Diagnose in Emmen

Hankensbüttels Ortsverband arbeitet „CDU-Wahldesaster“ auf

Uwe Grebe spricht beim Einstiegs-Vortrag in Emmen zu den Mitgliedern des Hankensbütteler CDU-Ortsverbandes und den Gästen.
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Uwe Grebe beim Einstiegs-Vortrag: In Emmen analysierte die CDU die Wahlergebnisse.
  • Paul Gerlach
    VonPaul Gerlach
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Emmen – Eine Diagnose der CDU-Situation nach den Wahlen mit einigen Erkenntnissen: Im Gasthaus Pasemann in Emmen diskutierten Lokalpolitiker am Dienstag, 23. November, mit zehn Gästen darüber, wie sich die Partei aufstellen und inhaltlich verändern soll.

Uwe Grebe legte in seinem Einstiegs-Vortrag den Finger in die Wunden, vermittelte aber auch Aufbruchstimmung. Der Hankensbütteler Ortsverbandsvorsitzende Dirk Niebuhr hielt fest, dass die Partei sich fragen müsse, was man falsch gemacht habe und wo man ansetzen könne. Es wurde an dem Abend schnell klar, dass es so einige Punkte gibt, die in Frage kommen.

„Wir haben ein Wahldesaster erlebt“, sagte Grebe. Die CDU stehe angesichts der Bundesvorsitzendenwahl an einem Scheideweg. „Friedrich Merz kann es“, ist Grebe überzeugt. Die Union sei derzeit ein Kanzlerwahl-Verein, es gebe keine Fehlerkultur und das Establishment entscheide. Die CDU sei völlig gespalten, in den vergangenen Jahren habe sie Selbstherrlichkeit an den Tag gelegt.

Und auf Kreisebene? Der bisherige Landrat Dr. Andreas Ebel habe eine „Top-Arbeit“ hingelegt, so Grebe, aber dessem Wahlkampf habe es an Authentizität und Empathie gefehlt. Grebe hält es für zu einfach, zu sagen, dass die Bundesergebnisse die Schuld am Wahlausgang hatten. Die CDU habe versucht, mit Methoden aus den 80ern die Wahlen in 2021 zu gewinnen. Tipps für den Wahlkampf seien verworfen worden, monierte er. Der Wahlkampf von Klaus-Hinrich Singer als Samtgemeindebürgermeister-Kandidat (Grebe: „Er hatte Mut und hat sich mit Behörden angelegt“) sei „zu spät“ gekommen. Auf Gemeinde-Ebene habe die CDU „sehr gute Politik“ gemacht, dies aber nicht gut verkauft und „zu wenig Social Media“ betrieben. Man müsse die Wähler mitnehmen und auch die Jüngeren ansprechen: „Sie finden uns nicht cool und sexy.“ Strategische, personelle und organisatorische Veränderungen seien nötig. Henning Evers habe die Samtgemeindebürgermeisterwahl mit Social Media gewonnen, lautete Grebes These.

Das wurde im Saal so nicht uneingeschränkt geteilt, aber zumindest als wichtiger Punkt bewertet. Zudem sei man nicht so bewandert in Social Media, diese Kanäle müssten regelmäßig bespielt werden, hieß es. Teils wurde die zunehmende „Amerikanisierung“ beklagt.

Niebuhr zeigte sich über die Gästezahl an dem Abend „positiv überrascht“, das Format werde eventuell im Sommer wiederholt. Nicht nur er betonte, man wolle weiter Ansprechpartner für die Bürger sein und diese mitnehmen, er wünscht sich noch mehr Teilnehmer bei politischen Sitzungen. Dort sei man in der Vergangenheit teils abgekanzelt worden, hieß es mehrfach aus den Gäste-Reihen. Niebuhr sagte, dass mit Hochdruck daran gearbeitet werde, dass dies künftig besser laufe. Über Lautsprecher, Beamer und Handzettel werde nachgedacht. Auch über das Für und Wider von Fördermitteln, das Thema Straßensanierungen oder über die Erfordernis eines Bauingenieurs im Rathaus wurde an dem Abend kritisch diskutiert.

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