Corona bedroht die Existenz

Jugendherberge Hankensbüttel: 156 Betten bleiben vorerst leer

Hausmutter Jane Gregor und Mitarbeiter Andreas Heinrich vermissen die Kinder.
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Hausmutter Jane Gregor und Mitarbeiter Andreas Heinrich vermissen die Kinder.

Hankensbüttel – Es herrscht gespenstische Leere und Stille, wo sonst Kinder lachen und toben. Eigentlich sollten in der Jugendherberge Hankensbüttel gerade 130 Kinder aus den 3. und 4. Klassen sich vergnügen, etwas lernen und einen schönen Urlaub genießen.

Doch seit dem 13. März gibt es keine Klassenfahrten mehr – und damit bleiben die 156 Betten leer.

Für Herbergsmutter Jane Gregor eine schwierige Zeit: „Als am 13. März klar war, dass es keine Klassenfahrten geben wird, kamen die ganzen Stornierungen. “ Man hatte extra alles für den Saisonbeginn vorbereitet und eingekauft. Bis mindestens Juli, rechnet Gregor, wird erst einmal nicht viel passieren.

Immerhin gebe es bereits Buchungen für August – bis dahin muss die Jugendherberge irgendwie durchhalten. Und zwar nicht nur in Hankensbüttel. Da es sich um einen überregionalen gemeinnützigen Verein handelt, erhalten die Jugendherbergen aktuell keine Hilfe von der Bundesregierung (siehe Kasten).

„Es ist komisch in dem großen leeren Haus“, sagt Gregor im Gespräch mit dem IK. Momentan herrscht Kurzarbeit, von der auch die Herbergsmutter betroffen ist. Sie wohnt momentan in der Herberge und kümmert sich um einige Aufgaben. Sie passt auch auf, dass niemand das Gelände betritt. Für die Saison hatten Gregor und ihr Team sich eigentlich einige neue Schwerpunkte ausgedacht, wie sie schildert.

So sollte das Thema Tierpädagogik vermehrt in den Fokus rücken. Mit dem Otter-Zentrum pflegt man ohnehin eine gute Kooperation, daher wollte man das Thema erweitern. Geplant war beispielsweise ein Lehr-Bienenstock, um den Kindern das Thema Imkern näher zu bringen. Im vergangenen Jahr wurde bereits eine Blühwiese angelegt. Mit dem NABU wollte man noch weitere Projekte entwickeln – zunächst ist alles auf Eis gelegt.

Gregor betont, dass die Jugendherberge für die Region wichtig sei. Auch wenn viele Hankensbüttler die Einrichtung von innen gar nicht kennen: „Das wollten wir eigentlich mit einem Tag der Offenen Tür in diesem Jahr ändern.“ Ob und wann dieser stattfindet, ist aber ungewiss. Was jedoch fest steht: Die Einrichtung braucht Hilfe. Gregor wäre auch offen für eine andere Nutzung in dieser Zeit – beispielsweise als Unterkunft für Geflüchtete oder als Frauenhaus.

Mittelfristig hat sie jedoch die Hoffnung, dass wenn die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie – die Gregor unterstützt – gelockert werden, einige Urlauber nach Hankensbüttel kommen. „Internationale Reisen werden längere Zeit nicht möglich sein“, schätzt sie die Lage ein. Für Familien eigne sich die Herberge besonders. Eine Übernachtung kann bis 24 Stunden vorher storniert werden. Bis dahin, so die Hoffnung, halten die Jugendherbergen durch. Denn eigentlich ist dieses Jahr ein Jahr, was gefeiert werden sollte: Das 1929/30 erbaute Haus wird 90 Jahre alt, der Landesverband Hannover feiert 100-jähriges Jubiläum und der Dachverband wird 111 Jahre alt.

Am meisten hofft Jane Gregor jedoch, dass im Herbst Klassenfahrten wieder stattfinden können. Denn: „Ohne Kinder ist es in der Einrichtung langweilig.“

VON MAX A. MORRISON

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