Hankensbütteler Naturschützer schalten Gericht im Steit mit Fischern am Steinhuder Meer ein

Fischotter droht der Reusentod

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Droht dem Fischotter am Steinhuder Meer bei Hannover nach kurzer Anwesenheit das Aus? Fischreusen stellen eine tödliche Falle für Fischotter dar.

Hankensbüttel. Das Steinhuder Meer ist nicht nur ein überaus beliebtes Naherholungsgebiet für Wassersportler und Ruhesuchende, sondern auch ein bedeutender Lebensraum für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten.

Deswegen ist Niedersachsens größter Binnensee ein nach internationalem Recht ausgewiesenes Naturschutzgebiet, in dem seit kurzem der seltene und in Mitteleuropa vom Aussterben bedrohte Fischotter, ebenfalls hochgradig geschützt, ein neues Zuhause gefunden hat, freut sich Mark Ehlers, Leiter des Hankensbütteler Otter-Zentrums und Vorstandsvorsitzender der Aktion Fischotterschutz.

Doch ausgerechnet dem Fischotter droht nun Unheil: die hier zu Hunderten aufgestellten Fischreusen sind hochgefährliche Fallen, weil der Otter auf der Suche nach Fischen in ihnen qualvoll ertrinkt.

Naturschützer fordern seit Jahren den verbindlichen Einsatz von Schutzsystemen, so genannten Reusengittern oder Otterkreuzen – bisher vergeblich. Deshalb hat die Aktion Fischotterschutz e.V. das zuständige Verwaltungsgericht um eine Entscheidung gebeten. „Ich frage mich, wo sonst eine hochgradig bedrohte Tierart wie der Fischotter geschützt werden soll, wenn nicht hier am Steinhuder Meer, das als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist“, fragt Mark Ehlers. „Wir können nicht darauf hoffen, dass die Fischer und die Behörde von sich aus zur Einsicht kommen, dass die Otter im Steinhuder Meer unter allen Umständen zu schützen ist“, zeigt sich der Otterschützer enttäuscht vom schleppenden Fortgang des schon seit Monaten schwelenden Konflikts.

Dabei geht es dem Verband nicht einmal um das Verbot der Reusenfischerei im Ganzen. Lediglich der Schutz des Otters soll gewährleistet sein. Deswegen hat der anerkannte und gemeinnützige Naturschutzverband in dem von ihm in Hankensbüttel betriebenen Otter-Zentrum schon einmal neuartige Fluchtöffnungen entwickelt, die auch den Fischern gefallen sollten.

Diese erlauben nämlich das Entkommen der Otter aus der Reuse und beeinträchtigen nicht die Fangeigenschaften. „Leider sind die Fischer wenig kooperativ und wollen diese Neuerung nicht freiwillig einführen“, erklärt Mark Ehlers auf IK-Nachfrage. Es sei bedauerlich, dass nun wohl das Gericht über die Zukunft des Otters in Niedersachsen entscheiden müsse. „Aber es darf nicht sein, dass immer der Naturschutz gegenüber den wirtschaftlichen Interessen Einzelner zurücksteht“, gibt sich Mark Ehlers kämpferisch: „Hoffentlich ist es bis dahin nicht zu spät für den possierlichen Wassermarder mit dem hohen Sympathiewert.

Zufrieden ist Mark Ehlers, dass der Fischotter seit dem vergangenen Jahr wieder heimisch ist am Steinhuder Meer. Die Tiere sind bei ihren Wanderungen aus dem Bereich Ost-Niedersachsens bis ans Binnenmeer in der Nähe von Hannover vorgedrungen. Der Schutz dieser bedrohten Tierart habe oberste Priorität.

Von Walter Manicke

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