Ein Ginkgo-Blatt für einen Freund

Herzlicher Empfang für französische Gäste in Hankensbüttel

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Kreiskantorin Imke Weitz gelang es, beim Konzert in der St. Pankratiuskirche die vielschichtige Besetzung zu einer überzeugenden Einheit zu formen. 

Hankensbüttel – Hankensbüttel hat viele schöne Ecken, und so wurden die Gäste aus der Partnergemeinde Le Mesnil Saint Denis am Freitag im Otter-Zentrum empfangen.

„Die Ankunft war am Donnerstagabend, gleich heute Vormittag wurde geübt“, sagte Gisela Paeger vom Vorstand des Arbeitskreises Partnerschaft. Denn ein wichtiger Grund für den Besuch war die Aufführung des Konzerts in der St. Pankratiuskirche am Samstag, das die Kreiskantorei und der französischen Choeur du Mesnil bereits anlässlich des Endes des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren im November in Versailles und Le Mesnil gegeben hatten (das IK berichtete). „Wir haben getrennt voneinander geübt, konnten nur wenige Male gemeinsam spielen“, sagte Paeger, denn rund 1.000 Kilometer liegen zwischen den Partnergemeinden.

Initiiert worden war die Idee von Marc Rémond. Die dritte Auflage des gemeinsamen Konzerts soll in der Pariser Cathédrale Saint-Louis-des-Invalides stattfinden, anlässlich der Überführung der sterblichen Überreste des französischen Schriftstellers Maurice Genevoix in den Pantheon, der den Weltkrieg dokumentierte, sagte er. Kurz nachdem der französische Präsident Emmanuel Macron sein Placet für eine Aufführung in Notre Dame gegeben hatte, brannte es in dem französischen Wahrzeichen, so dass man eine andere Lösung finden musste.

Das Symbol des Arbeitskreises Partnerschaft, ein Ginkgo-Blatt, wurde Marc Rémond (5.v.l.) verliehen.

Am Freitag gab es zunächst Musik im kleineren Rahmen von Dennis Schulze, Roger Burmeister, Imke und Stefan Weitz sowie dem französischen Musiklehrer Benjamin Fau zur Unterhaltung der französischen und deutschen Gäste, Gasteltern und Mitglieder des Arbeitskreises. Und es gab eine außerordentliche Auszeichnung. Rémond wurde ein Ginkgo-Blatt, das Symbol des Arbeitskreises, verliehen. Das 1815 von Johann Wolfgang von Goethe in einem Liebesgedicht verwendete Ginkgo-Blatt steht mit seiner eigenartigen zweigeteilten und doch einen Form für Zusammengehörigkeit, bedeutete Dr. Günter Dickmann. „Ich habe das alles gemacht, weil ich glaube, dass das wichtig ist“, bedankte sich Rémond. Die Freundschaft sei wichtig, um Frieden zu schaffen. Die Ehre und die Medaille teile er sich mit allen französischen Freunden. Dazu verriet er, dass auch er deutsche Wurzeln bis hin zu Goethe habe. „Und ich habe hier echte Freunde“, bestätigte er.

Leinwand vor dem Altar in der St. Pankratiuskirche.

Zu einem Ereignis, das lange in Erinnerung bleiben wird, gestaltete sich die Konzertaufführung in der St. Pankratiuskirche am Samstagnachmittag. Bereits beim Eintritt in das Gotteshaus bot sich ein ungewohntes Bild: Statt einer Versammlung von Chören und Musikern erwartete die Besucher eine Leinwand im Raum vor dem Altar. Darauf waren bewegte Bilder zu sehen, die von der Empore übertragen wurden. Dort hatten die vielen Beteiligten der Kreiskantorei Wittingen, der Bläsergruppe Hankensbüttel und des Gästechores aus der französischen Partnergemeinde Platz gefunden.

Ein Ensemble spielte draußen am Isenhagener See.

Nach dem Glockenläuten begrüßte Pastor Jan Wutkewicz die Versammlung und stellte das Werk und den Komponisten vor, beschrieb Inhalt und Form der „Messe de la Délivrance“ von Theodore Dubois. Seine Sätze wurden von Margarete Dörr simultan ins Französische übersetzt. Der Pastor unterstrich die Bedeutung des Werkes als Friedensmesse. Dubois sei ein herausragender Organist und Konzertmeister gewesen. Als Organist sei er 1877 zum Nachfolger von Camille Saint Säens berufen worden und sei neben César Franck dort tätig gewesen. Als Professor am Pariser Konservatorium sei er 1896 dessen Direktor geworden.

Musiklehrer Fau hatte die Idee und studierte die Messe ein, Kreiskantorin Imke Weitz leitete die Musiker und Sänger, wie sie es auch am Samstag in Hankensbüttel tat.

Die „Befreiungsmesse“ ist ein schwieriges Kabinettstückchen aus der Spätromantik, an Felix Mendelssohn und Carl Maria von Weber gemahnend. Es ist bewundernswert, wie Weitz die vielschichtige Besetzung anleitete: resolut und einfühlsam zugleich.

VON BURKHARD OHSE UND HORST MICHALZIK

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