Junge Landwirte setzen auf regionalen Anbau der grünen Stängel

Heideknoblauch aus Dedelstorf

Carsten Warnecke (l.) und Jonas Rantze vor dem neugebauten Kühlraum.
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Carsten Warnecke (l.) und Jonas Rantze vor dem neugebauten Kühlraum.
  • Paul Gerlach
    VonPaul Gerlach
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Dedelstorf – Für den Dedelstorfer Carsten Warnecke und Jonas Rantze aus Langlingen geht jetzt das Erntefenster auf: Ihr junges Landwirtschaftsunternehmen baut im dritten Jahr frischen Knoblauch an.

Heute kommt es zur ersten Ernte des Jahres und bereits am Donnerstag soll das regionale Gemüse in den Läden liegen.

Der frische Knoblauch von innen ...

Anders als beim Wiederanpfiff in der Fußball-Bundesliga steht somit für die beiden Jungunternehmer der Saisonstart unmittelbar bevor. Ihr großes Thema ist regionaler Anbau und Vermarktung. „Wir bauen in Dedelstorf den Knoblauch auf zwei Hektar an. Zum Vergleich: In ganz Deutschland dürften es rund 300 Hektar Anbaufläche sein“, erläutert Warnecke. Durch die drei Sorten Garpek (frühe Sorte), Garcua (mittel) und Cledor (spät) öffnet sich das Erntefester über einen längeren Zeitraum von acht bis zehn Wochen und somit bis in den August hinein. Abnehmer der Heideknoblauch GbR sind der regionale Lebensmitteleinzelhandel und Großmärkte.

2018 wurden die beiden unabhängig voneinander durch einen Artikel in einer Fachzeitschrift auf das Thema frischer Knoblauch aufmerksam, das vor allem in Süden Deutschlands eine Rolle spielt. Da eine Menge dahintersteckt und vor allem jede Menge Arbeit beschlossen sie, dies gemeinsam anzugehen und ihre Firma zu gründen.

Alles in Handarbeit

... und von außen.

Was den Anbau, das Pflanzen & Co. angeht, kamen beide damit ganz gut zurecht. Auch wenn natürlich gerade 2018 mit der großen Trockenheit und Hitze besondere Herausforderungen mit sich brachte und es in der hiesigen Region keine Knoblauchexperten gibt. Zugleich musste aber auch die Vermarktung aufgebaut, ein Logo entwickelt und die Homepage aufgebaut werden, wie Rantze betont. Wenn man sich in einem neuen Feld bewegt, gibt es zwangsläufig Unsicherheiten. „Wir hatten keine Erfahrungswerte, ob es mit dem Anbau von frischen Knoblauch hier in der Region funktioniert“, sagt Warnecke. Selbst zum heutigen Stand wisse man noch nicht, ob das Ganze auf einem Niveau wie in Süddeutschland umzusetzen sei. „Aber wir sind auf einem guten Weg.“

Einen Roder bei der Ernte einzusetzen, funktioniert in Dedelstorf noch nicht, weil die Pflanzenreihen dafür nicht gleichmäßig genug gewachsen sind. Das bedeutet Handarbeit – und zwar ausschließlich: Drei Saisonarbeitskräfte rückten gestern an. Warnecke und Rantze rechnen mit 10 Tonnen geerntetem frischen Knoblauch für die zwei Hektar. Um die Dimensionen und den Aufwand bei der Ernte zu verdeutlichen: Eine einzelne Pflanze wiegt etwa 100 Gramm.

Wenig verwunderlich haben deshalb die beiden Landwirte auch das Ziel, mittel- bis langfristig in Technik zu investieren. Wenn es gut läuft, soll nicht nur in Dedelstorf, sondern künftig auch zusätzlich in Langlingen angebaut werden. Die Pflanze braucht vor allem Wärme und viel Wasser.

Anfangs waren Warnecke und Rantze von Branchenkollegen für ihren Feldversuch noch belächelt worden. Inzwischen hat sich mit zunehmender Expertise die Wahrnehmung geändert. „Viele sind interessiert“, sagt Rantze. Außerdem würden von Kunden schon Anfang Mai erste Nachfragen nach der ersten Ernte kommen. „Wir sind aufgeschlossen neuen Dingen gegenüber“, hält Warnecke fest. Es sei eben auch eine Alternative zu Kartoffeln, Zuckerrüben oder Erdbeeren – auch als Einnahmequelle. Der Spielraum bei der Preisgestaltung sei bei so einem Produkt größer, man könne Einfluss nehmen.

Frischer Knoblauch ist, anders als die getrocknete Variante, für die umgehende Verwendung in der Küche oder auf dem Grill gedacht. Auch wenn man ihn für eine kurze Zeit lagern kann. „Eine Woche im Kühlschrank ist kein Problem“, sagt Rantze.

Das Feedback und die Resonanz von Abnehmern und Verbrauchern sind gut, berichten die beiden Landwirte. Sowohl die Stängel als auch die Knollen würden sich verarbeiten lassen. Mediterrane Küche sei in den Familien beliebt. „Die Knollen sind supergesund“, hebt Warnecke hervor. Sie würden nicht so scharf und konzentriert wie die getrockneten schmecken.

VON PAUL GERLACH

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