Klassenfahrtenboykott: 2000 Übernachtungen in Hankensbütteler Jugendherberge abgesagt

Betten bleiben leer

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Durch den Klassenfahrtenboykott an den niedersächsischen Gymnasien gibt es spürbar weniger Buchungen bei der DJH-Jugendherberge in Hankensbüttel.

Hankensbüttel. Die Jugendherbergen in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen blicken mit gemischten Gefühlen auf die Buchungszahlen für das Schuljahr 2014/2015.

Der Schulfahrtenboykott der niedersächsischen Gymnasien wird zunehmend zur wirtschaftlichen Belastung für die Jugendherbergen.

„2000 Übernachtungen wurden für dieses Jahr abgesagt“, bestätigt Andreas Saß, Herbergsvater der Hankensbütteler DJH-Jugendherberge. Zum Teil würde dies durch Buchungen von nachrückenden Gruppen abgefangen. Aber Saß hält fest: „Wir merken das sehr massiv.“

Die Jugendherberge wird die wegfallenden Buchungen laut Saß auch nicht kompensieren können. Denn: „Der Planungszeitraum für Klassenfahrten ist abgelaufen.“ Im Regelfall planten die Lehrer die Fahrten in der Zeit zwischen den Sommer- und den Winterferien. „Absagen, die wir jetzt bekommen, sind daher nur schwierig zu kompensieren“, erläutert Saß. In Niedersachsen wirke sich das durch den Beschluss der Gymnasien besonders aus – auch wenn sich nicht alle Gymnasien an dem Boykott beteiligen würden und manche weiterhin buchen würden, wie Saß betont.

Die Situation wirkt sich direkt auf die Zahlen der Hankensbütteler Jugendherberge aus. 30 Euro Umsatz pro Übernachtungstag und Schüler fallen laut Saß durch die ausbleibenden Erträge für die Unterkunft oder auch die Programmangebote weg. „Gäste, die bei uns ausbleiben, fehlen auch im Otter-Zentrum oder im Kloster Isenhagen“, unterstreicht Saß. 90 Prozent der Gäste würden auch dort vorbeischauen. Er könne die Entscheidung der Lehrer verstehen, aber sie ziehe einiges nach sich.

Bernd Dohn, Hauptgeschäftsführer im Deutschen Jugendherbergswerk, sagt über die deutlich spürbaren Stornierungen der niedersächsischen Gymnasien: „Klassenfahrten machen knapp die Hälfte aller Übernachtungen in unseren Jugendherbergen aus. Bislang sind rund 15 000 Übernachtungen storniert worden. Dies entspricht bereits jetzt dem jährlichen Umfang einer kleinen ländlichen Jugendherberge.“

Jugendherbergen böten mit ihren pädagogischen Angeboten die Chance, Erziehungs- und Bildungsziele zu fördern, erläutert Dohn. Lernen vor Ort und Projektarbeit außerhalb des Unterrichts förderten und forderten andere soziale Kompetenzen als in der Schule und seien deshalb für Kinder und Jugendliche wichtig.

Das Deutsche Jugendherbergswerk verweist auf die enorme Bedeutung des sozial-kognitiven Lernens im Rahmen von Klassenfahrten. „Ein Aspekt des Lernens, der in Folge der Pisa-Diskussionen ohnehin zu kurz kommt“, sagt Dohn. „Den betroffenen Klassen in den niedersächsischen Gymnasien bleibt diese Lernerfahrung versagt.“

Von Paul Gerlach

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