Schlamm geht es an den Kragen

Isenhagener See: Arbeiten für Sanierung sind angelaufen

+
Auf dem Isenhagener See wird im nördlichen Bereich ein Saugbagger gegen den Schlamm eingesetzt.

Hankensbüttel – Es ist ein Großprojekt, das Hankensbüttel trotz einer längeren Pause im Winter für viele Monate prägen wird: Auf dem Isenhagener See sind die Arbeiten für die Sanierung angelaufen.

Geschätzt 5.000 Kubikmeter Schlamm sollen auf eine riesige Polderfläche gepumpt werden. So soll der See von seinem Algenproblem befreit werden.

Es wird mit 5.000 Kubikmetern Schlamm kalkuliert, die abgepumpt werden sollen.
Die riesige Polderfläche dient dazu, dass sich der dorthin gepumpte Schlamm absetzen kann.

Die Polderfläche befindet sich auf einem Acker östlich des Sees. Positiv für die Gemeinde: Es ist keine Brücke nötig, um die Leitungen zum Hin- und Herpumpen des Schlamm-Wasser-Gemisches – aus dem See über die Sudendorfallee hinweg zur Polderfläche und wieder zurück – verlegt zu bekommen. Es wurde ein Durchlass gefunden, der laut Bürgermeister Dirk Köllner in Abstimmung mit dem Landkreis für diesen Zweck genutzt werden kann.

Frederic Zeck vom Planungsbüro Heidt + Peters erläutert auf IK-Anfrage die genaue Vorgehensweise bei dem Projekt: In den nächsten Wochen – und zwar bis Ende November – wird von zwei Arbeitern der nördliche Bereich des Sees oberhalb der Brücke entschlammt. Dabei kommt ein leistungsfähiger Saugbagger, der im See schwimmt, zum Einsatz. „Er fungiert wie ein Staubsauger“, erläutert Zeck. Damit werde der Schlamm vom Grund des Gewässers entfernt. Dieses Gemisch aus Wasser und Schlamm wird zur Polderfläche gepumpt, wo der Schlamm entwässert. „Das ist langwierig und dauert ein halbes Jahr, vielleicht sogar ein Dreivierteljahr“, weiß Zeck. Mit einer Geruchsbelästigung sei beim trocknenden Schlamm nicht zu rechnen. In drei Becken in der Polderfläche sinken die Sedimente auf den Boden herab. „Im dritten Becken ist das Wasser dann wieder klar“, erklärt Zeck. Das entschlammte Wasser wird wieder in den See zurückgeführt.

Der Zulauf in den Isenhagener See bleibt während der Pumparbeiten konstant und so hoch, dass der Wasserspiegel gleich bleibt, heißt es vom Planungsbüro. Diese erprobte Methode habe zum Ziel, das Ökosystem des Sees so wenig wie möglich zu beeinflussen. Dem Gewässer werden mit dem Schlamm die Nährstoffe entnommen, die den Algen als Futter dienen. Letztere sollen so reduziert werden. „Das hat anderswo auch funktioniert“, sagt Zeck.

Durch die Aktion Fischotterschutz war vor Beginn der Arbeiten nach IK-Informationen noch ein Monitoring umgesetzt worden. Wichtig aus Naturschutzsicht: Die Uferzonen sollen im nördlichen Bereich des Sees sollen erhalten bleiben. Dort gibt es besondere Muscheln. Auch eine Sandbank in Richtung Emmer Bach, die gerne von verschiedenen Vogelarten genutzt wird, bleibt erhalten.

Bürgermeister Köllner betont, dass auch an den zwei Zuflüssen – dem Hankensbütteler und dem Emmer Bach – noch Maßnahmen geplant sind, wahrscheinlich ab dem Frühjahr. Dazu gehört die naturnahe Talraumentwicklung im Bereich des Emmer Baches, die Reduzierung oder Vorreinigung der direkten Einleitungen in die Bäche sowie die Anlage eines Vorbeckens mit ausgeprägten Röhrichtzonen im Zulaufbereich des Hankensbütteler Baches, um gezielt Sedimente und Nährstoffe zurückzuhalten und zu binden. Zudem soll der Ablauf ertüchtigt werden, um gegebenenfalls im Sommer 20 Zentimeter höher einzustauen.

VON PAUL GERLACH

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare