Hankensbütteler Feuerwehren hatten in letzter Zeit viele Einsätze

Das kostet Kraft – aber sie machen es gern

Nachts musste die Feuerwehr zu einem Einsatz am Finkenweg. Ein Wasserrohr war gebrochen.
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Nachts musste die Feuerwehr zu einem Einsatz am Finkenweg. Ein Wasserrohr war gebrochen.

Samtgemeinde Hankensbüttel – Feuer am Oerreler Umspannwerk, Wasserrohrbruch am Finkenweg, ein großer Ast auf dem Amtsweg. Und einiges mehr. In der vergangenen Woche gab es für die Feuerwehr Hankensbüttel gleich eine Vielzahl von Einsätzen (das IK berichtete mehrfach).

Nachteinsätze sind besonders belastend

Auf IK-Anfrage erzählt Ortsbrandmeister Christian Speitling, was so eine Woche für die Kameraden der Wehren bedeutet: „Natürlich sind besonders Nachteinsätze belastend.“ Nach so einem Einsatz hänge das – je nach Alter und Gesundheitszustand – noch ein paar Tage nach. Besonders, wenn nach dem Einsatz in ein oder zwei Stunden der Wecker klingelt. „Schlafen ist dann nicht“, sagt Speitling. Mit Blick auf die Arbeit könne man zwar auf Dinge wie die Lohnersatzleistung setzten. Aber seiner Erfahrung nach nehmen nur wenige Kameraden solch eine Leistung in Anspruch. Oder anders gesagt: „Man quält sich dann durch den Tag.“

In der Nähe des Umspannwerkes bei Oerrel hatte es gebrannt.

Daher versuche man auch bei den Einsätzen, solche Dinge im Blick zu behalten. Beispielsweise bei dem Einsatz am Finkenweg. Nachdem der Wasserrohrbruch (wurde um 0.20 Uhr gemeldet) unter Kontrolle war, wurden Dreiviertel der Kräfte zügig nach Hause geschickt.

Was in diesem Fall aber wenig Unterschied machte, denn um 6.55 Uhr ging es bereits weiter zum nächsten Einsatz, dem Ast, der auf dem Wiesenweg lag. Auch wenn es manchmal mies kommt, wie nach solchen Tagen, betont Speitling: „Wir machen das gerne! Sonst wären wir nicht da.“ Aus seiner Einschätzung waren das auch nicht die intensivsten Tage, denn die körperliche und psychische Belastung hielt sich in Grenzen.

Mit Helfersyndrom ausgestattet

An zwei Beispiele kann er sich ad hoc erinnern, die extrem fordernd waren. Zum einen ein Tag, an dem es um 4 Uhr nachts einen Einsatz gab. Anschließend war man bis gut 19 Uhr auf einer Veranstaltung zugegen. Und dann kam noch um 21 Uhr der nächste Einsatz. Ebenfalls sehr fordernd waren die Tage und Nächte, in denen ein Brandstifter regelmäßig spät abends Strohballen in Brand setzte. „Das waren aber beides Exoten“, erklärt Speitling.

Eine enge Taktung sei aber immer anstrengend. „Wir haben aber eben ein Helfersyndrom.“ Retten, Löschen, Bergen und Schützen – dafür leben die Kameraden der Wehr. Speitling: „Einsätze sind belastend, aber auch reizvoll.“

Oft mehr Zeit für die Nachbereitung nötig

Was jedoch häufig in Vergessenheit gerate, sei das, was nach den Einsätzen passiert. Denn die Nachbereitung koste häufig mehr Zeit als der Einsatz selbst. Das Gerät muss einsatzbereit sein, also stehen Wartungen an. Wenn beispielsweise Schläuche gewechselt werden müssen, geht es nach Gifhorn zur Feuerwehrtechnischen Zentrale. „Das Ganze dauert dann auch mal zwei Stunden.“ Und solche Arbeiten kann man häufig nicht nachts direkt nach dem Einsatz vornehmen, also ist auch der nächste Tag voller Arbeit.

Einsätze können psychisch belasten

Der andere fordernde Aspekt sind Einsätze, die psychisch belastend sind. Also wenn Feuerwehrkräfte persönlich mit Leid konfrontiert werden. Dies könne passieren, wenn nach einem tödlichen Unfall Angehörige zugegen sind. Das wirke sich dann auch auf die Kameraden vor Ort aus. „Die psychische Nachsorge ist dann natürlich besonders wichtig.“ Diese kann unterschiedliche Formen haben. So stehen Notfallseelsorger zur Verfügung. Mancher tauscht sich mit Kameraden aus, andere Sprechen mit Angehörigen. Solche Einsätze kommen aber selten vor. Sollte es doch einmal passieren, schaue man, ob manche der jüngeren Feuerwehrleute teilnehmen wollen. Denn für sie ist dies eine wichtige Erfahrung. Für manche sei danach klar, dass sie solche Einsätze nicht erledigen wollen. „Das berücksichtigen wir dann“, erklärt Speitling.

VON MAX A. MORRISON

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