1. az-online.de
  2. Isenhagener Land
  3. Hankensbüttel

„Landwirte spezialisieren sich“

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
IKEGO-Geschäftsführer Gerhard Müller (v. l.), Lagermeister Manfred Witt, IKEGO-Landwirt Wolfgang Schulz sowie Aufsichtsratsmitglied Wilhelm Fromhagen im Gespräch über die Kartoffelernte. Foto: Peter

Hankensbüttel. Die Kartoffelanbauer in der Region hatten während der vergangenen Wochen Hochsaison. Auf vielen Feldern waren und sind die Kartoffelroder noch im Einsatz.

Die Industriekartoffel-Erzeugergemeinschaft Ost-Heide eG (IKEGO) in Hankensbüttel zieht eine erste Bilanz über die Erntesaison und belegt zudem, dass durch Spezialisierung die Zahl der Kartoffelanbau-Betriebe gesunken ist.

Deutlich zügiger als in anderen Jahren konnten die Landwirte im Isenhagener Land ihre Kartoffelernte einbringen, resümiert IKEGO-Geschäftsführer Gerhard Müller. Anfang September hätten Niederschläge die Ernte behindert. Ab Mitte September sorgte jedoch eine stabile Hochdruckwetterlage mit trockenen Bedingungen und optimalen Temperaturen für einen reibungslosen Ablauf der Kartoffelernte und Einlagerung. Das Wetter hielt sich in dieser Form bis Anfang Oktober. So konnte zum Beispiel die IKEGO innerhalb dieses Zeitraums mehr als 60 000 Tonnen Kartoffeln für die Einlagerung von ihren Landwirten abnehmen, schildert Müller.

Insgesamt vermarkte die IKEGO rund 80 000 Tonnen Kartoffeln, die von 127 Landwirten auf 2000 Hektarn im Isenhagener Land erzeugt werden. Auf Grund der trockenen Rodebedingungen und günstiger Temperaturen für die Belüftung der Kartoffeln gehe man bei der IKEGO im Großen und Ganzen von einer guten Lagerfähigkeit der Kartoffeln aus.

Die Niederschläge im Juli und August führten laut Müller zu Infektionen bei den Kartoffeln mit Fäulniserregern, so dass die Lagerperiode durchaus spannend bleibe.

Weniger zufrieden ist die IKEGO hingegen mit den erzielten Erträgen in diesem Jahr. Anders als im Bundesdurchschnitt, wo eine rund 20 Prozent höhere Ernte als im Vorjahr verbucht werde, komme man in der Gegend nur knapp an die Erträge des Vorjahres heran. Die Gründe dafür sind vielschichtig, weiß der Geschäftsführer. Bei der Erzeugergemeinschaft werden ausschließlich Spezialsorten für Kartoffelchips angebaut.

Aus dem weit über 200 Sorten umfassenden Kartoffel-Spektrum seien lediglich vier Sorten für die Verarbeitung zu Chips wirklich interessant. Das sind die Kartoffelsorten Verdi, Lady-Claire, Lady-Rosetta und Kiebitz. Diese Sorten hätten, genetisch bedingt, bei der Ernte und bei der Lagerung einen sehr niedrigen Zuckergehalt und einen für die Chipsproduktion optimalen Trockensubstanzgehalt.

Diese Qualitätsmerkmale gehen aber leider mit einem niedrigeren Ertragsniveau einher, erklärt der IKEGO-Chef. Und dies wurde in diesem Jahr durch die lang anhaltende Trockenheit im Frühjahr bis Ende Juni noch verstärkt. Eine Trockenphase zum Zeitpunkt der Knollenbildung führe in der Regel zu geringem Knollenansatz und Ertragsdepressionen.

Im Isenhagener Land bauen die Kartoffelbauern Früchte für alle Verwertungsrichtungen an. Neben Speisekartoffeln und Pflanzkartoffelvermehrung spielt jedoch der Vertragsanbau für die Weiterverarbeitung eine sehr große Rolle. Nicht umsonst sitzen die Verarbeiter wie Lorenz Snack-World gleich neben der IKEGO und Emsland Food in Wittingen im Isenhagener Land in einem Kerngebiet des Kartoffelanbaus, unterstreicht Geschäftsführer Gerhard Müller.

Neben dem Anbau der Lebensmittel spielen für die Landwirte aber auch die erneuerbaren Energien eine immer größere Rolle. Mit der zunehmenden Produktion von Rohstoffen für beispielsweise Biogasanlagen, bekommen die Kartoffeln als Fruchtfolgeglied immer mehr Konkurrenz auf den Feldern durch Mais- und Rübenanbau, die für erneuerbare Energien genutzt werden. Darüber hinaus verändern auch die in den vergangenen Jahren stabileren Getreidepreise die Wettbewerbsfähigkeit der Früchte.

Trotz allem bleibt die Kartoffel nach Ansicht von Gerhard Müller ein wichtiges Verkaufsgut für die Landwirte. Dazu seien neben „auskömmlichen Preisen“ auch eine „optimale auf hohe Qualität zielende Produktionstechnik“ notwendig. Der IKEGO-Chef wagt einen Blick in die Zukunft und vermutet, dass eine noch weiter zunehmende Spezialisierung der Landwirte und Konzentration des Kartoffelanbaus auf immer weniger Betriebe die Folge sein werde. Vor diesem Hintergrund gewinnt für die Kartoffel verarbeitende Industrie das Thema Rohstoffsicherung eine immer größer werdende Bedeutung.

IKEGO-Geschäftsführer Müller: „Landwirte, auch Bio-Betriebe, spezialisieren sich heute zunehmend. Dadurch werden die Kartoffelanbauer weniger. Einzeln bauen diese aber mehr an. Der Geschäftsführer sieht darin keine bedrohliche Situation, sondern einen Prozess, der erkennbar sei.

„Partnerschaften zwischen Industrie und Landwirtschaft, wie es in Hankensbüttel oder Wittingen praktiziert wird, können auch in Zukunft gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kartoffelwirtschaft im Isenhagener Land sein“, findet der Geschäftsführer.

Von Sabine Peter

Auch interessant

Kommentare