Was weiß denn der Deutsche?

Hakensbüttel: Paul Dietrich hadert mit dem Bildungswesen

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Auch am Klavier patent: Paul Dietrich brillierte mit Variationen von Happy Birthday und anderem. 

Hankensbüttel – Da dachte Dr. Dietrich „Piano“ Paul, er käme in die Provinz, und was sah er? Döner-Imbiss, China Restaurant, Taekwondo-Studio. Hankensbüttel schien so zu sein wie alle deutschen Städte und Orte.

Erst der Blick auf die Speisekarte im Gasthaus Zur Linde beruhigte ihn. Das Heidschnucken-Steak war ein untrügliches Zeichen für die Provinz.

Seinen Auftritt sah er im IK angekündigt zwischen Angeboten für Alzheimer-Erkrankte, der Anonymen Alkoholiker und der Selbsthilfegruppe für Suchtkranke, und fühlte sich im Ort gleich „gut versorgt“. Doch dort, wo Heidschnucken-Steak angeboten wird, gab es am Donnerstagabend dann die Heißen Kartoffeln in Form des Kabaretts.

Hauptthema des ehemaligen Mathematik- und Physiklehrers war das Bildungswesen. Und da liegt es im Argen, wie er in seinem Programm „Pisa, Bach, Pythagoras“ zur deutschen Bildungsmisere feststellte. Denn was weiß der Deutsche? „Weltmeister 54, 2000 schlecht abgeschnitten und Finnland erster Platz bei Pisa.“ Ein Lieblingsobjekt war für Dietrich das deutsche Feuilleton. Denn da gibt es die meisten Menschen, die beweisen, warum sie keine Karriere in der Mathematik gemacht haben. „Um die Hälfte verdoppelt“, „Vier von drei“, „sechs Prozent, also jeder sechste“ hatte er dort gefunden.

Auch sonst stehen die MINT-Fächer im Lande nicht hoch im Kurs. Ganze drei Kurse etwa hat die Volkshochschule Karlsruhe im Angebot, wenn man denn Feng Shui oder Pannenkurs für Frauen dazu zählen möchte. Gefragt sind auch in Reutlingen Flamenco-Kurse oder „Wir basteln unseren Grabschmuck“. In Garching, immerhin Sitz von vielen Universitätsinstituten, gehört sogar Astrologie 1 bis 3 („mit l“) zu den Naturwissenschaften. Was soll man also machen, wenn selbst der Philosoph Hegel die Existenz von sechs Planeten beschwor, hingewiesen auf den gerade entdeckten siebten und damit den Widerspruch zu den Tatsachen sagte: „Umso schlimmer für die Tatsachen!“ Natürlich, so gab Dietrich auch zu, könne man manches vereinfachen. Als Ergebnis der ersten binomischen Formeln gehe auch „a Quadrat plus b Quadrat“. Das sei zwar falsch, aber eben leichter zu merken. Oder 3,0 für die Zahl Pi. „So machten es die alten Ägypter und die Pyramiden stehen auch heute noch.“

Dass Musik und Mathematik eng beieinander liegen, bewies Dietrich auch. Varianten von Happy Birthday, in Versionen von Mozart oder Bach am Klavier beeindruckten. Dietrichs Fazit, weil Deutschland ja als einzigen Rohstoff die Bildung habe: „Man sollte das Land mal umgraben. Vielleicht findet man doch noch Erdöl.“

VON BURKHARD OHSE

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