Anlagen sicher? Wachsende Zweifel

Landkreis wählt nach Ölleitungs-Leck bei Hankensbüttel deutliche Worte

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Nach dem Ölleitungs-Leck bei Hankensbüttel am Kreisel am 22. August wachsen beim Landkreis Gifhorn die Zweifel, ob die notwendige Sicherheit der Anlagen noch durchweg gegeben ist. 

Hankensbüttel – Die Bilder vom erneuten Ölleitungs-Leck am 22. August am südlichen Ortsrand von Hankensbüttel (das IK berichtete) sind allen in ihrer Dramatik noch lebhaft vor Augen.

Während derzeit noch die Wiederverfüllung der betroffenen Bereiche entlang der Rohrleitung läuft, hat der Landkreis gestern deutliche Worte zu der Leckage gewählt.

Beim Pressegespräch äußerten sich Kreisrat Mirco Schmidt und Ulf Kehlert vom Fachbereich Umwelt über das Ölleck. Die Gewinnung von Erdöl sei mit Umweltrisiken verbunden, die im Regelfall durch technische Vorkehrungen beherrschbar erscheinen. Diverse Vorfälle allein in den letzten zwei Jahren, verursacht durch defekte Förder- oder Transportleitungen, hätten beim Landkreis nun wachsende Zweifel daran geweckt, dass die notwendige Sicherheit der Anlagen noch durchweg gegeben ist.

Durch Leckagen an Leitungen für Nassöl und auch für Lagerstättenwasser sind zum Teil erhebliche Mengen an wassergefährdenden Stoffen ausgetreten, sodass verunreinigte Bereiche unter Führung des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) saniert werden mussten.

Zwar ist es nach Angaben des Landkreises noch zu keinem gravierenden Schaden am Grundwasser gekommen, aber die Besorgnis darüber steigt, ist der Verwaltung bewusst. Das Vertrauen in die Sicherheit der Förderanlagen habe bei der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten deutlich abgenommen und sei in Teilen bereits nicht mehr vorhanden. Dabei sei besonders zu berücksichtigen, dass im Landkreis Gifhorn große Trinkwasserschutzgebiete ausgewiesen sind und in erheblichem Maß Trinkwasser gefördert wird.

Die Häufung von Vorfällen allein im Landkreis Gifhorn legt den Schluss nahe, dass bestehende Leitungen veraltet sind und dringend der Erneuerung bedürfen, heißt es beim Kreis. Daher fordert Landrat Dr. Andreas Ebel in einem Schreiben ans LBEG die zeitnahe und gründliche Überprüfung aller Förderanlagen: „Die Vorfälle zeigen, dass eine reale Gefahr für Grund- und Oberflächenwasser nicht ausgeschlossen werden kann. Hier muss vorbeugend die Leistungsfähigkeit der Leitungen geprüft werden.“ Er hat seiner Besorgnis über die Reihe von Vorfällen an Förderleitungen deutlich Ausdruck verliehen und das Schreiben auch dem Niedersächsischen Umweltministerium zur Kenntnis überreicht.

Der Landkreis selbst hat eine Rufbereitschaft von ausgebildeten Fachkräften eingerichtet, um bei einer Havarie schnellstmöglich erste Maßnahmen einleiten zu können. Grundsätzlich liegt jedoch die Zuständigkeit für die Überwachung der erdölfördernden Betriebe beim LBEG.

Auf IK-Anfrage, ob inzwischen bekannt ist, wie viel Nassöl über welchen Zeitraum insgesamt ins Erdreich gesickert ist, sagte LBEG-Sprecher Völlmar gestern, dass bei der Leckage bei Hankensbüttel „etwa 20 Kubikmeter Nassöl über einen Zeitraum von wenigen Stunden ausgetreten“ seien. Der betroffene Boden sei unter Begleitung eines Umweltgutachters aufgenommen und fachgerecht entsorgt worden.

VON PAUL GERLACH

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