Hankensbütteler Gymnasium: Pläne für Änderungen beim Abitur nach acht Jahren stoßen auf Zustimmung

„So kann es nicht weitergehen“

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Antworten gefragt: Beim Abitur nach acht Jahren soll es Änderungen geben. Wie diese aussehen, ist noch nicht entschieden.

Hankensbüttel. Die Ankündigung von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) steht: Die Gymnasien in Niedersachsen sollen „entstresst“ werden. Dazu soll es Änderungen am Abitur nach acht Jahren (G 8) geben.

Das Wie ist die große Frage: Im Gespräch sind als Optionen eine generelle Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G 9), ein Mischsystem oder Erleichterungen unter Beibehaltung von G 8. Darüber wird eine Expertenkommission entscheiden.

„Bis Ende März soll der Abschlussbericht der Kommission vorliegen“, sagt Martin Hille, Schulleiter am Hankensbütteler Gymnasium. „Wie auch immer deren Entscheidung ausfallen wird: Es wird laut deren Vorsitzendem Rolf Bade keine Entscheidung, die eine einzelne Schule zu treffen hat.“ Es werde kein Wirrwarr geben. Eine Mehrheit der Schulen favorisiert die Beibehaltung von G 8 mit Modifikationen, ist zu hören.

„Man ist sich sicher, dass es so nicht weitergehen kann“, erläutert Hille. Die gefühlten und tatsächlichen Belastungen, gerade in der Mittelstufe, bei den Schülern seien zu groß. Die Überfrachtung der Lehrpläne sei weiterhin ein Problem. Bei der Vielzahl an Unterrichtszielen müsse aus seiner Sicht etwas gestrichen werden.

Bei der Variante G 8 mit Änderungen ist laut Hille unter anderem im Gespräch, weniger Klausuren schreiben zu lassen, um Schüler und Lehrer zu entlasten. In der Diskussion sei darüber hinaus eine Reduzierung der Prüfungsfächer von fünf auf vier.

Bei einer Rückkehr zu G 9 ist der 1. August 2015 der früheste Beginn, erläutert Hille. Im Jahr der Umstellung würden nach Schätzungen der Kommission 1500 zusätzliche Vollzeitlehrerstellen benötigt. Langfristig würden weit weniger Lehrkräfte benötigt und es entstehe eine Gefahr für Ganztagsschulen, wenn der Nachmittagsunterricht entfalle. Laut Hille würden zudem über ein knappes Jahrzehnt hinweg weniger junge Lehrer eingestellt. „Wie auch immer die Entscheidung der Kommission ausfallen wird: Es wird Vor- und Nachteile geben“, sagt Hille.

Anja Toth-Hohmann, Vorsitzende des Personalrats, sagt auf IK-Anfrage zu den Aussagen von Ministerpräsident Weil: „Uns ist klar, dass man nicht einfach zu G 9 zurückkehren kann. Es müsste im Interesse der Schüler jedoch eine Überarbeitung der Anforderungen der Oberstufe geben – auch in Hinblick auf eine Vergleichbarkeit mit den IGS.“

Landrätin Marion Lau weiß: „Der Druck auf die Schüler ist so stark, dass ihnen keine Zeit bleibt, etwa für Sportvereine“, Sie würde eine Stoffentrümpelung empfehlen: „Ich wünsche mir gut ausgebildete und hoch motivierte Lehrer. Generell bin ich dafür, den Föderalismus in der Bildungspolitik abzuschaffen.“

SPD-Landtagsabgeordneter Detlef Tanke sagt: „In der SPD gibt es noch keine Positionierung zu den Aussagen von Ministerpräsident Weil.“ Auch er sei dafür, die Inhalte zu kürzen.

„Für uns als CDU sind die Gymnasien wichtig: Sie sollen gestärkt werden“, sagt die Landtagsabgeordnete Ingrid Klopp. Die Lehrpläne sollten überarbeitet werden, findet sie.

„Wir begrüßen grundsätzlich die formulierte Zielsetzung der Landesregierung, die Gymnasien in Niedersachsen ‘entstressen’ zu wollen“, heißt es seitens des Schulelternrates. Die Umleitung von Lehrerstellen aus den Gymnasien insbesondere hin zu den IGSen könne jedoch nicht akzeptiert werden, da hier der Qualität der schulischen Arbeit am Gymnasium dauerhaft Schaden zugefügt werde. Vor diesem Hintergrund werde der Schulelternrat sehr kritisch die angekündigten Entscheidungen der Landesregierung zum „Entstressen“ erwarten.

„Der Grundgedanke, zu G 9 zurückzukehren, ist durchaus erfreulich und wurde seit jeher von der Mehrzahl der Schüler befürwortet. Das Abitur nach 13 Jahren könnte die gesamte Schulgemeinschaft in ihrer bislang sehr stressigen Arbeit merklich entlasten“, äußert sich die Schülervertretung des Gymnasiums zu den Plänen.

Von Paul Gerlach

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