Halbleere Klassen und Rotation

Gymnasium Hankensbüttel bereitet sich auf die ersten Schüler vor – Sorgen bleiben jedoch

Solche Szenen wird es am Gymnasium in absehbarer Zeit nicht geben – das Kontaktverbot gilt auch in den Klassenräumen. 
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Solche Szenen wird es am Gymnasium in absehbarer Zeit nicht geben – das Kontaktverbot gilt auch in den Klassenräumen.

Hankensbüttel – Am 11. Mai ist es soweit: Dann werden die ersten Schüler das Hankensbütteler Gymnasium wieder zu einem – mehr oder weniger – regulären Unterricht betreten.

Allein schon, weil den Anweisungen des Kultusministeriums Folge zu leisten ist, wie Schulleiterin Cornelia Röhrkasten im IK-Gespräch erklärt. Für Abschlussklassen ist der 27. April der erste Termin, hiervon gibt es dieses Jahr jedoch keine am Hankensbütteler Gymnasium, sagt Röhrkasten.

Ein bisschen mulmig ist ihr dennoch bei dem Gedanken, dass demnächst immer mehr Schüler wieder zum Präsenz-unterricht kommen werden: „Wir haben alles präpariert. Zunächst werden nur halbe Klassen kommen und im Sicherheitsabstand in den Räumen sitzen.“ Eine Woche später kommt dann die andere Hälfte der Klasse in den Präsenzunterricht. Zu diesem Model des Wechselns zwischen zwei Gruppen habe man sich bewusst entschieden. Den Anfang machen der 12. sowie der 9. und 10. Jahrgang.

Schulleiterin Cornelia Röhrkasten.

Seit gestern sind die Schüler wieder im aktiven und angeleiteten Lernen – aus dem Homeoffice, wie Röhrkasten sagt. Was jedoch nicht immer ganz einfach sei: „Nicht alle Lehrer haben den gleichen technischen Kenntnisstand.“ Eine weitere Herausforderung sei, dass auch bei den Schülern nicht die gleichen Voraussetzungen vorhanden seien. Nicht jeder habe ein adäquates Endgerät, teilweise reiche die Internetverbindung schlicht nicht aus, oder mehrere Geschwister müssen sich ein Gerät teilen. Dafür gibt es jedoch inzwischen eine Lösung: „Die Schülerinnen und Schüler können entweder in der Bibliothek oder in den IT-Räumen online gehen.“

Wie genau der Online-Unterricht weitergeht, werde jede Woche in Absprache mit Fachgruppen, Jahrgangs- sowie Klassenteams abgesprochen. Da werde ständig optimiert und feinjustiert.

Sorge bereitet der Schulleiterin jedoch eher der Präsenzunterricht – aus mehreren Gründen. Aktuell sind etwa 1000 Schüler aus einem Umkreis von 50 Kilometern am Hankensbütteler Gymnasium. Allein dies treibe die Gefährdung nach oben „Selbst 300 Schüler sind eine Großveranstaltung der besonderen Art. Und mehr können wir auch unter Einhaltung des Kontaktverbots nicht bewältigen.“

So sollen beispielsweise die Pausen gestaffelt werden – was kaum zu bewältigen sei. Wie solle die Aufsicht gewährleistet werden, fragt sich Röhrkasten. Gerade, da mehrere Lehrer ausfallen. Zumal die Koordination im Moment schwierig sei: „Auf die Lehrkräfte kommt bei den wöchentlichen Aufgaben viel Multitasking zu.“ Momentan nutzt die Schule die Mensa als Lehrerzimmer, um das Kontaktverbot einzuhalten. Face-to-Face-Meetings müssen entfallen, was die Organisation nicht einfacher mache.

Ein weiterer Grund, warum nicht mehr als 300 Schüler an das Gymnasium kommen können, liege schlicht am Platz. „Wenn wir Klassen halbieren, haben wir gar nicht die Räumlichkeiten.“ Seifenspender sind zwar aufgestellt, doch warmes Wasser gibt es an der Schule nicht. Unter solchen Voraussetzungen noch die Jahrgänge 11, 7 und 8 sowie schließlich 5 und 6 hier zu unterrichten, will Röhrkasten nicht. „Das wird nicht funktionieren“, gibt sie zu bedenken. Und ergänzt: „Ich habe die Verantwortung, dass alle sicher bleiben.“

Was dafür gut laufe, sei die Kommunikation mit Verantwortlichen des Schul- und Elternrats, die eine große Hilfe sei. Zumal jeder Verständnis aufbringe. Auch die Lehrkräfte seien alle bemüht und wollen die Vorgaben des Kultusministeriums umsetzen. „Bei Problemen versuchen wir, Lösungen zu finden und es besser zu machen.“ Einer der Gründe, warum die Schulleiterin aktuell knapp 300 E-Mails pro Tag beantwortet.

Dass so viele Schüler wie möglich wieder in den Präsenzunterricht sollen, kann sie verstehen. Denn je länger das Homeschooling – also das Unterrichten von zu Hause und mithilfe der Eltern – gehe, desto größer werde die Schere. „Eine alleinerziehende, arbeitstätige Mutter kann nicht so stark unterstützen wie ein Akademiker-Paar, das momentan den ganzen Tag zu Hause sitzt“, bringt Röhrkasten es auf den Punkt. Sie glaubt, dass das nicht spurlos an den Schülern vorbeigehen wird. Und ist daher hin- und hergerissen zwischen den beiden Varianten. Aktuell könne die Schule ohnehin erst mal nur eins tun: „Pragmatisch und optimistisch nach vorne schauen.“ Ob es aber möglich sein wird, alle Schüler vor Ort zu unterrichten – da bleibt Röhrkasten skeptisch.

VON MAX A. MORRISON

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