Pastoren helfen beim Abschied nehmen – mit kleiner Andacht im engsten Kreis bei der Aussegnung

Isenhagener Land: Segensreiches Ritual im Trauerfall

„Die Aussegnung ist hilfreich für die Familien“, sagt der Hankensbütteler Pastor Jan Wutkewicz. Seine Kollegen und er kommen auf einen entsprechenden Wunsch hin gerne vorbei, um beim Abschied nehmen zu helfen – ob am Sterbebett oder am Sarg.
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„Die Aussegnung ist hilfreich für die Familien“, sagt der Hankensbütteler Pastor Jan Wutkewicz. Seine Kollegen und er kommen auf einen entsprechenden Wunsch hin gerne vorbei, um beim Abschied nehmen zu helfen – ob am Sterbebett oder am Sarg.
  • Paul Gerlach
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Isenhagener Land/Hankensbüttel. Es ist ein trauriger Moment, wenn ein Mensch stirbt. Es braucht viel Kraft und Trost, damit zurechtzukommen. Ein Schritt auf diesem Weg ist die Aussegnung. Diese bieten die Pfarrämter der Region als Hilfe im Trauerfall an.

Das Wissen darum nimmt allerdings ab. Die Hankensbütteler Pastoren Jan Wutkewicz und Monika Krösche sowie Dr. Heinrich Springhorn, Pastor in Hankensbüttel und Sprakensehl, sprachen mit dem IK über dieses segensreiche Schwellenritual, das seit Jahrhunderten praktiziert wird.

„Es ist hilfreich für die Familien“, ist Wutkewicz’ Erfahrung. Offene Gespräche seien dabei möglich, betont Springhorn. Halt gebe allen Beteiligten ein festes Handlungsgefüge: Für die Aussegnung kommt eine Pastorin oder ein Pastor im Krankenhaus, Wohnheim oder zu Hause vorbei und hilft, Abschied zu nehmen. Am Sterbebett oder am Sarg wird eine kleine Andacht gehalten, mit Gebet und Gedanken, mit einem Segenswort für den Verstorbenen, dessen in der Stille gedacht wird, und mit Zuspruch für die Hinterbliebenen.

Laut Krösche ist es hilfreich, wenn neben den Angehörigen auch Freunde dabei sind. Zwei bis 30 Personen sind es meist, sagt Springhorn, oft würden auch Nachbarn hinzukommen.

Die Aussegnung ist ein erster Teil des Gottesdienstes zur Bestattung und erinnert daran, dass die ganze christliche Gemeinde Anteil nimmt. Oft lässt es sich so planen, dass im Anschluss daran der Bestatter den Sarg abholt. Auch wenn der Tod nicht im eigenen Haus eingetreten ist, kann dieses Ritual dabei helfen, mit der Trauer umzugehen.

„Diese Segenshandlung dient als Wegöffnung“, erläutert Springhorn. Man wurde als Kind gesegnet und wird auch auf der Bahre noch einmal gesegnet. „Es ist ein Übergang und kein Ende.“ Falls gewünscht, würden bei der Aussegnung auch Lieder gesungen. Es seine eine Art Mini-Gottesdienst und gehe über die Dienstleistungen des Bestatters hinaus.

Laut Wutkewicz geht es vor allem darum, sich die Zeit für den Abschied zu nehmen. Der Verstorbene müsse nicht gleich aus dem Haus gebracht werden. Die Aussegnung helfe gegen die Sprach- und Hilflosigkeit. Der nächste Schritt sei dann die Trauerfeier.

Springhorn schildert, dass manche Angehörige auch erst Scheu vor dem Körperkontakt mit dem Verstorbenen hätten, diese Scheu aber dann ablegen würden. Sie seien nach der Aussegnung auch „ruhiger, zugänglicher und gelassener“. Die Anspannung sei raus. „Die Aussegnung spendet den ersten Trost“, sagte Wutkewicz. Man müsse keine Angst davor haben, der Verstorbene gehöre immer noch dazu, er stehe auch im Tod unter Gottes Segen.

„Wenn wir gebeten werden, kommen wir gerne“, sagt Wutkewicz. Ein Anruf im Pfarramt genüge. Er fahre für eine Aussegnung auch schon mal bis nach Wolfsburg, wenn es die Zeit erlaube. In der Pfarrerausbildung der drei Pastoren war die Aussegnung kein inhaltlicher Bestandteil. Wutkewicz und Krösche lernten diesen Ritus, der nicht an die Kirchenzugehörigkeit gebunden ist, erst in der hiesigen Region kennen, Springhorn war er durch ein Praktikum bekannt. „Das ist regional unterschiedlich“, sagt Krösche. In den Kirchengemeinden Hankensbüttel und Sprakensehl gibt es etwa zwölf Aussegnungen pro Jahr, die meisten in den Dörfern. „Es ist ein guter Einstieg für die Seelsorge“, hält Wutkewicz fest. Denn es sei schön, mit seiner Trauer nicht alleine zu sein, unterstreicht Krösche.

Von Paul Gerlach

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