„Man lacht und weint zusammen“

Hospizbegleiter Stefan Mühlstein aus Oerrel hilft sterbenden Menschen

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Kraft geben und helfen: Hospizbegleiter Stefan Mühlstein aus Oerrel sagt: „Wir wollen die Menschen da abholen, wo sie Hilfe benötigen.“ Er ist überzeugt, dass Familien dadurch noch viel früher entlastet werden können. (Symbolfoto)

Oerrel – Ohne Umschweife kommt Stefan Mühlstein aus Oerrel auf den Punkt: „Ich möchte das Thema Hospiz aus der Versenkung holen. “ Es passe nicht mehr in die moderne Zeit, da es die Menschen an ihre eigene Vergänglichkeit erinnere.

Der 51-Jährige, der sich vor fünf Jahren zum ehrenamtlichen Begleiter im Verein Hospizarbeit Gifhorn ausbilden ließ, hat das Gefühl, dass das Thema in einer Tabu-Ecke steckt.

„Man möchte sich nicht auf negative Eventualitäten einlassen, aber das gehört zum Leben dazu“, hält der Oerreler fest.

Hospizbegleiter Stefan Mühlstein

„Wir wollen alle sportlich sowie gesund sein und gut verdienen“, sagt Mühlstein. Unannehmlichkeiten gehe man aus dem Weg, der Tod passe nicht in die Planung. Aber das Leben verlaufe nicht auf Gleisen. „Es fährt auch durch das freie Feld.“ Wenn die Themen Tod und Sterben nahe heranrücken, seien ganze Familiensysteme davon betroffen. „Es gibt keine Haltegriffe und es schaukelt hin und her.“

An diesem Punkt setzt die Arbeit von Mühlstein und den anderen Hospizbegleitern ein. „Wir möchten die Menschen da abholen, wo sie Hilfe benötigen.“ Dafür geben die Helfer Lebens- und Freizeit. Die Ängste, Zweifel und Nöte der Betroffenen und deren Angehörigen werden angehört. „Wir sind dann nach Absprache so lange da, wie es gewünscht wird“, sagt Mühlstein. „Man lacht und man weint zusammen.“ Offenheit und Ehrlichkeit seien dabei wichtig.

Mühlsteins Antrieb, dieses Ehrenamt zu ergreifen, war sein Glaube an die Menschlichkeit. Wenn es auf das Ende des Lebens zugehe, gehe es um die wirklich wichtigen Dinge. „Das Sterben macht uns alle gleich. Die Unterschiede werden wegradiert.“

Besonders in Erinnerung geblieben ist Mühlstein eine schwerkranke Frau in seinem Alter, die bis dahin einen sehr schlechten Kontakt zu ihren Kindern hatte. Sie bat Mühlstein, Abschiedsbriefe an diese zu schreiben, die sie ihm diktierte. So wurden sie wieder zusammengeführt und die Frau starb im Kreis ihrer Familie. „Das war sehr, sehr bewegend.“ Viele Betroffene wollten noch Freunde und Bekannte vor dem Ende treffen, letzte Begegnungen würden ermöglicht. „Es geht darum, Freude zu schenken und die Menschen nicht alleine zu lassen.“

Mühlstein, Vater von drei Kindern, arbeitet bei VW in der internationalen Logistik. Der 51-Jährige sagt von sich: „Ich werde gerne alt.“ Seine Einstellung lautet: „Das Leben ist eine tolle Sache.“ Als Hospizbegleiter müsse man wissen, wo die eigenen Kraftquellen liegen. „Wenn es mir gut geht, kann ich andere begleiten.“ Sein Glaube helfe ihm dabei. Er könne sich gut vorstellen, verstärkt in den Pflegeheimen und Krankenhäusern der Region aktiv zu werden.

Weitere Infos zum Thema und zum Verein gibt es unter www.hospizarbeit-gifhorn.de.

VON PAUL GERLACH

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