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Kult, Chanson und Klamauk

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Hannoveraner Quartett als krönender Abschluss des Steinhorster Lesesommers: Die „Ferrari Küsschen“ traten am Wochenende im Schulmuseum auf. Der Abend bildete zugleich die Benefizveranstaltung – mit Erfolg, der Lesesommer 2012 ist gesichert. Foto: Alisch

al Steinhorst. Ein guter Wein wird mit den Jahren immer besser – ein Ferrari weniger. Was die „Ferrari Küsschen“ angeht, liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.

Das A-Cappella-Quartett aus Hannover setzte den Schlusspunkt des Steinhorster Lesesommers 2011 und wanderte dabei zwischen Kult, Chanson und viel zuviel Klamauk.

Dass mit dem eigenen, nicht mehr ganz so jugendlichen Alter kokettiert wird, Sylvia Reck mehr wie Hans-Werner Olms Kultfigur Luise Koschinsky denn als „Sexy Hexy“ den Abend eröffnete, gab die Marschroute vor: Immer ein bisschen mehr draufhauen als unbedingt nötig. Statt ihren guten A-Cappella-Arrangements zu vertrauen, enftfachten die „Ferrari Küsschen“ ein wahres Requisiten und Billig-Perücken-Feuerwerk. Dabei haben es ihre Lieder nicht nötig: Reichte für das Original „Noch einen Tanz“ allein die Stimme von Esther Ofarim, um die böse Ironie des Stücks herauszuarbeiten, muss sich bei den „Küsschen“ Volker Bublitz zum depperten geflügelten Engel machen lassen, der sich ein zünftiges „luja sog i“ verkneifen kann.

Ähnlich geht es bei den Beatles-Titeln in der deutschen Originalversion: Als gäben die albernen Texte, gesungen mit englischem Akzent nicht von allein nicht genug an Albernheit her, wird zusätzlich brachial auf die Humor-Tube gedrückt. Den heißgeliebten „Kleinen, grünen Kaktus“ zur Hymne eines Headbangers zu machen, der wohl eher an Hanf und Mohn denkt, war für einige Lacher gut. Dem im Dittsche-Look auftrumpfende „Köng von Deutschland“ dagegen fehlte es doch deutlich an Fahrt.

Und in der Moderation erst mintenlang auf Bach anzuspielen, um dann mittelprächtig Mozarts „Zauberflöte“ zu intonieren, ist auch nur mäßig komisch. Schließlich noch die Zuschauer Manfred als Kleiderständer und Reinhold als Tanzbären auf die Bühne zu stellen, brachte den Saal aber zu Heiterkeitsausbrüchen in Serie. Kaum zu toppen natürlich die Biker-Variation von „Westerwald“ mit Anklängen von „Born to be wild“.

Aber die „Küsschen“ können zwischendurch - zum Glück - auch mal anders. Otto Reutters „Überzieher“ kam flott und witzig als kleines Dramolett daher. Als Margarete Meier-Limberg „Der Nowak lässt mich nicht verkommen“ wurden im Publikum Erinnerungen an die 50er-Jahre-Version von Friedel Hensch und den Cyprys wach – der Refrain wurde lautstark mitgesungen.

Und Roger Ciceros „Zieh’ die Schuh’ aus!“ bekam einen hübschen Anti-Macho-Stachel. Was sie musikalisch drauf haben, zeigten trotz aller Plattitüden die Version von Gilbert Becauds „Nathalie“ und das Tempo-Kabinettstückchen „Wenn ich verliebt bin“ – obwohl es da gar nicht so sehr die Schnelligkeit machte, denn die hatte Weiland Peter Igelhoff auch und musste sich noch selbst begleiten.

Die Qualität der „Ferrari Küsschen“ zeigt sich darin, wie sie die Nummer für sich aufdröseln und einen spritzigen Gesamtklang ersingen. Da wollte der Applaus fast gar nicht mehr enden.

Lesesommer-Chef Wolfgang Böser zog eine rundum zufrieden Bilanz: Immer ausgebucht und mit vielen neuen Besuchern im Rund erwies sich die Veranstaltungsreihe einmal mehr als Erfolgsgarant. Der Lesesommer 2012 ist bereits gesichert.

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