Lob aus Betrieben

Hankensbüttel: Vier Geflüchtete nehmen Ausbildung auf

Dr. Günter Brünning (v.l.), Abdelouahad Assib, Ira Tolstichin, Morino Koné, Wolfgang Symmank, Ibrahim Doumbouya, Musa Makallow und Imke Banse.
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Die Azubis und ihre Unterstützer: Dr. Günter Brünning (v.l.), Abdelouahad Assib, Ira Tolstichin, Morino Koné, Wolfgang Symmank, Ibrahim Doumbouya, Musa Makallow und Imke Banse.
  • Paul Gerlach
    VonPaul Gerlach
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Hankensbüttel – Sie wollen einen handwerklichen Beruf ergreifen: Vier junge Männer aus verschiedenen afrikanischen Ländern, die in der Samtgemeinde Hankensbüttel wohnen, haben sich als Azubis in heimischen Betrieben auf diesen Weg gemacht. Zwei von ihnen sind bereits im zweiten Ausbildungsjahr.

„Deutsch nicht einfach“

Der 24 Jahre alte Morino Koné macht seine Ausbildung in Hankensbüttel bei Malermeister Hinric Elvers, der mit dem Arbeitseinsatz seines Azubis sehr zufrieden ist. Koné dankt – wie auch die drei anderen – allen Unterstützern, sie sind dankbar für die Chance. Koné: „Ich freue mich und bin sehr glücklich, in Hankensbüttel zu sein.“ Es sei ein guter Ort zum Ankommen. „Das schaffen wir.“ Die Fachsprache sei nicht einfach, aber die Nachilfe durch die lokalen Akteure helfe da sehr viel. Er sei sich sicher, dass sein Deutsch noch besser werde. „Ich verstehe mehr und mehr.“

Abdelouahad Assib hat einen sehr kurzen Weg zu seiner Ausbildungsstätte: das Autohaus Pietrzyk in Emmen. Eine Ausbildung als Mechatroniker hat Assib schon in Marokko absolviert. „Ich habe meine Heimat und alles hinter mir lassen müssen“, sagt der 34-Jährige. Viele Diplome und Zeugnisse bei Neuzugezogenen werden in Deutschland nicht anerkannt. Also wird – auch von Assib – alles wiederholt, dieses Mal in deutscher Sprache. In der Berufsschule und im Betrieb gibt es noch Sprachbarrieren, dafür funktioniert das Praktische sehr gut. „Deutsch ist nicht einfach, gerade am Anfang ist die Sprache sehr schwierig.“

Unterstützung bei Behördengängen leistet das Diakonische Werk Wittingen rund um Imke Banse. Deutschland sei im Staatsystem nicht auf Zuwanderung eingestellt, sagt Banse. Immerhin könne man den Führerschein mittlerweile in anderen Sprachen machen. „Ich bewundere euren Mut und eure Power, ganz alleine in einer anderen Kultur klarzukommen. Das ist toll“, sagt sie an die Geflüchtete gerichtet. Die Ausbildung schütze diese vor einer Abschiebung.

Zwei weitere Geflüchtete machen seit Anfang September ihre Ausbildungserfahrungen: Der 23-jährige Ibrahim Doumbouya im Fensterbaubetrieb Lampe, Musa Makallow bei Bäcker Schmidt in Hankensbüttel. Doumbouyas Arbeitsleistung und seine Zuverlässigkeit werden im Fensterbaubetrieb gelobt. „Wir brauchen diese Menschen“, sagt Alfred Lampe. Er sei glücklich, sagt Doumbouya. „Danke für alles!“ Aktuell macht er den Führerschein Klasse B.

Dank an Unterstützer

Makallow kam im Frühling 2020 zum wöchentlichen Trommeln – ein Angebot der Jugendförderung der Samtgemeinde Hankensbüttel unter Leitung von Ira Tolstichin. Er stellte sich auf Englisch vor. Es stellte sich heraus, dass Makallow weder schreiben noch lesen konnte und nie eine Schule besucht hatte. Wegen Corona gab es in Hankensbüttel zu dem Zeitpunkt keine Sprachkurse. Einmal nach dem Trommeln erzählte Makallow, sein Traum sei, Bäcker zu werden. In Afrika hatte er gelegentlich einem befreundeten Bäcker ausgeholfen. Er möge das Backen. Schon vor diesem Gespräch ging Makallow regelmäßig zum Nachhilfeunterricht zu Wolfgang Symmank, der eine Bäckereibesichtigung organisierte. Frank Schmidt bot Makallow einen „Schnupperkurs“ unter strengsten Corona-Auflagen an. Nach ein paar Tagen war es klar, dass Makallow das Zeug hat, ein guter Bäcker zu werden. Jetzt darf Makallow seinen Traum verwirklichen und es wird einen Bäcker mehr in Hankensbüttel geben. Makallow sagt über die Unterstützer: „Sie sind tolle Menschen.“

Der Weg der vier Azubis zu ihrem Abschluss ist noch sehr holperig. Ohne Unterstützung ist so eine Ausbildung nicht zu schaffen. Da greifen die Ausbilder, die Berufsschullehrer und die vielen Ehrenamtlichen unter die Arme: Ursel Bonenberger, Kathi und Günter Brünning, Anne Pontow, Christa und Wolfgang Symmank sowie Tolstichin als Koordinatorin.

Einige der Geflüchteten in der Samtgemeinde Hankensbüttel trommeln gemeinsam. Außerdem spielen sie Fußball in Vereinen (das IK berichtete), etwa Abdoulaye Koulibaly und Djiba Conde beim SV Sprakensehl – und nicht beim TuS Ehra-Lessien II, wie es in der Ausgabe vom vergangenen Mittwoch stand. Conde arbeitet beim Hankensbütteler E-Center als Verkäufer, es handelt sich demnach nicht um eine zweite Ausbildung. Wir bitten, die Fehler zu entschuldigen. Mohamed Doumbia wird nach seiner Tischlerlehre bei Sebastian Hahn in Schweimke nun im November seine Arbeit bei Möbelmeyer in Hankensbüttel aufnehmen.

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