Gymnasium Hankensbüttel: Resolution des Kollegiums an Ministerpräsident Weil

Lehrer fordern 13. Schuljahr

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Neue Mensa in Hankensbüttel – und die Schulzeit ist nach Auffassung des Kollegiums eine weitere Baustelle.

Hankensbüttel. Diskutiert wird schon lange: Viele Gymnasiasten leiden unter zu vollen Stundenplänen, spüren früh einen hohen schulischen Druck, haben keine Zeit mehr für Vereine.

Jetzt geht das Kollegium des Gymnasiums Hankensbüttel in die Offensive: In einer Resolution fordern die Lehrkräfte die Rückkehr zu „G 9“, also neun Jahren Gymnasium, und damit zum Abitur nach Klasse 13. Das Schriftstück ist an den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) höchstpersönlich gegangen.

Der hatte sich „G 8“ zwar nicht ausgedacht – das Abitur nach Klasse 12 war von der schwarz-gelben Vorgängerregierung eingeführt worden –, doch von Rot-Grün kommt bislang auch kein deutliches Signal zur Rückkehr zum alten System.

„Es war eine Operation am offenen Herzen, und sie ist gescheitert“, diagnostiziert das Kollegium mit Blick auf G 8 in der Resolution, die unter anderem auch an Weils Kultusministerin Frauke Heiligenstadt und die Landtagsabgeordneten Detlef Tanke (SPD) und Ingrid Klopp (CDU) adressiert worden ist. Die Kernforderung: eine sofortige Rückkehr zum Abitur nach Klasse 13.

Das Papier sei in der letzten Dienstversammlung „mit sehr großer Mehrheit“ verabschiedet worden, heißt es in einer Mitteilung der Lehrerschaft. Diese verweist darauf, dass 34 Wochenstunden für einen Schüler in der Mittelstufe „eine Zumutung“ seien. Die Pädagogen führen zudem Zeitungsberichte aus Niedersachsen an, wonach viele Schüler im Land sich vor lauter Überforderung „ihr eigenes G 9“ schaffen würden – etwa durch „massenhaftes freiwilliges Wiederholen“. Die Schüler seien die Leidtragenden von G 8 und hätten sich von Anfang an über den Stress beschwert, der mit der Schulzeitverkürzung verbunden ist.

Bemängelt wird in der Resolution auch die Ungleichbehandlung von Gymnasien und Gesamtschulen – an letzteren gibt es 13 Schuljahre. „Es wäre eine krasse Benachteiligung der Gymnasien, ihrer Lehrkräfte und Schüler, wenn diese Möglichkeit nicht auch für sie Wirklichkeit würde“, so Anja Toth-Homann, die Vorsitzende des Personalrats, von dem die Initiative zur vorliegenden Resolution ausging.

Nicht nur Eltern, Schüler und Lehrer stellen sich gegen das „Turbo-Abi“. Nach der Lehrergewerkschaft GEW, die von Anfang an Kritik geübt hatte, sei nun auch der eher konservative Philologenverband auf Distanz zu G 8 gegangen, schreibt das Hankensbütteler Gymnasial-Kollegium.

Das IK wollte gestern vom Gifhorner Abgeordneten Tanke wissen, wie die Regierung mit dem Thema umgeht. „Wir diskutieren das“, sagte der Sozialdemokrat, der auch Generalsekretär seiner Partei in Niedersachsen ist. „Aber es gibt noch keine abschließende Meinungsbildung.“ Eine Rückkehr zu G 9 zum nächsten Schuljahresbeginn sei „nicht wahrscheinlich“. Der entscheidende Fehler sei, dass die Lehrpläne nicht entschlackt wurden – vielleicht lasse sich hier kurzfristig Entlastung schaffen.

Klar ist: 13 Schuljahre kosten für das Land mehr Geld als 12 – die Befürworter von G 9 haben also keinen leichten Kampf vor sich.

Von Holger Boden

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