Ehemaliger Gasthof Heine in Steinhorst wird ausgeräumt / Ära seit 1897 damit nun endgültig vorbei

Ende für Mittelpunkt des Dorflebens

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Nachdem der ehemalige Gasthof Heine in Steinhorst rund zwei Jahre lang leer stand, wird nun das Gaststätteninventar ausgeräumt. Damit endet dessen mehr als 100-jährige Geschichte in Familienbesitz, die das gesellschaftliche Leben sehr stark prägte. 

Steinhorst. Die Musik bleibt still, der Zapfhahn trocken und der Saal leer: Seit zwei Jahren ist der ehemalige Gasthof Heine in Steinhorst – seit 1897 bis auf eine Zwischenphase im Familienbesitz betrieben – als Treffpunkt weggefallen. Ende 2015 wurde er geschlossen.

Voller Saal im Gasthof bei der 60-Jahr-Feier der Landjugend Steinhorst im März 2016.

Für den Jubiläumsball der Landjugend Steinhorst zu deren 60. Geburtstag waren die Pforten im März 2016 noch einmal aufgeschlossen worden. Mehr als 100 Jahre prägte der Gasthof das gesellschaftliche Leben der Gemeinde. Insbesondere für die Landjugend war er ein wichtiger Treffpunkt.

Die neue Eigentümerin (ab 1. Februar) wird im ehemaligen Gasthof Wohnungen für den Eigenbedarf ausbauen. Daher wird nun das Gaststätteninventar ausgeräumt und in den nächsten Wochen öffentlich veräußert.

Die Nocheigentümer Adelheid und Dieter Schwirtlich zeigen sich im IK-Gespräch erleichtert, dass sie eine Käuferin für das große Gebäude gefunden haben, das weiter beheizt und unterhalten werden musste. Sie sind aber auch gleichzeitig wehmütig, dass die Zeit des Gasthofes nun endgültig vorbei ist. Dieser war 1897 von Dieter Schwirtlichs Großvater Heinrich Heine begründet worden. Auch die Konzession wurde damals schon vergeben. Bis in die heutige Zeit blieb der Name Gasthof Heine erhalten.

Der Gasthof war immer in Familienbesitz. Lediglich von 1932 bis 1954 war er an Hermann Zuche verpachtet, der nebenan auch noch ein Kolonialwarengeschäft betrieb. 1954 übernahm Lieselotte Wehner als älteste Tochter von Heinrich Heine bis zu ihrem Tod den Gasthof ihres Vaters. Es handelte sich um einen Erbhof, den Dieter Schwirtlich dann übernahm. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Adelheid betrieb er den Gasthof an den Wochenende und in den Semesterferien neben dem Studium. Zunehmend wuchs jedoch sein Bruder Claus als gelernter Großhandelskaufmann in diese Aufgabe hinein: Er betrieb den Gasthof von 1993 bis 2016. Dieter Schwirtlichs Mutter Erika und seine Tante Hanna als Köchin waren die Seelen des Hauses. Seit die Türen des Betriebes sich Ende 2015 geschlossen hätten, käme bei vielen Bürger immer wieder Wehmut auf, berichtet Dieter Schwirtlich. Die Leute würden die Schließung bedauern. So mancher von ihnen sei in den Zimmern auch gezeugt worden, bekamen die Schwirtlichs in Erzählungen immer wieder zu hören.

1997 wurde das 100-jährige Bestehen des Gasthofes groß gefeiert. „Da war der Niedergang schon voll im Gange“, sagt Dieter Schwirtlich. Die Probleme der Landgastronomie, die überall in Niedersachsen und Deutschland insgesamt zu beobachten sind, hätten auch in Steinhorst mit hineingespielt. „Früher war der Gasthof der Mittelpunkt, hier traf man sich“, sagt Schwirtlich. Das galt für alle Vereine – ob der Sportverein mit allen Abteilungen, der Gesangverein, der Frauenverein oder die Landjugend. Letztere mit ihren Veranstaltungen oder auch Lesungen füllten den Saal mit der Bühne (früher auch mit Kegelbahn). Auch im Zusammenspiel mit dem Erich-Weniger-Haus wurde viel auf die Beine gestellt. „Wir hatten drei Jagdpächter im Ort. Wenn sie Jagdfeste veranstalteten, kamen die wichtigen Leute hierher“, schildert Schwirtlich. Teils seien hochrangige Besucher per Hubschrauber eingeflogen worden. Sepp Herberger sei mal für einen Tag da gewesen, habe aber nicht im Gasthof übernachtet.

Die Bedeutung des Gasthofes als Kommunikationszentrum nahm in den vergangenen 10, 15 Jahren aber immer weiter ab, so Schwirtlich. Die Leute würden sich nicht mehr so gern in Kneipen austauschen wie früher und sie seien zudem viel mobiler. Es gebe somit ein verändertes Freizeitverhalten. „Der Sargnagel war aus meiner Sicht die Schattengastronomie“, so Schwirtlich. Eigene Vereinsheime und Dorfgemeinschaftshäuser wurden zur Konkurrenz.

Früher habe es noch kurze Trainingslager von Eintracht Braunschweig in Steinhorst gegeben, betont Schwirtlich. Auch die Deckstation des Cellers Landgestüts sei für vier, fünf Monate im Jahr vor Ort gewesen. Landwirte hätten sich zu diesem Zeitpunkt gleich für mehrere Tage im Gasthof einquartiert. Ein tiefer Einschnitt angesichts vieler Stammgäste aus Berlin sei auch die Grenzöffnung gewesen.

Von Paul Gerlach

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