Pflege unter erschwerten Bedingungen

„Harte Prüfung“: Corona-Situation auch für Hankensbütteler Seniorenzentrum Herausforderung

Im Hankensbütteler Seniorenzentrum an der Mühle läuft die Pflege unter erschwerten Bedingungen ab.
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Im Hankensbütteler Seniorenzentrum an der Mühle läuft die Pflege unter erschwerten Bedingungen ab.

Hankensbüttel – Die Corona-Situation bedeutet auch für das Hankensbütteler Seniorenzentrum an der Mühle eine Herausforderung: Die weltweite Ausnahmesituation durch das Covid-19-Virus ist für die Beratung Pflege Leben Kroll GmbH – ebenso wie für viele andere Unternehmen – eine harte Prüfung.

Das IK hat mit Karsten Kroll und Pflegedienstleiter Julian Engels darüber gesprochen, wie der Pflegedienst in diesen Zeiten mit Corona umgeht. .

Kroll will gar nicht verhehlen, dass es anfangs auch Unverständnis bei den Mietern wegen der restriktiven Maßnahmen (siehe Infokasten) gab. Der Ernst der Lage sei verkannt worden – nach dem Motto: Wer den Krieg überlebt hat, der sterbe nicht an einem Virus. „Wir haben sehr gut reagiert und gehen äußerst sensibel mit der Thematik um“, sagt er beim Blick zurück. „Die Vorkehrungen zum Schutze der Mieter bestätigen nach einem Blick nach Wolfsburg die Notwendigkeit und Wichtigkeit“, sagt auch Nicole Evers vom Team.

Durch regelmäßige Informationen an alle Beteiligten seien inzwischen alle im Boot, so Kroll, es sei eine Zeit der Gespräche. Die Kommunikation – auch mit den Mitarbeitern, etwa durch digitale Postfächer – sei nachgebessert worden, erläutert Engels. Das Personal – vom Hausmeister bis zur Pflegekraft – sei geschult worden (Kroll: „Wir können stolz auf die Mitarbeiter sein.“). Das Team sei durch die Corona-Krise noch weiter zusammengeschweißt worden. Derzeit gebe es eine „etwas angespannte Lage“ bei den Pflegehilfsmitteln, generell profitiere man aber von der Lagerhaltung, die man schon im Vorfeld der Corona-Pandemie stets betrieben habe. „Wir sind noch nicht in arger Not.“

Engels ärgert sich sehr darüber, dass die Preise für Hilfsmittelposten sich vervier- oder teils verfünffacht hätten. Da hätte der Gesetzgeber aus seiner Sicht einen Riegel vorschieben müssen. Nachlieferungen seien organisatorisch sehr schwierig, die Materialbeschaffung sei enorm anstrengend. „Wir waren von den Hamsterkäufen betroffen. Das ist nicht zu unterschätzen.“

Antikörpertests für Angestellte

Nach vielen Telefonaten mit verschiedenen Laboren bekommt die Pflegeeinrichtung Testkits für zwei Antikörpertests geliefert. Für die Betriebsangehörigen ist dieser Test kostenlos. „Es ist eine wichtige Info für uns, ob wir schon durchseucht sind“, sagt Kroll. Falls dies der Fall sei, könnten Mitarbeiter auch anders eingesetzt werden. Dem Personal werde so auch eine große Unsicherheit genommen.

Den Mietern soll, sobald dies technisch eingerichtet ist, die Möglichkeit der Videotelefonie geboten werden, um die ausbleibenden Besuche aufgrund der Verbote zumindest ansatzweise ausgleichen zu können. Im Eingangsbereich steht eine Vitaminbar mit Säften und Äpfeln zum Zugreifen zur Stärkung der Abwehrkräfte. Türgriffe, Handläufe & Co. werden regelmäßig desinfiziert.

Im Bereich der Pflege ist das Personal dem zu pflegenden Menschen sehr nah. Zudem sind die Mitarbeiter täglich mit mehreren verschiedenen Personen aus der Risikogruppe zusammen. Ein Infekt mit dem Covid-19-Virus wäre menschlich wie wirtschaftlich eine Katastrophe, betont das Unternehmen. Da die Symptome aber erst Tage nach der tatsächlichen Infizierung zu bemerken sind, ist die Ansteckungsgefahr in der zwischenliegenden Zeit sehr hoch.

Zwei Verdachtsfälle unter den Mietern, die mit einem Test im Krankenhaus überprüft wurden, fielen negativ aus. Kroll und Engels suchten den Kontakt zum Bundes- und Landesgesundheitsamt, aber auch zum Gesundheitsamt des Landkreises. Angesichts des Umstandes, dass in einer Pflegeeinrichtung das Infektionsrisiko um ein X-Faches höher sei als im Normalfall, war Kroll der Meinung: „Das ganze Haus hätte unter Quarantäne gestellt werden müssen.“ Letztlich mussten lediglich die beiden Betroffenen nach ihrer Rückkehr in Quarantäne. Als Fazit all dieser Kontaktaufnahmen sagen Kroll und Engels: „Wir hätten uns weniger Achselzucken gewünscht“. Stattdessen hätten sie sich mehr fachliche Hilfe und Ratschläge erhofft.

Landfrauen spenden Mundschutzmasken

Der Landkreis teilt auf IK-Anfrage dazu mit, dass es zu den Problemstellungen klare Empfehlungen und Entscheidungen des Amtsarztes gegeben habe. Auch eine nochmalige aktuelle Nachfrage bei Kroll und Engels habe zu keinem Kritikpunkt am Verhalten des Amtsarztes geführt. Der Landkreis betont, dass die Zusammenarbeit zwischen den Pflegeeinrichtungen – auch mit dem Hankensbütteler Seniorenzentrum – sowie den ambulanten Pflegediensten mit dem Gesundheitsamt in ihrer Gesamtheit als gut zu bezeichnen seien. Notwendige Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie seien umgesetzt, weitere Fragestellungen würden in Gesprächen geklärt. Der Amtsarzt und dessen Kollegen seien dabei ausdrücklich gesprächsbereit.

Die zugesagten 1500 Euro für Pflegekräfte findet Kroll „klasse“. Der Job sei für die Mitarbeiter ein schwerer. Leistung müsse anerkannt werden, auch finanziell. Aus seiner Sicht hätten auch die 450-Euro-Kräfte die Anerkennungsprämie verdient. „Man hätte sich die Anerkennung im Vorfeld gewünscht“, sagt Engels. Zuvor sei in den letzten Jahrzehnten nichts in dieser Richtung passiert. Im Haus freute man sich hingegen sehr über die 35 selbstgenähten Mundschutzmasken, die die Landfrauen kürzlich gespendet hatten.

VON PAUL GERLACH

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