„Wie lange noch?“

Grüne üben nach erneuter Öl-Leckage harsche Kritik an Sicherheitsstandards

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Feuerwehr und Polizei konnten nicht viel mehr tun, als den Verkehr zu regeln und auf Mitarbeiter der Firma Exxon Mobil sowie Vertreter des Landesbergbauamtes zu warten.

Hankensbüttel – „Einer ersten Einschätzung zufolge sind weder Oberflächengewässer noch Grundwasser von der Leckage betroffen.“

Das meldete das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) gestern Mittag nach der erneuten Leckage einer Ölförderleitung bei Hankensbüttel. Der Graben, in das das Öl-Wasser-Gemisch lief, ist nicht wasserführend.

Die aus der Leitung sickernde Flüssigkeit sammelte sich im Graben zu einer Öl-Wasser-Fläche.

Fachleute des LBEG und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Gifhorn waren am Vormittag vor Ort, ein Bagger begann mit dem Auskoffern der betroffenen Flächen, nachdem das Nassöl abgepumpt worden war. Seitens der Firma Exxon Mobil, die für die Leitung verantwortlich ist, hieß es, man habe „unmittelbar nach Bekanntwerden des Ölaustritts die Leitung geschlossen“. Die Vorfälle hätten sich „außerhalb von Wasserschutzgebieten“ ereignet.

Christian Schroeder, Kreistagsabgeordneter der Grünen, sagte gestern, er frage sich angesichts des erneuten Vorfalls, „wie lange das noch weitergehen soll“. Er forderte einen Stopp aller Arbeiten im Wasserschutzgebiet Schönewörde, die mit Erdölförderung zu tun haben und eine Überprüfung aller alten Rohrleitungen.

Grünen-Fraktionssprecher Klaus Rautenbach rief Landrat Dr. Andreas Ebel zu „mehr Engagement“ für die Sicherheit in der Erdölförderung auf. Ebel sagte auf IK-Anfrage, er wolle für die Leckagen „nicht in Sippenhaft genommen werden“. Der Landkreis trage in Abstimmung mit dem LBEG seinen Teil bei, die Zuständigkeiten seien aber klar geregelt und lägen nun einmal beim Landesamt. Dass das LBEG genauer hinschauen solle, halte er derweil für eine „legitime Forderung“.

Hier blubbert die Erde: austretendes Nassöl gestern Morgen neben dem K 7-Kreisel.

Nur etwas mehr als 12 Stunden vor der Entdeckung des Leitungs-Lecks hatten die Grünen im Gifhorner Kreistag die Frage gestellt, ob der Kreisverwaltung bekannt sei, wann im Kreisgebiet die vom Land Niedersachsen angeordneten Überprüfungen aller Einpressbohrungen stattfinden. Die Kreisverwaltung hatte diesbezüglich das LBEG kontaktiert – von dort hieß es, man sei dabei, die von den Unternehmen übersandten Daten aus ganz Niedersachsen auszuwerten. „Zeitnah“ sei eine technische Überprüfung aller Bohrungen vorgesehen. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Imke Byl mahnte gestern „schärfere unabhängige Kontrollen“ und einen „klima- und umweltgerechten Ausstiegsfahrplan für die gesamte Branche“ an.

Eine Forderung des grünen Ratsherrn Peter Dietz, die Samtgemeindespitze solle die Öffentlichkeit über den Schaden an der K 7 informieren und sich für eine unabhängige Überprüfung des Leitungsnetzes einsetzen, sah die stellvertretende Rathauschefin Ilka Bauke gestern skeptisch. „Dafür sind wir eher nicht zuständig. Aber wir haben natürlich ein Interesse, das so etwas nicht wieder vorkommt.“ Dietz forderte auch eine Stilllegung aller Leitungen im Wasserschutzgebiet.

VON HOLGER BODEN

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