Landkreis Celle über das Ereignis. LBEG-Experten verschafften sich vor Ort einen genauen Überblick.

Inzwischen wurde die Leckagestelle laut LBEG-Sprecher Eike Bruns durch Zementierung verschlossen, die Verfüllung der Bohrung sei am 3. September abgeschlossen und die Ölfeldwinde am 8. September wieder abgebaut worden. Der Boden auf dem Platz, insbesondere um den Bohrlochkeller, sei von einem externen Sachverständigen untersucht und komplett ausgetauscht worden. Zwischen der ExxonMobil Production Deutschland GmbH (EMPG), dem LBEG und der unteren Wasserbehörde des Landkreises sei ein Sanierungskonzept im Rahmen des Bohrplatzrückbaus abgestimmt, so Bruns.

Überwachung moniert

Schroeder fragt sich indes „wieder einmal, wie mit solchen Stoffen umgegangen wird“. Scheinbar sei man sich der Gefahr, die von diesen Stoffen ausgehe, nicht bewusst oder ignoriere diese. Sein Eindruck sei, dass aus Fehlern nicht gelernt werde und danach nichts geschehe. Zudem kritisiert er die LBEG-Kommunikationspolitik: Das LBEG beziehe öffentlich keine Stellung, es weise die verantwortlichen Industrieunternehmen nicht scharf zurecht und habe scheinbar kein Interesse, Vorfälle dieser Art zu publizieren. Zum Flüssigkeitsaustritt habe es keine Pressemitteilung gegeben, die Meldung finde man nur, wenn man die LBEG-Homepage gezielt ansteuere. Das LBEG unterlasse „eine vernünftige Überwachung“.

Die Kritik von Schroeder sei „sehr pauschal“ und er lasse offen, „welche Stoffe er konkret meint“, entgegnet Bruns auf IK-Anfrage. Das LBEG sei sich der Gefährdungen für Menschen und Umwelt, die von den bei der Erdölförderung eingesetzten Stoffen ausgehe, „sehr wohl bewusst“. Die einschlägigen Rechtsvorschriften würden eingehalten. Dazu würden Genehmigungsverfahren und bergaufsichtliche Kontrollen vorgenommen.

Zweistufiges Informationssystem

Das LBEG habe auf seiner Homepage über das Ereignis informiert, betont Bruns. Aus Sicht des LBEG sei die Information in diesem Fall im angemessenen Umfang erfolgt. Das LBEG sei sehr um Transparenz bemüht und informiere über Ereignisse, sobald auch nur theoretisch die Möglichkeit bestehe, dass die Öffentlichkeit von einem solchen Ereignis betroffen ist oder dieses anderweitig zur Kenntnis nehmen könnte. Das LBEG müsse aber auch „die Verhältnismäßigkeit wahren“ und müsse über Ereignisse, die keine übergeordnete Bedeutung für die Öffentlichkeit haben, „angemessen informieren“. An diesem zweistufigen Informationssystem will das LBEG festhalten und sieht diese Strategie „weiterhin als sinnvoll“ an. Ein (Schadens-)Ereignis, das eine profunde Auswirkung auf die Öffentlichkeit habe und das per Pressemitteilung veröffentlicht werden würde, habe in diesem Fall nicht vorgelegen.

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