Entlastung für begrenzte Hallenkapazitäten

Landesweites Modellprojekt: Radsport im Unterricht

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Lutz Heuer (l.) und Björn Meyer, Lehrer am Hankensbütteler Gymnasium, bei der letzten Fortbildung im Harz.

Hankensbüttel. Am Hankensbütteler Gymnasium soll zum Schuljahr 2016/2017 ein radsportpädagogisches Konzept in das Curriculum aufgenommen werden.

Bewegen auf rollenden und gleitenden Geräten ist ein verbindlicher Bestandteil des Curriculums im Fach Sport für die Mittel- und Oberstufe. Möglichst im Frühjahr sollen bereits Schnupperkurse beginnen, damit im kommenden Schuljahr ein größerer Zulauf erreicht wird.

Leidenschaft fürs Fahrrad

Aufgrund der begrenzten Hallenkapazitäten (das IK berichtete) ist die Nutzung der Bikes bereits aus schulorganisatorischen Gründen eine Entlastung. Neben der obersten Zielsetzung des Sportunterrichts, die Schüler zum lebenslangen Sporttreiben zu motivieren, bietet Radfahren ideale Voraussetzungen zur Gesundheitserziehung (Prävention von Zivilisationskrankheiten), Sozialerziehung (Teamfähigkeit, Verantwortung) und Umwelterziehung (nachhaltige Mobilität, Verhalten im Gelände), erläutert Lutz Heuer, Koordinator für schulfachliche Aufgaben am Gymnasium, auf IK-Anfrage. Vor dem Hintergrund des Schulstandortes biete das Bike die Möglichkeit der selbstbestimmten Mobilität. Nicht zuletzt werde durch eine verbesserte Fahrtechnik auch die Verkehrssicherheit erhöht und die Unfallprävention gefördert.

Heuer und Björn Meyer (Fachobmann Sport) bereiten sich schon durch Fortbildungen auf ihre Übungsleitertätigkeit im Radsport vor. Die Idee stammt aus Baden-Württemberg und Bayern, wo das Fahrrad einen höheren Stellenwert in den curricularen Vorgaben besitzt. In Niedersachsen existiert bislang noch kein Projekt dieser Art, sagt Heuer.

Aufbauend auf eine Ganztags-AG, die Themen wie Fahrtechnik, Umwelterziehung und Routenplanung beinhaltet, soll das Biken ein fester Bestandteil im Mittel- und Oberstufen-Sportunterricht werden. Damit wird die Angebotsstruktur für die Schüler erweitert.

Neben der Arbeit am Schulstandort bietet der Harz weitere Möglichkeiten, die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schüler zu erweitern. Das Projekt umfasst zudem die Einrichtung einer Fahrradwerkstatt zur Wartung des Bike-Pools, zur Vermittlung grundlegender Reparaturfertigkeiten sowie eine Erweiterung des Wissens zur Technik an den Rädern. Des Weiteren soll mittelfristig die Verkehrserziehung der neuen 5. Klassen durch einen Fahrradführerschein, der auf den Grundlagen der Grundschulen aufbaut, erweitert werden.

Denkbar wäre laut Heuer auch eine Projektwoche „Rund ums Rad“, bei der die Schüler projektorientiert zu Themen wie „Pimp My Bike“, „Mythos Tour de France“ oder „Werkstoffkunde am Bike“ arbeiten könnten.

Standortvorteil für Vorhaben

Seitens des Schulvorstandes und der Sportfachgruppe gibt es laut der kommissarischen Schulleiterin Cornelia Röhrkasten schon grünes Licht für ein Sponsoring. Erste Gespräche dazu seien bereits geführt worden. Mit der Knesebecker Firma Lilie hat das Gymnasium einen Partner gefunden, der die Leidenschaft für das Fahrrad teilt und sich für das Projekt engagiert. So sind zukünftig Werkstatt-Workshops mit Björn Lilie geplant, bei denen die Schüler an die etwas komplexeren Reparaturen – wie Scheibenbremsen warten oder Schaltungen einstellen – herangeführt werden sollen, so Heuer. Diese Partner erleichtert der Schule den Zugang zu allen Produkten rund ums Bike. So konnten 15 Fahrradhelme und eine Werkstatt-Grundausstattung angeschafft werden. Für den Erwerb der 15 Mountainbikes werden laut Heuer noch Sponsoren gesucht.

„Häufig wird bemängelt, dass man hier im ländlichen Raum sei, aber an diesem Punkt habe man einen Standortvorteil gegenüber den städtischen Schulen“, hält Röhrkasten fest. „Wir haben gute Möglichkeiten, dieses Projekt hier umzusetzen.“

Von Paul Gerlach

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