„Wir haben keine Zeit mehr“

Kritik an Erdöl-Bohrungen bei Info-Abend im Otter-Zentrum

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Die Bundestagsabgeordnete Dr. Julia Verlinden sprach sich am Dienstagabend im Hankensbütteler Otter-Zentrum für eine Abkehr von fossilen Energien aus.

Hankensbüttel – „Gifhorn – Hotspot der Erdölförderung“: Zu diesem Thema hatte der Kreisverband der Grünen am Dienstagabend ins Hankensbütteler Otter-Zentrum eingeladen.

Dazu kamen nicht nur Christian Schroeder (Gifhorner Kreistags- und Wittinger Stadtratsmitglied), Imke Byl (Landtagsabgeordnete) und Dr. Julia Verlinden (Bundestagsabgeordnete), sondern auch rund 40 interessierte Zuhörer – viele davon auch von außerhalb des Kreisgebiets. Schwerpunkt des Abends waren Bohrungen im Wasserschutzgebiet Schönewörde.

Schroeder berichtete, dass Bemühungen im Kreistag eher schleppend verlaufen seien. „Da tut sich nicht viel.“ Die Zusammenarbeit mit den erdölfördernden Unternehmen gestalte sich sehr unterschiedlich: Während die Dea sich kooperationswillig zeige, finde seitens Vermillion Energy keine Kommunikation statt.

Byl kritisierte, dass die von der SPD im Landtagswahlkampf noch geforderten verpflichtenden Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVPs) es lediglich als Prüfauftrag in den Koalitionsvertrag geschafft hätten. Momentan herrsche ein „Kippelstand“, da ein Antrag für zwingende UVPs bereits Anfang 2018 gestellt worden sei, aber nun immer noch durch einen Arbeitskreis bearbeitet würde. „Ein Moratorium wäre der einzig faire Weg“, forderte Byl. Die Genehmigung des Bohrplatzes durch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) sei verfrüht und vorschnell erteilt worden.

Verlinden betonte die Risiken, die bei der Förderung und Nutzung von Erdöl entstehen können. „Wir haben es lange genutzt – aber nicht problemlos“, sagte die Bundestagsabgeordnete. Auch sie forderte eine strengere Reglementierung und verbindliche UVPs für alle Bohrungen. „Es ist wichtig, die Forderung aufrecht zu erhalten und sich den Zeithorizont für den Ausstieg immer wieder vor Augen zu führen.“ Denn bis 2030 müsse Deutschland seine Emissionen auf Null herunterfahren, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. „Eine verdammt kurze Zeit!“

Wolfgang Marschhausen von der Bürgerinitiative „Flecken Langwedel gegen Gasbohren“ erläuterte die Wichtigkeit des Aufbauens von Druck auf die Unternehmen und die Politik. Er empfahl dringen die Bildung einer Bürgerinitiative. „Sie müssen da eine Front aufbauen, um dem Vorhaben entgegenzuwirken.“

Bei den Publikumsfragen erhob Wasseringenieur Bernd Ebeling Vorwürfe gegen die Dea: Alte Bohrschlammgruben seien nicht saniert worden, einige Bohrplätze seien lediglich geschottert, an Pumpen würde Gas entweichen. „Sie haben sauber zu arbeiten.“ Derek Moesche, Pressesprecher der Dea, nahm direkt Stellung: „Wir arbeiten seit über 50 Jahren in Hankensbüttel. Ja, mit alten Bohrplätzen haben wir auch Altlasten, die wir auf einen aktuellen Stand bringen müssen.“ Dazu seien Hinweise aus der Bevölkerung besonders hilfreich. Die Dea wolle daher eine Transparenzinitiative starten und den Dialog mit den Bürgern suchen und die Missstände abstellen.

„Die kleinen Schritte sind frustrierend“, bilanzierte Byl. „Denn wir haben keine Zeit mehr. Es fällt uns auf die Füße.“

VON DENNIS KLÜTING

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