GEW kritisiert gestiegene Aufgabenfülle

Hankensbüttel: Lehrer an Schulen klagen über hohe Belastung

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Lautstarker Ruf nach Entlastung und Investitionen: Lehrer am 29. August 2013 bei einer Demonstration in Hannover. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht sich nach einer jetzt veröffentlichen Studie zur Lehrerarbeitszeit in ihren bundesweiten Forderungen nach einer Entlastung bestätigt. Auch Lehrer an Schulen aus der Region fühlen sich teils „wie im Hamsterrad“.

Hankensbüttel. „Wir machen unseren Job gerne, aber manchmal hat man das Gefühl, im Hamsterrad zu sitzen. “ Irene Daniel, Personalrätin an der Hankensbütteler Hauptschule, bringt auf den Punkt, wie sich viele Pädagogen in der Region fühlen.

Die Arbeit eines Lehrers richte sich nun mal nicht an einer Stechuhr aus, unterstreicht Mario Toborg, Kreissprecher der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Arbeitszeit werde zunehmend entgrenzt – gerade auch durch viele neue außercurriculäre Aufgaben wie Verwaltung oder Inklusion. Deren Anteil sei in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen – und damit auch die Belastung der Lehrer.

Dabei ist sich Daniel sicher: Wenn die Lehrerarbeitszeit womöglich tatsächlich verkürzt werden sollte, würden die Pädagogen dies nutzen, um die Qualität des Unterrichts zu verbessern. Der bürokratische Aufwand habe zugenommen, bestätigt auch sie. Beispielsweise müssten Pläne geschrieben werden, die dann abgeheftet werden würden, oder Schulinspektionen intensiv vorbereitet werden.

Daniel geht mit Toborg konform, dass das Thema Bezahlung von Lehrern durch die Landesregierung angegangen werden müsse – „auch, um den Job attraktiver zu machen“. Denn letztendlich würden die Lehrer aller Schulformen doch die gleiche Arbeit leisten. Toborg weist darauf hin, dass etwa an den Grundschulen der Beamtensold A 12 beträgt, während es an den Gymnasien A 13 gibt.

Daniel wünscht sich auch eine bessere Überprüfung der Eignung des Lehrernachwuchses. „Das kann nicht jeder. Als Lehrer muss man schnell und flexibel reagieren können. Dies hält mancher nicht lange aus.“

Eine Studie der Uni Göttingen hatte jetzt ergeben, dass Lehrer pro Woche 100 Minuten länger als andere Beschäftigte im öffentlichen Dienst arbeiten. „Das ist wenig überraschend“, kommentiert Anna Maria Podewski, Personalratsvorsitzende am Hankensbütteler Gymnasium, die Ergebnisse der Studie auf IK-Anfrage. „Das spiegelt den Schulalltag wieder.“ Dass die Lehrer von der Arbeitszeit her drüberliegen würden, sei zu erwarten gewesen. Sie zeigt sich wenig optimistisch, dass sich jetzt schnell etwas ändert. Denn zum Teil seien die Missstände schon lange bekannt, und zum anderen herrsche aktuell Lehrermangel. Das mache das Ganze noch schwieriger.

Positiv bewertet Podewski, dass man nun „Validität in der Hand“ habe, mit der neuen Studie könne man anders argumentieren. Sie hofft auf gesellschaftlichen Druck, damit die Regierung sich der Thematik annimmt. Frustrierend seien die vielen Aufgaben, die auf die Lehrer in den letzten Jahren „on top“ dazugekommen seien. Dadurch sei der Unterricht teils in den Hintergrund gerückt. Bei einer Arbeitszeitverkürzung könnten die Lehrer mehr Zeit in die Unterrichtsstunden und in die Klassen stecken, insbesondere bei der Vor- und Nachbereitung.

Podewski kritisiert, dass die Abordnungen von Gymnasiallehrern schon lange absehbar gewesen seien: Dass an den Grundschulen Lehrer fehlen, sei schließlich keine neue Entwicklung. Dieser Mangel müsse aber anders kompensiert werden als durch Abordnungen. Sie ist sich sicher: Änderungen brauchen ihre Zeit. Aber die neue Studie sei ein „Anstoß in die richtige Richtung“.

Von Paul Gerlach

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