Videoübertragung nach Frankreich

Europa in allen Facetten: Erasmus-Tag am Hankensbütteler Gymnasium 

Lea van Werven und Leni Wullstein (r.) aus der Klasse 6F1 vom Hankensbütteler Gymnasium beim ErasmusDay.
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Lea van Werven und Leni Wullstein (r.) aus der Klasse 6F1 vom Hankensbütteler Gymnasium beim ErasmusDay.
  • Paul Gerlach
    VonPaul Gerlach
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Hankensbüttel – Es war eine spannende Premiere am Hankensbütteler Gymnasium: Am Freitag, 15. Oktober, stieg dort erstmals der ErasmusDay für die Jahrgänge 5 bis 8. Künftig soll er jährlich wiederholt werden. Ohnehin hat die Schule bekanntlich Großes vor und arbeitet daran, über Erasmus+ für sieben Jahre akkreditiert zu werden. Das würde sowohl der Schülerschaft als auch dem Kollegium den Zugang zum Austausch erleichtern und beispielsweise Berufspraktika, Bildungsprogramme und Fortbildungen im europäischen Ausland erleichtern.

Animes und Plankton

Der europäischen Idee besonders gut nachspüren konnten am Freitag, 15. Oktober, Schüler der Jahrgänge 7 und 8 aus der Erasmus+-AG bei einer Videoübertragung nach Frankreich: Sie verbanden sich virtuell mit 26 Schülern von der Partnerschule, dem Collège Saint Joseph-La Salle in Lorient. Diese ist mit 2000 Schülern und 200 Lehrern im Vergleich mit Hankensbüttel ziemlich genau doppelt so groß.

Nach dem Überwinden der Tonprobleme und der anfänglichen Schüchternheit entspann sich bald eine rege, einstündige Fragerunde zwischen den beiden Schülergruppen. Die vorbereiteten Vorträge, um sich einander vorzustellen, wurden schnell beiseite gelassen, als es um das gegenseitige Abfragen von Lieblings-Schulfächern, -Sportart, -Sportler, -Essen und (von besonderem Interesse) -Anime-Serien ging. Natürlich wurde aber auch über das fächerübergreifende Projekt „Shall we let our cousins – the planktons – be destroyed“ und die bislang erzielten Ergebnisse gesprochen: Dabei geht es darum, wie das Plankton in den Meeren – als Basis des Lebens – gerettet werden kann. Gegen Ende der Videokonferenz wurden zur allgemeinen Erheiterung „Frère Jacques“ und „Zum Geburtstag viel Glück“ angestimmt.

Schüler aus der Klasse 6F1 berichteten am Freitag, 15. Oktober, dass sie Flaggen angemalt und den dazugehörigen Ländern zuordnet hatten. Es wurden Kostproben mit in die Schule gebracht, was man in den jeweiligen Ländern isst (O-Ton eines Schülers: „Es hat alles gut geschmeckt“). Musik kam ebenfalls zu Gehör – neben Vorträgen über die Kernaspekte der Länder.

Rassismus im Alltag

In den Jahrgängen 7 und 8 ging es vor allem um die Themen Identität und Herkunft. Die Schüler, darunter Lilly, Frederike, Majkem, Luisa, Laural, Hanna und Carolina, hatten sich mit Traditionen in den Ländern beschäftigt. Auch wie jeweils Hochzeiten, Weihnachten oder andere Feiertage begangen werden, war Thema, sagte Gülesten. Mit ihren Mitschülerinnen Leona, Asal, Anna und Pia wurden Rassismuserfahrungen, Mobbing und Alltagsrassismus im Klassenrund besprochen.

Es dürfe nicht sein, dass Menschen wegen eines anderen Aussehens oder ihrer Hautfarbe diskriminiert werden, führte Linda aus. Vorurteile müssten demnach abgebaut werden. Auch wenn Leute aussehen, als würden sie aus dem Ausland kommen, können sie in Deutschland geboren sein, ergänzte Lilly. Die Schüler wie Laura und Hanna betonten, dass sie durch den Tag viel über sich selbst, über andere Menschen und den Umgang mit ihnen gelernt hätten. Dabei hatten auch Gespräche mit den eigenen, älteren Verwanten, etwa Oma und Opa, geholfen.

„Es war schön, über diese wichtigen Themen zu reden. Man sollte andere Menschen respektieren und akzeptieren“, sagte Asal.

Fuß in Erasmus-Tür

Das Erasmus-Projekt am Gymnasium wird von Kristina Spann als Leiterin betreut, Christian Chmelensky ist für die Schulleitung mit im Boot, und unterstützt wird das Ganze von Lehrerin Jennifer Chmelensky. Cornelia Röhrkasten als Schulleiterin ist von dem Projekt vollkommen überzeugt und lobt den Einsatz der Beteiligten. Insbesondere von Spann, die das Projekt „extremst engagiert“ sogar über die Corona-Herausforderungen hinweg getragen und gemeinsam mit dem Team entscheidend vorangebracht habe. Viele Formulare seien dafür auszufüllen gewesen. Es sei für die Schule – gerade als Landgymnasium – gut, einen Fuß in der Erasmus-Tür zu haben. Durch die neuen technischen Möglichkeiten gewinne das Ganze noch zusätzlich an Attraktivität und das steigere die Motivation. Der nicht so sehr von Einzelpersonen, die einen Austausch am Leben erhalten, abhängige Ansatz, erleichtere zudem, dass mehrere Jahrgänge teilnehmen können.

Künftige Schüleraustausche werden angestrebt

Das Hankensbütteler Gymnasium nahm gestern erstmals an den europaweit stattfindenden ErasmusDays teil. Dabei konnten Schulen in ganz Europa diverse Live-Events, Projekte und Wettbewerbe veranstalten und so Schüler für die europäische Idee begeistern. Dabei erstellten letztere verschiedene Ländersteckbriefe oder beschäftigten sich mit der Herkunft ihrer Vorfahren, ihrer Vornamen oder ihrer Lieblingsspeise. So wurde die kulturelle Vielfalt im täglichen Leben erfasst.

Das Gymnasium arbeitet bereits seit diesem Frühjahr mit dem Collège Saint Joseph-La Salle in Lorient sowie der Schillerschule in Frankfurt/Main an einem gemeinsamen fächerübergreifenden Partnerschaftsprojekt zur Bedeutung des Planktons im Ökosystem. Die dazu wöchentlich stattfindende AG (Leitung: Kristina Spann und Christian Chmelensky) vertieft diese Arbeit nun mit Hilfe diverser Experimente – auch in Kooperation mit dem Otter-Zentrum – und durch Recherchearbeit. Natürlich besteht nach dem Besuch durch die französischen Lehrerinnen Magali Martinez und Christelle Tristant im Juli (das IK berichtete) auch weiterhin der Wunsch, möglichst eng mit den Partnerschulen zu kooperieren. Neben dem digitalen Austausch über eTwinning, einer Initiative der Europäischen Kommission, welche Schulen aus ganz Europa digital miteinander vernetzt, werden so auch zukünftig Schüleraustausche angestrebt.

Sowohl der ErasmusDay als auch die Erasmus+-AG stellen wichtige Standbeine dar, um Erasmus stärker in das Hankensbütteler Schulleben zu integrieren.

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