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Der Fernsehturm wird 50

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Der Bokeler Fernsehturm ist eigentlich kein Turm, sondern ein Mast – das liegt an den Abspannseilen. Fotos: Boden (2), privat

Bokel. Er hängt zwar deutlich sichtbar in den Seilen, doch das hat nichts mit seinem Alter zu tun: Der Bokeler Fernsehturm versieht zuverlässig wie eh und je seinen Dienst, und von der Rente ist er noch weit entfernt. Das höchste Bauwerk im Landkreis Gifhorn wird in diesem Jahr 50 Jahre alt.

In seiner Jugend war der Stahlrohrmast, der pro Höhenmeter rund eine Tonne wiegt, sogar mal das höchste Bauwerk der Republik. Lichte 323 Meter maß der rot-weiße Mast, dessen ruhig pulsierende Befeuerung aus den meisten Orten im Isenhagener Land (und darüber hinaus) zu sehen ist.

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Der Fuß des Mastes steht auf rund 120 Metern über Normalnull, so dass die Spitze rund 440 Meter über dem Meeresspiegel liegt.

Inzwischen liegt die Gesamthöhe des Mastes „nur“ noch bei 318 Metern, weil vor etwas mehr als 30 Jahren eine kürzere Antenne als zu Beginn auf die Spitze gesetzt wurde. Das schildert der Bokeler Karsten Helms im Dorfbuch. Am 1. Juni 1961 wurde der Turm in Betrieb genommen, so geht es aus den Archiven der Telekom hervor. 1959 war die Baugenehmigung erteilt worden. Ursprünglich waren Standorte nördlich von Uelzen, bei Breitenhees oder auch am „Blauen Berg“ an der B 4 in der Nähe von Suderburg im Gespräch. Helms berichtet im Dorfbuch, wie die Planer erstaunt waren, dass der „Fernsehsender Uelzen“ (so der Arbeitstitel) seinen dann als ideal ermittelten Platz mitnichten im Uelzener Landkreis haben würde, sondern eben im Landkreis Gifhorn.

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Eine private Aufnahme vom Bau des Turms Anfang der 60er Jahre.

Doch da steht er nun, ganz im Norden des Kreisgebietes, und ist für die Region irgendwie immer noch ein Superlativ. Allein die bis zu 366 Meter langen Stahlseile sind ein beachtliches Stück Handwerk. Die Väter des Fernsehturmes sahen einen Aufzug im Innern des Mastes vor, der bis zu drei Personen in zehn Minuten auf 280 Meter Höhe bringen kann. Die Fahrt ist ein kleines Abenteuer und lief, wie im Bokeler Dorfbuch vermerkt ist, nicht immer störungsfrei. Das gilt leider auch für die Bauarbeiten, bei denen ein Monteur ums Leben kam. Auch ohne diesen traurigen Zwischenfall sorgte der Bau des Turms für viel Aufsehen und zog immer wieder Schaulustige an.

Im Kalten Krieg hatte der Bokeler Sender die wichtige Aufgabe, die Fernsehversorgung im grenznahen Bereich bis hin zur Göhrde sicherzustellen, im Westen und Süden sollte er bis zur A7 und A2 senden. Weil elektromagnetische Wellen vor Zäunen und Selbstschussanlagen nicht halt machen, war der Turm natürlich auch dafür verantwortlich, dass DDR-Bürger in den Genuss westdeutscher Sendungen kamen. Das, was man in Ostdeutschland als „Schwarzen Kanal“ diskreditierte, hatte also ein bisschen auch mit Bokel zu tun ...

Bei der Entscheidung zum Bau des Mastes spielte, wie es im Bokeler Dorfbuch heißt, die Einrichtung des zweiten Fernsehprogramms eine entscheidende Rolle. Das ZDF ging am 1. Juni 1961 erstmals über den Äther – hierfür wurde ein neues Sendernetz benötigt.

Inzwischen ist der Mast (dies ist wegen der Seile übrigens die eigentlich korrekte Bezeichnung) mit der Zeit gegangen und überträgt auch Mobilfunk. 2007 kam zudem das terrestrische digitale Fernsehen (DVB-T) hinzu. Außerdem schickt der Turm UKW-Rundfunkwellen des Deutschlandfunks sowie Bündelfunk und Richtfunk in die Welt. Aufgrund dieser Aufgabenvielfalt plant die Deutsche Telekom auch weiterhin mit dem Sender Behren-Bokel, wie er offiziell heißt. Selbstverständlich ist das nicht: Bei Gartow im Wendland wurde im August 2009 ein 324 Meter hoher Sendemast gesprengt, der vor dem Fall des Eisernen Vorhangs unter anderem für eine Richtfunkverbindung nach West-Berlin diente.

Von Holger Boden

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