Moorentwicklung als Ziel

Jafelbach: Bauarbeiten für Natur- und Klimaschutz

Überstaute Fläche am Jafelweg.
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Überstaute Fläche am Jafelweg: In solch feuchten Senken können sich Torfmoose ansiedeln – eine wichtige Voraussetzung für Moore.
  • Paul Gerlach
    VonPaul Gerlach
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Steinhorst/Mahrenholz – Moore sind gigantische CO2-Speicher und vielfältige, wertvolle Lebensräume für seltene Arten. Am Jafelbach, dem kiesgeprägten Tieflandbach südlich von Steinhorst, der dort überwiegend oberhalb des Mahrenholzer Mühlenweges verläuft, rollen nun die Bagger – im Sinne des Natur- und Klimaschutzes. Zur Revitalisierung und Wiedervernässung der Moore beginnen nun in der zweiten Oktoberwoche die Bauarbeiten – mit dem Verschluss von Entwässerungsgräben in der Aue und am Oberlauf des Jafelbachs.

Das Jafelmoor und das Kucksmoor liegen im Quellbereich der Jafel und ihrer Nebengewässer. „Sie erfüllen hier – neben der wichtigen Funktion als CO2-Speicher – auch wichtige Regulierungsfunktionen für den Wasserhaushalt der umgebenden Landschaft“, sagt Dr. Ines Bruchmann. Sie ist die zuständige Projektleiterin der Betriebsstelle Süd des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Während der regenreichen Jahreszeiten können sich intakte Moore vollsaugen wie ein Schwamm. „Auf diese Weise werden die Heidebäche auch bis weit in die trockene Jahreszeit hinein mit Wasser gespeist.“

Abschluss im Februar

Im Oktober/November folgen auch Arbeiten am Kucksmoorgraben. Voraussichtlich Ende November werden im Bereich Kucksmoorweg und Breite Förths, die parallel zu den Bahngleisen verläuft, neue Durchlässe eingebaut, weshalb die Öffentlichkeit kurzfristig ausgesperrt wird. Die Arbeiten sollen im Februar 2022 abgeschlossen sein. Für mögliche zeitlich begrenzte Beeinträchtigungen durch Baustellenverkehr im Bereich der Zufahrtswege bittet der NLWKN um Verständnis. Es werden Entwässerungsgräben verfüllt und die Heidebäche in ihre ursprünglichen Gerinne zurückverlegt. Zudem werden Fließbarrieren wie Dämme und Forstwege zurückgebaut oder ihre Barrierewirkung durch den Bau von Durchlässen und Furten reduziert.

Es soll sich also etwas an-stauen im Naturschutzgebiet „Obere Lachte, Kainbach, Jafelbach“: Der NLWKN arbeitet dabei mit den Niedersächsischen Landesforsten (NLF), dem Unterhaltungsverband Obere Lachte und dem Landkreis Gifhorn zusammen. Christoph Rothfuchs, Förster für Waldökologie der NLF, erläutert: „Durch diverse Eingriffe des Menschen in den vergangenen 200 Jahren wurde der natürliche Wasserhaushalt des Gebietes dauerhaft gestört.“ Die Moore wurden entwässert und in ihrer Funktion als Wasser- und CO2-Speicher beeinträchtigt. „Dies hat heute zur Folge, dass die Wassermengen in regenreichen Jahreszeiten nicht ausreichend zurückgehalten werden und damit die Heidebäche teilweise schon im Frühsommer vollständig trockenfallen.“ In der Folge seien auf den einstmals nassen und offenen Niedermoorflächen artenarme Moorwälder aufgewachsen, die die Verdunstung des Wassers aus dem Moor noch verstärken, so Rothfuchs.

Das Vorhaben am Jafelbach ist Teil eines übergreifenden Moorentwicklungsprojekts des NLWKN, das Synergien zwischen Natur- und Klimaschutz nutzt: In mehreren Schutzgebieten im Landkreis Gifhorn werden Moore wieder vernässt, damit sie ihre ökologischen Funktionen wieder erfüllen können. Gefördert wird das Projekt „Optimierung des Wasserhaushalts in ausgewählten Mooren der Südheide“ mit EU- und Landesmitteln des Niedersächsischen Umweltministeriums aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) – nach der Richtlinie „Klimaschutz durch Moorentwicklung“.

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