Gemeinde Sprakensehl will ZGB drei Stellungnahmen vorlegen / Fläche Bokel 02 soll wieder mit in die Planung

Kampf für Windkraft bei Bokel und Masel?

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Die Fläche Bokel 02 (rotgelb schraffiert) wurde vom ZGB aus der aktuellen Planung gestrichen, da der zum Sender Behren-Bokel im Südosten der Potenzialfläche einzuhaltende Abstand zu einer Unterschreitung der Mindestgröße führen würde.

Sprakensehl. Die Gemeinde Sprakensehl wird dem ZGB drei Stellungnahmen zu den Windgebieten Wettendorf und Bokel 01 sowie der aus der ZGB-Planung herausgefallenen Fläche Bokel 02 vorlegen – so lautet die einstimmige Empfehlung des Sprakensehler Vorbereitungsausschusses an den Rat.

Beim Windpark Wettendorf gab es eine Enthaltung.

Die Gemeinde verweist im Anschreiben zu den geplanten Stellungnahmen darauf, dass es vor Ort einen großen Konsens aller Beteiligten für Windkraft gebe, insbesondere mit den Bewohnern der betroffenen Orte. Die Anträge für die Flächen Bokel 01 und Masel als Erweiterung des bestehenden Gebietes Wettendorf GF 1a würden daher aufrecht erhalten. Da nun bei den Abständen der Windparks untereinander von drei statt fünf Kilometern ausgegangen werde, spreche sich die Gemeinde zudem für das weggefallene Gebiet Bokel 02 aus. Da für Bokel dann erstmalig sichtbare Auswirkungen zu erwarten wären, da Windkraftanlagen auf den Flächen von Bokel 01 im Ort selbst durch die gegebene Topographie „praktisch nicht wahrnehmbar“ sein werden, halte die Gemeinde eine Ausweisung eines zweiten Gebietes für Bokel für vertretbar.

Bei den weggefallenen Flächen westlich des Maseler Waldes bei der Erweiterung des Windparks Wettendorf GF 1a führt die Gemeinde aus, dass der ZGB den Wegfall mit dem Vorhandensein von zwei Wochenstuben von Zwergfledermaus sowie Großem und Kleinem Abendsegler begründet habe – auf Basis eines Gutachtens der Firma ecoda aus 2005. Eine neuere gutachterliche Stellungnahme derselben Firma mit Daten der Jahre 2005 bis 2013 ergebe keine Hinweise auf Wochenstuben der Fledermäuse. Erhöhte Schlagrisiken für Fledermäuse im Umfeld des Waldes hängen laut ecoda nicht mit der Nähe eines Windkraftanlagen-Standortes zum Waldrand oder zum Wald zusammen. Zudem seien die Abschaltalgorithmen in der Lage, das Kollisionsrisiko für Fledermäuse auf ein Maß zu reduzieren, dass artenschutzrechtlich als vertretbar einzustufen sei. Laut ecoda könne das Streichen der Potenzialfläche nicht aus artenschutzrechtlicher Betrachtung begründet werden.

Beim Windgebiet Bokel 01 spricht sich die Gemeinde in der Stellungnahme für eine vollständige Aufnahme in die Planung, inklusive der reduzierten Flächen, aus. Zu der vom ZGB im Gebietsblatt erwähnten geplanten Bundesstraße B190n, die im Genehmigungsverfahren aufgrund einzuhaltender Abstände zu beachten sei, merkt Bürgermeisterin Christiane Fromhagen an, dass deren Bau, wenn er überhaupt erfolge, in ferner Zukunft liege. Die Bundesstraße könne daher aus Sicht der Gemeinde hier nicht berücksichtigt werden.

Auch eine Störung des Schwarzstorches, insbesondere des Brut- und Nahrungshabitats im Bornbachtal sowie am Bokeler Bach und im Waldgebiet Welloh, sei für die Gemeinde nicht nachvollziehbar. Das vom Investor PNE Wind beauftragte Planungsbüro komme in einer gutachterlichen Stellungnahme zu dem Ergebnis, dass das Tal des Bokeler Bachs „mit hoher Wahrscheinlichkeit kein bedeutendes Nahrungshabitat“ für den Schwarzstorch sei und angesichts der Naturausstattung im Bornbachtal „Flugbewegungen zu potenziellen Nahrungshabitaten im Süden nicht sehr wahrscheinlich“ seien. Ein Ausschluss der östlichen Potenzialfläche sei daher aus Sicht des Artenschutzes nach erster Einschätzung nicht erforderlich.

Dass der Charakter des Landschaftsraumes durch die Windräder laut ZGB „überformt und stark technisiert“ würde, hält die Gemeinde für sachlich nicht begründet. Das Naturdenkmal Heideblütental werde durch die Windräder nicht berührt oder beeinträchtigt. „Es liegt ein Wald zwischen dem Heideblütental und der Fläche. Die Bäume schränken den Blick auf die Anlagen ein“, sagt Bürgermeisterin Fromhagen.

Bei der entfallenen Fläche Bokel 02 merkt die Bürgermeisterin an, dass die Änderungen beim Abstand auf drei Kilometer zwischen den Potenzialflächen das Gebiet wieder interessant mache. Der vom ZGB angeführte Sicherheitsabstand zum Sender Behren-Bokel, der zu einer Reduzierung der Potenzialfläche und damit zu einer Unterschreitung der Mindestgröße von 50 Hektar führe, kommt nach Ansicht der Gemeinde nicht zum Tragen. Der Sendemast diene keinem öffentlichen Interesse, sagt Bürgermeisterin Fromhagen. Es handele sich um einen privaten Turm und auch um private Interessen. Zum jetzigen Stand des Verfahrens seien aber öffentliche Interessen zu berücksichtigen.

Von Paul Gerlach

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