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Keine Willkommens-Klassen mehr auf Gymnasium Hankensbüttel

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Von: Pascal Patrick Pfaff

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Rund 120 Fünftklässler wurden gestern auf dem Gymnasium Hankensbüttel eingeschult.
Für 120 Fünftklässler fand gestern ihr großer Tag statt – sie starteten am Gymnasium Hankensbüttel in einen neuen und aufregenden Lebensabschnitt. © Pfaff, Pascal Patrick

Hankensbüttel – Es sind einige Herausforderungen, die mit dem am Donnerstag begonnenen Schuljahr auf die Verantwortlichen des Hankensbütteler Gymnasiums zukommen: Angefangen bei der teilweise angespannten Lehrersituation, über die Auswirkungen der Corona-Pandemie und den Bau der neuen Turnhalle bis hin zur Verteilung ukrainischer Kinder auf die Jahrgänge ist alles dabei.

Die Willkommens-Klassen wurden nämlich aufgelöst, weil es laut Schulleiterin Cornelia Röhrkasten weder Räume noch Lehrer gibt, „um dies alles zu händeln“. In der vergangenen Woche habe es nun aber die Meldung gegeben, dass noch fast 30 Schüler aus der Ukraine neu hinzukommen. „In den Jahrgangsstufen 5 bis 11 werden sie dann neben dem regulären Fremdsprachenunterricht auch DaZ, also Deutsch als Zweitsprache, haben.“ Dafür gebe es jedoch nur eine Handvoll Lehrer, meist Pädagogen für das Fach Deutsch.

Mangelfächer Chemie, Mathematik und Physik

Dass es bezüglich DaZ keine Reserven mehr gibt, ist in Bezug auf die Lehrersituation aber nur eines von mehreren Problemen. „Spitz auf Knopf steht es bei uns in den Fächern Sport, Mathematik, Chemie und Physik. Sobald von den Lehrkräften jemand krank wird, gibt es keine Chance, die Lücken zu füllen“, so die Schulleiterin. In den musischen Fächern sei das Gymnasium dagegen gut aufgestellt und die Unterrichtsversorgung etwa in Musik gewährleistet. Auch wenn eine Lehrerin aus diesem Bereich die Schule zum Sommer verlassen habe.

„Bis auf Deutsch und Geschichte betrifft es über kurz oder lang aber jedes Fach“, glaubt Röhrkasten, deren Erfahrungen mit dem sogenannten Lehrergewinnungspaket der niedersächsischen Landesregierung eher schlecht sind: „Es geht darum, Quer- oder Seiteneinsteiger für den Schuldienst zu gewinnen. Aber ganz ehrlich: Welcher Informatiker will denn bei der vergleichsweise bescheidenen Bezahlung an eine Schule, wenn er in der Wirtschaft gutes Geld verdienen kann?“ Und bei pensionierten Lehrern nachzufragen, ob sie noch mal aushelfen wollen, sei in Hankensbüttel schiefgegangen: „Da hat keiner die Ambitionen, zurück in den Schuldienst zu kommen.“

Zuversichtlich zeigt sich Röhrkasten trotzdem. So reiche die Zahl der Lehrer noch aus. Außerdem sei sie kreativ, auch wenn dies Grenzen habe. „Viel passieren darf natürlich nicht. Aber wir konnten bisher immer Dramatisches verhindern. Auch weil einige Lehrer sich zu uns versetzen lassen wollten.“ Demnächst könne die Schule etwa eine neue Biologie-Lehrerin begrüßen.

Diese wird sich auch an die dann gültigen Corona-Regeln halten müssen – so wie das gesamte Kollegium und auch alle Schülerinnen und Schüler. Momentan gibt es laut Röhrkasten keine Maskenpflicht auf dem Gelände oder den Gebäuden. Eine Trage-Empfehlung dagegen schon. „Zuletzt haben wir auch an allen Personen je fünf Corona-Tests ausgegeben. Die bekommen Schüler wie Lehrer kostenlos und sollten sie auch nutzen.“ Was den Herbst anbelangt, so geht die Schulleiterin davon aus, dass Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne dann auch mit neuen Informationen aufwartet.

Die gibt es indes in Bezug auf den Neubau der Sporthalle nicht wirklich. Soll sie mit Stand vom Juli im März 2023 fertig sein (das IK berichtete), so glaubt Röhrkasten nach eigenem Bekunden nicht daran. „Ich schätze, dass es erst zum Sommer des nächsten Jahres soweit sein könnte. Die Verzögerungen haben wohl mit fehlenden Materiallieferungen zu tun.“ Unterdessen laufe der Sportunterricht in der alten Halle sowie in den Räumlichkeiten an der Wiethornschule weiter.

Röhrkastens Bilanz der letzten zweieinhalb Corona-Jahre drückt sich in wenigen Worten aus: Stressig und belastend. „Es ging nicht spurlos an mir vorbei. Doch wenn es wieder hart auf hart kommt, dann sind wir hier alle besser vorbereitet.“ Und die Schulleiterin hofft, auch liebgewonnene Aktivitäten an der Schule wiederbeleben zu können. „Etwa der ‘blaue Donnerstag’: Er fand wegen Corona lange nicht mehr statt.“ Zwei Mal im Jahr gebe es hier Theateraufführungen, Chorgesang, Bands und Kunstausstellungen. „Vielleicht machen wir ihn zwischen Herbst und Winter. Als Ersatzveranstaltung für unsere 75-Jahr-Feier, die wir eigentlich in diesem Jahr hätten.“

Einschulung am Donnerstag: Fünf neue 5. Klassen

Möglicherweise sind da ja auch schon die Schülerinnen und Schüler dabei, die am Donnerstag ihren großen Tag hatten. Rund 120 neue Fünftklässler begrüßte Röhrkasten pünktlich um 9 Uhr in der alten Turnhalle. Und die Kids wurden zu ihrer Einschulung herzlich von ihren letztjährigen Vorgängern empfangen.

So zollten die Sechstklässler ihren Respekt auf die gesangliche Art: „Applaus, Applaus / Für deine Worte / Mein Herz geht auf / Wenn du lachst.“

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