65 Patienten laut Osteopathin – Kreis Gifhorn: Keine Häufung bekannt

Hankensbüttel: Krebsfälle entlang einer Route?

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Marion Reubold-Ballow, Physiotherapeutin und Osteopathin aus Alt-Isenhagen, behandelt 65 Krebspatienten. Diese würden in Emmen in der Straße Im Winkel (linkes Foto) sowie in Hankensbüttel in den Straßen An den Fischteichen, Kuckucksweg, am Finkenweg bis zu den Tennisplätzen und Am Mariental wohnen. Ständig würde es dort neue Krebsfälle geben. Dem Gesundheitsamt des Landkreises liegen keine Kenntnisse über ein erhöhtes Krebsvorkommen vor. 

Hankensbüttel – Gibt es in Hankensbüttel und Emmen an einer Route eine gehäufte Zahl von Krebsfällen? Marion Reubold-Ballow, Physiotherapeutin und Osteopathin aus Alt-Isenhagen, berichtete kürzlich, dass sie aktuell 65 Krebspatienten, teils mit aggressivsten Formen, behandele.

Auch entlang des Hankensbütteler Kuckuckswegs (Foto) häufen sich die Krebsfälle. 

Diese würden in Emmen in der Straße Im Winkel sowie in Hankensbüttel in den Straßen An den Fischteichen, Kuckucksweg, am Finkenweg bis zu den Tennisplätzen und Am Mariental wohnen. Ständig würde es dort neue Krebsfälle geben, immer entlang dieser Route, so Reubold-Ballow. Das Gesundheitsamt des Kreises betont auf IK-Anfrage, dass keine Kenntnisse über ein erhöhtes Krebsvorkommen im genannten Gebiet vorliegen.

Amtsarzt Josef Kraft unterstreicht, dass seit Januar 2013 eine allgemeine Meldepflicht von Krebserkrankungen für alle Ärzte sowie Zahnärzte in Niedersachsen besteht. Das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen (EKN) sei vom Land eingerichtet worden, um alle Krebsneuerkrankungen und Krebssterbefälle in Niedersachsen zu erfassen und auszuwerten. Innerhalb der Landkreise würden jedoch keine wohngebietsbezogenen Daten erhoben. „Es kann daher keine Aussage über die Krebsrate im Nordkreis gegenüber dem restlichen Landkreis getroffen werden. Aus diesem Grund können ebenfalls keine Angaben über die Größe des betroffenen Personenkreises gemacht werden“, sagt Kraft.

Im Hankensbütteler Otter-Zentrum hatte sich kürzlich eine Bürgerinitiative zum Schutz des Trinkwassers gegründet, die dessen Qualität durch die erdölfördernden Konzerne bedroht sieht (das IK berichtete). Grünen-Kreistagsabgeordneter Christian Schroeder betonte bei dem Treffen: „Es gibt im Nordkreis eine erhöhte Krebsrate. Wir liegen deutlich über dem Schnitt und auf sehr hohem Niveau.“ Man wisse nicht, woher das kommt. Ein Grund sei die Erdölförderung, ist sich Schroeder sicher.

Kraft führt dazu an, dass in einer vom niedersächsischen Landesgesundheitsamt in Auftrag gegebenen und im November 2018 veröffentlichten Studie sich keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der wohnlichen Nähe zu Standorten der Kohlenwasserstoffförderung oder Schlammgrubenverdachtsflächen und hämatologischen Krebserkrankungen ergeben hätten. Dabei seien 15 niedersächsische Landkreise betrachtet worden, zu denen auch der Landkreis Gifhorn gehörte.

In Deutschland erkranke jeder Zweite bis Dritte im Laufe seines Lebens an Krebs, jeder Vierte bis Fünfte sterbe daran, so Kraft. Die steigende Anzahl an Erkrankungen liege vor allem in der zunehmenden Alterung der Gesellschaft begründet. Gerade in Wohngebieten mit ähnlicher Altersstruktur der Wohnbevölkerung, wie früheren Neubaugebieten, entstehe dadurch, dass viele Bewohner zeitgleich ein Alter mit erhöhtem Krebsrisiko erreichen, der Eindruck einer auffälligen Krebshäufung.

„Krebserkrankungen sind meist durch mehrere Faktoren bedingt“, so Kraft. Als wesentlicher Faktor bei der Entstehung werde neben dem Alter und der Anfälligkeit (Disposition) des Einzelnen vor allem das individuelle Verhalten, wie etwa das Rauchverhalten, gesehen. Umweltfaktoren würden nur einem geringen Anteil der Erkrankungen zugeordnet.

VON PAUL GERLACH

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