Bürgerinitiative will sich gründen

Legehennenstall in Hagen: Kritik von Bürgern, Ja vom Rat

Legehennen in Freilandhaltung.
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Legehennen im Freien in Bollewick (Mecklenburg-Vorpommern): In Hagen ist ein Legehennenstall geplant. Bei der Ratssitzung und generell kam Bürgerkritik zu dem Vorhaben auf. Eine BI soll gegründet werden.
  • Paul Gerlach
    vonPaul Gerlach
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Hagen – Der geplante Legehennenstall in Hagen (das IK berichtete) sorgt für einige Irritationen, das Vorhaben schlägt Wellen. Inzwischen befindet sich eine Bürgerinitiative in der Gründung. Der Gemeinderat stimmte der Errichtung des Stalls am Dienstag, 16. März, bei zwei Enthaltungen von Thorsten Wegmeyer (WGS) und Melanie Schiller (SPD) zu.

Gegenwind für Projekt

Eine Ferienhaus-Eigentümerin im Nurdakamp in Hagen beklagt sich, dass direkt neben ihrem Grundstück gebaut werden soll. Alle Grundstückseigentümer im Nurdakamp hätten diese Information erst am vergangenen Montag erhalten. Nun sei Eile geboten. „Mit aller Entschiedenheit wollen wir den Bau dieser Anlage in unmittelbarer Nähe zu der Feriensiedlung verhindern“, sagt sie. Eine BI werde gerade ins Leben gerufen. Ein Stall in dieser Nähe sei in einem Gebiet, das der Erholung dient, „völlig inakzeptabel“. Der entstehende Geruch und Feinstaub sowie Lärm und das verunstaltete Landschaftsbild seien nicht zu tolerieren. Dass die Eigentümer diese Information bisher nicht erreicht habe und dass es sich um ein Bauvorhaben von Familie Fromhagen handele (Christiane Fromhagen ist Bürgermeisterin), klinge zudem „irgendwie pikant“. Eine weitere Eigentümerin im Nurdakamp – nach eigener Aussage Asthmatikerin mit Federallergie – hat formal Einspruch gegen das Vorhaben erhoben. Sie möchte zudem alle Beschlüsse in der Ratssitzung anfechten.

Bürgermeisterin Fromhagen gab wegen persönlicher Betroffenheit von dem Vorhaben bei der Ratssitzung die Sitzungsleitung zu diesem Punkt wieder an ihren Stellvertreter Wegmeyer ab. Wie schon im Vorbereitungsausschuss, beteiligte sie sich weder an der Diskussion noch an der Abstimmung. Ihr Sohn Kristof Fromhagen und dessen Freundin Freya Lüddeke waren, wie schon zuvor im Ausschuss, erneut persönlich erschienen, um ihr Bauvorhaben vorzustellen und Fragen dazu beantworten. Sie betonen grundsätzlich ihre Gesprächs- und Informationsbereitschaft. Bei der Einwohnerfragestunde mussten sie sich von sieben Hagenern, die als Besucher zugelassen worden waren (das Maximum, wie Christiane Fromhagen bedauernd feststellte, was Corona-bedingt möglich war), einiges anhören. Bedenken, die dabei – und zuvor im Ausschuss – gegen das Vorhaben geäußert wurden: Hagen würde dadurch sicher nicht attraktiver und sei doch ein Feriengebiet. Die Aussicht auf einen Stall sei nicht erfreulich. Es gibt Sorgen vor den Emissionen und sinkenden Grundstückspreisen. Kritisiert wird auch allgemein die Informationspolitik zu dem Vorhaben: Einige Anlieger hätten vorab davon nichts erfahren. Nun würden Unterschriften im Ort gesammelt, der Standort werde kritisch gesehen. Man fühle sich überrumpelt – auch von der Größe des Vorhabens mit 15 000 Tieren – und frage sich, ob das nicht anders hätte laufen können.

Kristof Fromhagen betonte, dass es keine Informationspflicht gebe, dennoch habe man freiwillig informiert und nichts zu verheimlichen. Zudem sei es ein vergleichsweise „kleines Vorhaben“ – und definitiv keine Massentierhaltung, wie seine Freundin und er unterstrichen. Es sei die zweitkleinste Form, wie man einen festen Stall baut, und geschehe nach Bio-Standards, sagte Lüddeke. Alle Flächen im Besitz der Familie seien überprüft worden, letztlich habe man sich die jetzt vorgesehene, 150 Meter von Wohnhäusern entfernte Fläche ausgeguckt, schilderte Kristof Fromhagen. Denn bei den anderen Flächen sei die Nähe zu Wald-, Landschaftsschutz- oder Vogelschutzgebieten unterschritten. Mit den fünf Landwirten, die – in einer GbR vereinigt – Ackerbau managen, hat das Ganze im Übrigen nichts zu tun. Für das Projekt sollen unabhängig davon fünf bis acht Leute auf 450-Euro-Basis beschäftigt werden. Der Ferkelstall der Fromhagens ruht und soll auch künftig nicht wieder in Betrieb genommen werden.

Kristof Fromhagen und Freya Lüddeke betonen, dass Anwohner und Bürger mit offenen Fragen oder Bedenken Pandemie-bedingt einzeln zu ihnen auf den Hof kommen können. Auch das Gutachten zu den Emissionen könne dort eingesehen werden. Eine Dorfversammlung sei Corona-bedingt nicht möglich gewesen. Man habe mit den direkten Anwohnern an der Hagener Dorfstraße gesprochen und sie über das Vorhaben informiert. Dass aber nicht sämtliche Anlieger informiert wurden – darüber drückten die beiden bei der Sitzung ihr Bedauern aus und gestanden Fehler in der Kommunikation ein.

„Das ist unsere Existenzgrundlage“

Von der Befürworterseite wurde ins Feld geführt, dass ein solches Projekt definitiv besser als eine reine Stallhaltung sei. Durch die Freilandhaltung hätten die Tiere Auslauf. Das Ganze füge sich außerdem nicht so negativ ins Landschaftsbild ein, wie womöglich viele befürchten, und komme der Idylle, die man vor dem geistigen Auge habe, relativ nahe. Zudem sei mit Legehennen deutlich weniger Emissionen als mit Schweinehaltung verbunden.

„Wir sind Landwirte. Das ist unsere Existenzgrundlage“, sagte Lüddeke bei der Sitzung. Das Stallgebäude werde möglichst schön gestaltet. Es sei keine kurzfristig getroffene Entscheidung, sondern es gehe um den Fortbestand des jetzigen Betriebes. „Kein Anwohner wird unmenschlich belästigt.“

Adressat für Einwände gegen das Vorhaben ist der Landkreis als Bauaufsichtsbehörde, betonte Samtgemeindebürgermeister Andreas Taebel. Der Kreis könne im Fall der Fälle sogar das Einvernehmen der Gemeinde ersetzen und somit für das Bauvorhaben grünes Licht geben, wenn sämtliche baurechtlichen Voraussetzungen erfüllt seien.

Lob und Unterstützung

Aus Reihen der Ratsleute wurde mehrfach angemerkt, dass die Kommunikation der Vorhabenträger verbesserungswürdig war. Wenn eher informiert worden wäre, sei einiger Ärger erspart worden, lautete der Tenor. Es gab auch lobende Worte und Unterstützung für die jungen Leute, so ein Vorhaben hier hier auf dem Land umzusetzen.

„Kein Mitspracherecht bei Rat und Anliegern“

Bei dem geplanten Legehennenstall in Hagen handelt es sich um ein privilegiertes Bauvorhaben im Außenbereich. Samtgemeindebürgermeister Andreas Taebel betont, dass dies vom Gesetzgeber so gewollt sei. Es gebe „kein Mitspracherecht beim Gemeinderat und den Anliegern“. Theoretisch könne das Ganze auch über deren Kopf hinweg entschieden werden, die öffentliche Vorstellung der Pläne sei schon weit mehr, als es sein müsste. Das Einvernehmen, das seitens der Gemeinde herzustellen ist, beschränke sich auf die Bestätigung der Erschließung (die bei dem Projekt gesichert ist). Die Kommune könne lediglich Widerspruch einlegen, wenn es Bedenken wegen des Brandschutzes gebe oder wenn sie eigene Pläne für die betroffene Fläche habe (etwa, weil sie dort etwas errichten möchte). „Im Prinzip hat die Gemeinde keine Einflussmöglichkeit“, hielt Taebel fest. Landwirte hätten quasi ein Vorrecht für solche Baumaßnahmen. Bei einem Nein des Gemeinderates könne es sogar dazu kommen, dass die Kommune in Regress genommen wird, wenn erwartete Fördergelder dadurch nicht ins Projekt fließen, führte er aus. Für das Hagener Vorhaben wurde dazu bei der Ratssitzung von einer Bürgerin die Zahl 500 000 Euro in den Raum gestellt, was von den Verantwortlichen aber weder bestätigt noch dementiert wurde.

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