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Hankensbütteler Bäckermeister bangt wegen Energie- und Rohstoffpreisen

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Von: Paul Gerlach

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Der Hankensbütteler Bäckermeister Frank Schmidt in seiner Backstube.
Der Hankensbütteler Bäckermeister Frank Schmidt berichtet von großen Herausforderungen, die seine Branche aktuell betreffen. Von der Politik erhofft er sich in erster Linie, dass die Energiesicherheit gewährleistet wird. © Gerlach, Paul

Hankensbüttel/Berlin – Angesichts explodierender Energiepreise fühlen sich die Bäckereien von der Politik im Stich gelassen. Mit der Aktion „Uns geht das Licht aus – heute das Licht und morgen der Ofen?“ machten sie am 8. September auf die aus ihrer Sicht existenzbedrohende Energiekrise aufmerksam. In Verkaufsstellen wurde das Licht ausgeschaltet – unter anderem auch in Hankensbüttel. Im Café Schmidt brannte etwa nur das Licht im Tresenbereich und im Brotregal.

Ein besonderes Ärgernis ist aus Sicht des Bäckerhandwerks, dass die Betriebe keine Zuschüsse aus dem Energiekostendämpfungsprogramm (EKDP) des Bundes beantragen könnten, weil sie nicht auf der Liste förderungsfähiger Unternehmen stehen. Die Bäcker fordern daher die Aufnahme in das EKDP. Die Bundespolitik müsse handeln, heißt es vom Bäckerinnungs-Verband, so sei eine Deckelung der Energiepreise ein Lösungsansatz. Aber auch die Landesregierungen seien aufgerufen, durch einen Rettungsschirm Härtefälle aufzufangen.

Das Bäckerhandwerk ist von der Energiekrise extrem betroffen, da Backöfen und Kühlanlagen besonders energieintensiv sind. Darauf weist auch der Hankensbütteler Bäckermeister Frank Schmidt in puncto Energiesicherheit hin. Die Energiekrise ist branchenübergreifend zum Problem geworden: Experten sagen derzeit für mittelgroße Betriebe eine Versiebenfachung des Gaspreises und eine Vervierfachung des Strompreises bis 2023 voraus. Dies könnten die Bäckereien nicht alleine auffangen. Denn: In etwa 70 Prozent der Bäckereien sind Gasöfen in der Nutzung. Der Hankensbütteler Bäckermeister setzt in seinem Betrieb Öl statt Gas ein. Doch die steigenden Energie- und Rohstoffkosten sind natürlich auch für seinen Bäckerei- und Café-Betrieb eine große Herausforderung.

Ein paar Mal pro Jahr muss Schmidt Öl nachtanken, zuletzt war das im Mai der Fall. Das sei schon teurer gewesen als im Vorjahr, ihm grause vor den nächsten Öl-Rechnungen. Über einen Umstieg auf Gas habe er nachgedacht, aber das mache aktuell überhaupt keinen Sinn und sei „total absurd“. Gefühlt gebe es momentan keine echten Alternativen, auch Pellets seien teuer geworden. Beim Strom („Davon geht bei uns einiges durch“) habe er bis Jahresende noch einen Festpreis.

„Das Thema Energie beschäftigt uns alle“, sagt Schmidt über seine Branchenkollegen und sich. Auch bei den Rohstoffpreisen gehe es seit einem halben Jahr – also seit dem Zeitpunkt von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine – nach oben, Schmidt spricht von einem 30-prozentigen Anstieg. So sei etwa Butter deutlich teurer geworden.

Wie gehen die Bäcker mit dieser Situation um? „Alles von den Kostensteigerungen kann man nicht an den Kunden weitergeben“, hält Schmidt fest. Man werde aber um Preissteigerungen nicht drumherum kommen. Die Angestellten und Fachkräfte wollten schließlich auch zu Recht angemessen bezahlt werden, sagt Schmidt. Bei den Tarifverträgen hätte es zuletzt ein Plus von 15 Prozent gegeben, auch als Inflationsausgleich gewissermaßen. Schmidt hat – inklusive der Aushilfen – sechs Leute im Betrieb. Am Backhandwerk und am Handwerk allgemein würden viele Arbeitsplätze dranhängen. Er empfinde es weiterhin so, dass die Autoindustrie eine andere Wertschätzung erfahre als seine Branche. Er hoffe daher auf ein Umdenken in der Gesellschaft: Man brauche nicht nur Hochstudierte, sondern auch Handwerker, damit es insgesamt funktioniert.

Schmidt erwartet von der Politik für seine Branche vor allem die Gewährleistung der Energiesicherheit, insbesondere was Strom und Gas angeht. Nur das garantiere dann auch die Produktionssicherheit. Der Bäckermeister ist jedenfalls froh, dass das Thema jetzt grundsätzlich bei der Politik („Sie sind mobilisiert“) und in der Gesellschaft auf den Tisch gekommen ist.

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