Im Bauausschuss wird über Vorhaben emotional debattiert

Kontroverse Diskussion um Erweiterung des Otter-Zentrums Hankensbüttel

Bei der im Waldgebiet Hagen geplanten Erweiterung des Hankensbütteler Otter-Zentrums geht es jetzt mit der Auslegung des Entwurfes für den Bebauungsplan weiter.
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Bei der im Waldgebiet Hagen geplanten Erweiterung des Hankensbütteler Otter-Zentrums geht es jetzt mit der Auslegung des Entwurfes für den Bebauungsplan weiter.

Hankensbüttel – Rund um die geplante Erweiterung des Hankensbütteler Otter-Zentrums war es lange Zeit sehr still geworden: Nun tauchte das Anliegen der Naturerlebnis-Einrichtung am Montagabend wieder auf der Agenda des Bauausschusses auf – und prompt wurde wieder kontrovers und emotional diskutiert.

Letztlich befürwortete das Gremium bei fünf Ja- und zwei Nein-Stimmen den Entwurf des Bebauungsplans.

Anzeigen beim Kreis

Die Aktion Fischotterschutz plant die Erweiterung westwärts in das kleine Waldstück des Landschaftsschutzgebietes Hagen. Die Stellungnahmen bei der der Öffentlichkeitsbeteiligung wurden vom Planungsbüro Stadt Raum Plan abgewogen und entsprechend in die Planunterlagen eingearbeitet. Ratsfrau Elisabeth van Werde drückte bei mehreren Redebeiträgen ihre Ablehnung des Vorhabens aus. „Der Rat ist beim Wegebau übergangen worden“, kritisierte sie erneut (das IK berichtete).

Der neue Weg an der Westseite sei aus ihrer Sicht vorzeitig errichtet worden, denn er sei Bestandteil des Bauleitplanverfahrens, die Handlung daher illegal. Dies sei von ihr bereits beim Landkreis angezeigt worden. Ohnehin würden beim Kreis mehrere Anzeigen gegen das Otter-Zentrum-Vorhaben vorliegen (wegen Missachtung mehrerer Verfahrens- und Formvorschriften des Baugesetzbuches, des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, des Bundesnaturschutzgesetzes, des niedersächsischen Waldgesetzes, des Umweltschadensgesetzes und der Verordnung des Landkreises zum Landschaftsschutzgebiet Hagen). Außerdem monierte van Werde die Stellungnahmen von mehreren Behörden und Institutionen.

Diese seien teilweise gegenüber jenen beim Flächennutzungsplan-Verfahren abgeändert worden. Weitere ihrer Kritikpunkte: „ungenügende und fehlerhafte Kartierungen“, „zahllose, nicht berücksichtigte Eingriffe“, die „fehlerhafte Durchführung der Kompensationsbilanzierung“ oder auch die Einziehung des Bohldammes, der aus ihrer Sicht noch eine Verkehrsbedeutung habe. Sie halte die Erweiterung für nicht genehmigungsfähig und behalte sich letzten Endes ein Normenkontrollverfahren vor.

Doch van Werde erhielt für ihre ausführlichen kritischen Anmerkungen auch eine Menge Gegenwind aus dem Gremium. Bürgermeister Dirk Köllner (CDU) betonte, dass für ihn die jetzt von den Behörden eingereichten Stellungnahmen, wie etwa von der unteren Naturschutzbehörde des Kreises, das Entscheidende seien. Zudem sei die Vorgehensweise bei der vorgesehenen Erweiterung inzwischen in zwei Ratsperioden von zwei Gemeinderäten so beschlossen worden. Auch wenn er selbst bekanntlich nicht für die eingeschlagene Erweiterungsrichtung gewesen war: Diese solle nun so umgesetzt werden. Der Flächentausch und der Fußweg an der Westseite seien enthalten gewesen. „Wir haben als Gemeinde nichts falsch gemacht“, hielt er angesichts der Vorwürfe von van Werde fest. Nach zwei Ratsbeschlüssen seitens der Politik nun eine Kehrtwende zu vollziehen, halte er für falsch. Der politische Wille sei zu akzeptieren. Der F-Plan sei genehmigt. Auch an den vom Kreis genehmigten Baufenstern im Landschaftsschutzgebiet habe sich nichts geändert. Köllners Credo: Wer bauen will, müsse sich auf die Politik verlassen können. Daher werde er auch dem Entwurf zustimmen.

Reinhard Weißmann (WIH) hätte sich eine Erweiterung in eine andere Richtung gewünscht. Auch die Bohldamm-Schließung wäre damit verhindert worden, die er als Manko empfinde. Seine Überzeugung sei, dass es „einige Verstöße“ gegen die Verordnung für den Hagen gegeben habe.

„Spannendes Projekt“

Planer Bernd Schürmann betonte bei der Sitzung, dass er sich der Erstellung des B-Plan-Entwurfes so neutral, wie er konnte, gewidmet habe. Das Projekt finde er sehr spannend, die Ausnahmegenehmigung durch den Kreis liege vor. Die Aktion Fischotterschutz habe alle betroffenen Behörden über ihr Vorhaben informiert und sie angehört, um letztlich eine Genehmigung zu bekommen.

Auf diese offiziellen Stellungnahmen nahm auch Köllner noch mal Bezug. Wenn van Werde an den Stellungnahmen zweifele, unterstelle sie den Verfassern Unsachlichkeit. Thomas Sordel (SPD) wollte von van Werde ganz genau wissen: „Bist du für oder gegen das Otter-Zentrum?“ Ihre Aussagen würden gegen die Behörden gehen, aber er habe das Gefühl, das sei nur vorgeschoben. „Ich bin nicht gegen das Otter-Zentrum, sondern gegen die Erweiterung auf den zwei Hektar“, antwortete die Ratsfrau. Sie frage sich, ob in fünf Jahren dann die nächste Erweiterung komme.

Van Werde und Weißmann stimmten gegen den B-Plan-Entwurf, der nun erneut öffentlich ausgelegt wird. Gleichzeitig werden die Träger öffentlicher Belange wieder beteiligt. Rainer Nuth (SPD), der Mitarbeiter des Otter-Zentrums ist, hatte seinen Ausschussvorsitz bei diesem Tagesordnungspunkt an Hinrich Schulze (CDU) übergeben. VON PAUL GERLACH

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