„Beteiligung war sehr gut“

Landwirte protestieren in Hamburg: Auch Carsten Rodewald aus Langwedel mit dabei

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Trecker aus dem Raum Gifhorn und Stade unterwegs in Hamburg.

Hamburg / Isenhagener Land – Mit Trillerpfeifen, Vuvuzelas, Transparenten und jeder Menge Traktoren machten sie sich gestern auf den Weg nach Hamburg: Tausende Landwirte äußerten lautstark anlässlich der dort bis heute laufenden Umweltministerkonferenz ihren Unmut über die aktuelle Umwelt-, Agrar- und Handelspolitik.

Aus dem Isenhagener Land und dem gesamten Landkreis Gifhorn waren 40 Schlepper und rund 100 Teilnehmer dabei.

Die Kundgebung fand ab 12 Uhr am Gänsemarkt statt. „Die Beteiligung war sehr gut“, freute sich Landwirt Carsten Rodewald aus Langwedel unmittelbar nach Ende der Kundgebung im IK-Gespräch. Aus dem ganzen norddeutschen Raum, etwa aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, oder selbst aus Leer in Ostfriesland seien die Bauern zur Demo gekommen. „Sie kamen aus allen Himmelsrichtungen.“

Die Anfahrtsroute aus dem Kreis Gifhorn führte die Teilnehmer bis Bardowick, wo es gegen 5 Uhr morgens weiter über Geesthacht gen Norden ging. In Gifhorn war der Start daher beispielsweise bereits um 2 Uhr erfolgt. In Bardowick versammelten sich laut Rodewald 450 Schlepper, die aus den Landkreisen Lüneburg, Lüchow-Dannenberg und Uelzen dazustießen.

In Hamburg wurde der Autoverkehr auf den An- und Abreisestrecken und im Stadtgebiet erheblich gestört. In der Hansestadt sperrte die Polizei zeitweise auch wichtige Hauptverkehrsstraßen im Innenstadtbereich und riet allen Bürgern dazu, nur S- und U-Bahnen zu benutzen. Unter anderem die Bereiche Karolinenstraße/St. Petersburger Straße/Glacischausee wurden nach Polizeiangaben als Abstellorte für die Trecker genutzt. „Die Stadt war komplett voll“, schildert Rodewald.

Bei der Kundgebung vor Ort waren auch Staatssekretär Jochen Flasbarth in Vertretung von Bundesumweltministerin Svenja Schulze, Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus und Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan. Eine Resolution mit der Überschrift „Kooperation statt Verbote – Dialog statt Konfrontation“ wurde durch das Bündnis Forum Natur übergeben. Dabei geht es unter anderem um den Schutz des Grundwassers, den Insektenschutz, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat und das Wolfsmanagement. Rodewald hatte den Eindruck, dass die Politik zum Diaolog bereit ist. „Wie ernst dies gemeint ist, muss sich zeigen.“ Als Nächstes steht am 26. November eine Demo in Berlin an. Rodewald, der mit einer Delegation aus dem Isenhagener Land dort hin will, hofft, dass Ministerin Schulze dann dabei ist. Die Landwirte hätten derzeit das Gefühl, dass viel über ihre Köpfe hinweg entschieden werde. „Dabei sind wir an Nachhaltigkeit interessiert. Man fühlt sich überfahren.“

• Die Kundgebung in Hamburg hatte der Deutsche Bauernverband zusammen mit dem Aktionsbündnis Forum Natur organisiert, einem Zusammenschluss verschiedener Verbände, die etwa Wald- und Landeigentümer und Jäger vertreten. Unter den Organisatoren war auch die mit der jüngsten Protestwelle (das IK berichtete) entstandene Bewegung „Land schafft Verbindung“.

VON PAUL GERLACH

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