Ruf nach Simone-Veil-Straße

Hankensbüttel: Hugo Holger Busse ist für Umbenennen der Hindenburgstraße

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Einweihung des Place Simone Veil am 29. Mai 2018 durch die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, und die Söhne Simone Veils: In der Diskussion um Straßennamen macht sich Architekt Hugo Holger Busse für eine Umbenennung der Hankensbütteler Hindenburgstraße stark.

Hankensbüttel – „Der Kultur- und Luftkurort braucht eine Simone-Veil-Straße“: Hugo Holger Busse macht sich in der Diskussion um Straßennamen für eine Umbenennung der Hankensbütteler Hindenburgstraße stark.

Busse lebt als Architekt, Städtebauer und Designer in Berlin, absolvierte sein Abitur am Hankensbütteler Gymnasium und ist im Luftkurort sowie in Hannover aufgewachsen.

Busse betont: Darmstadt habe es beschlossen, in Hannover liege ein Bericht eines wissenschaftlichen Beirates vor, Wittingen tue es – in den Zeiten des Rechtsrucks und der Beschönigung der tragischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts würden Straßen und Plätze umbenannt.

„Eine falsche Orientierung“

„Die Hindenburgstraße muss wegen des allgemeinen Rechtsrucks auch umbenannt werden“, fordert Busse. Hankensbüttel solle „mit Beispiel-Funktion unter den vielen Vernünftigen in Niedersachsen“ mit vorangehen. Aus der Hindenburgstraße solle eine Straße werden, deren Lage im Zentrum der Samtgemeinde ebenso berücksichtigt werden solle wie die Zeitgeschichte und die Ethik. Zur Begründung müsse er nach den Ausschreitungen in Sachsen und der ansteigenden Zahl von AfD-Sympathisanten nicht viel argumentieren, findet Busse. Hindenburg sei in Lexika sehr gut aufgehoben, aber auf keiner Landkarte. „So jemanden auf der Landkarte zu haben, bedeutet eine falsche Orientierung.“

Diese Straße könnte, so Busse, eine Verlängerung der bestehenden angrenzenden Straßen sein (Wittinger oder Celler Straße). Der Nachteil sei, dass alle Straßen und alle Hausnummern neu sortiert werden müssten. „Daher wäre davon abzuraten.“ Einfacher sei es, die Straße klassisch neu zu benennen.

Im Zusammenhang der Straßen Johannsenstraße, Karl-Söhle-Weg, Franz-Töpel-Weg und Goethestraße könnte sich Busse etwa einen Schriftsteller als Namensgeber sehr gut vorstellen. Nicht ohne Reiz sei aus seiner Sicht auch eine Benennung nach einer Stadt. „Logisch wäre, die Celler Straße und die Wittinger Straße durch die Hannoversche Straße zu verbinden.“ Hierarchisch wäre dann die Landeshauptstadt zentral – gerahmt von den Nebenstädten.

Ein Zeichen der Freundschaft?

Die Städtepartnerschaft zu Le Mesnil St. Denis sei aufgrund der Erfahrungen des 1. und 2. Weltkrieges ein Zeichen der Freundschaft, betont Busse. Besser könne er sich eine mehr politische Haltung im Sinne des Luftkurortes und seiner bürgerlichen Kultur nicht vorstellen, auch wenn der Name Straße-Le-Mesnil-St.-Denis „etwas kompliziert“ sei.

Mit Blick auf die Schriftsteller und Juristen wäre auch in dem Sinne des regionalen Bezugs und des späten Ruhms „eine Arno-Schmidt-Straße klug und für einen neu zu weckenden Luftkurort nahezu genial“, argumentiert Busse.

Für eine Willy-Brandt-Straße, „die für eine wichtige Phase der prosperierenden Bundesrepublik stünde“, gäbe es viele gute Argumente aus allen Fraktionen, so Busse. Für die Generäle de Gaulle und Pompidou spräche weniger die eine oder die andere Fraktion, nur deren Vision für Europa und die französisch-deutsche Freundschaft. Vor allem wegen De Gaulles Jugendsinn existierten Stadt- und Schulpartnerschaften mit Frankreich. Er stehe für den deutsch-französischen Vertrag zur Freundschaft von 1963 („Elysée-Vertrag“).

Europa, Frau und Frankreich

„Die Simone-Veil-Straße erfüllte dreierlei mit Bravour und mit Größe“, sagt Busse. So würde die ehemalige Präsidentin des EU-Parlamentes geehrt, die ins Panthéon in Paris umgelagert wurde. Es würde eine Jüdin, eine Bürgerrechtlerin, eine Frau und eine Französin geehrt.

„Da es keine mir erinnerliche Benennung Hankensbütteler Straßen nach Frauen gibt“, hält Busse fest, wäre dies aus seiner Sicht als Hindenburgersatz „eine sehr gute Wahl“.

Busses Favoriten-Liste:

1. Simone-Veil-Straße

2. Straße-Le-Mesnil-St.-Denis

3. Arno-Schmidt-Straße

„Angenommen ich wäre ein despotischer Patriarch – würde ich Ihnen meine geliebte Charles-de-Gaulle-Straße oktroyieren?“, fragt Busse.

pg

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