Flüchtlingshelferin Inge Blome aus Hankensbüttel: „Nicht so, wie es sein sollte“

Kritik an nächtlichen Abschiebungen

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Im Hankensbütteler Karl-Söhle-Weg 5 ist die DRK-Kleiderkammer zu finden: Dort erhält jeder Bedürftige – ob Flüchtling oder Einheimischer – das, was er braucht. Doch einige verkaufen die Gaben an andere Flüchtlinge, berichtet Helferin Inge Blome.

Hankensbüttel. Die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin Inge Blome aus Hankensbüttel moniert die allgemeine Praxis in Deutschland, Abschiebungen in der Nacht vorzunehmen. Das sei ihrer Kenntnis nach auch in Hankensbüttel schon vorgekommen – morgens um 4 Uhr.

Die Betroffenen würden meist schon im Vorhinein über den Termin Bescheid wüssten, aber bei einer Uhrzeit wie dieser sei dies natürlich noch mal etwas anderes. Die Kinder würden schreien, und die Frauen wüssten nicht genau, was los ist, berichtete Blome. „Das ist nicht so, wie es sein sollte.“

Die Abschiebungen werden generell vom Landkreis Gifhorn beim Landeskriminalamt in Hannover angemeldet. Von dort aus werden laut Michael Funke, Fachbereichsleiter Ordnung bei der Kreisverwaltung, die entsprechenden Flüge gebucht, die größtenteils in den Morgenstunden starten. So komme es schon vor, dass die betroffenen Personen bei Abschiebungen nachts unangekündigt abgeholt werden müssen.

„Generell sind die Personen, die abgeschoben werden, im Besitz einer Duldung“, sagt Funke. Das bedeute, dass ihr Asylbegehren abgelehnt wurde und ihr Aufenthalt in Deutschland zeitlich begrenzt ist. Zu der Abschiebung komme es, da sie bis dato nicht bereit gewesen seien, freiwillig auszureisen. Bei freiwilligen Ausreisen werde die Abholzeit stets vorher bekanntgegeben.

Blome, die sich für die DRK-Kleiderkammer engagiert, beklagt, dass sich dort einige Flüchtlinge schlecht benehmen würden – „rücksichtslos und frech“. Sie würden Gaben des Klamottenstübchens an andere Flüchtlinge weiterverkaufen, etwa fünf Mützen für 2 Euro das Stück. Das hätten ihr andere Flüchtlinge berichtet. „Ich bin deswegen sauer und unzufrieden“, sagt Blome. Olga Schneider, die ebenfalls zum Kleiderkammer-Team gehört, und sie hätten daher schon am liebsten die Segel gestrichen.

Ulrich Willier und Lutz Petzold haben die Betroffenen bereits auf Französisch auf ihr Fehlverhalten hin angesprochen, sagt die 74-Jährige. Auch Flüchtlingssozialarbeiterin Imke Banse habe sie schon eindringlich darauf hingewiesen. „Unter den Flüchtlingen sind nette und bescheidene Menschen, aber es sind nicht alle so.“ Manche würden es übertreiben und dann sei das Ausmaß zu groß. „Einige nehmen sich Baby- und Spielsachen, ob wohl sie keine Kinder haben und sie die Gegenstände auch nicht für andere abholen.“ Zwei Männer, die es besonders doll getrieben hätten, dürften schon nicht mehr mittwochs ins DRK-Klamottenstübchen kommen. „Ich habe die Schnauze voll. Früher war es ruhiger“, stellt Blome eindeutig klar. Manche der Flüchtlinge würden keine Wertschätzung für die Gaben der Kleiderkammer zeigen – „dabei ist das nicht selbstverständlich“, betont Blome. Das Team habe schon probiert, für manche Dinge 1 Euro zu nehmen, aber dann seien sie nicht genommen worden.

Generell läuft es laut Blome mit den Spenden bei der Kleiderkammer „sehr, sehr gut“. Auch die Sachen, die die Bürger abgeben, seien gut. Zwischendurch war das schon mal anders gewesen. Wenn jemand im Ort versterbe, hole die Kammer etwa kleine Möbelstücke ab und könne sie verteilen. Außerdem bekomme sie von Möbelmeyer Sitzgelegenheiten, die die Leute wegwerfen wollten.

Von Paul Gerlach

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