Dedelstorf: Vor 25 Jahren wurde das Panzerartilleriebataillon 335 aufgelöst – zwei ehemalige Soldaten blicken zurück

„Es war eine wilde Zeit damals“

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Bei Übungen oder Schießen wurden besondere Anforderungen an jeden einzelnen Mann und das Material gestellt.

Dedelstorf. „Es war eine wilde Zeit damals. Auflösung oder keine Auflösung? Es ging hin und her, das war schrecklich“, bringt es Werner Martens vom Vorstand der Traditionsgemeinschaft Standort Dedelstorf auf den Punkt.

Tageweise habe es andere Wasserstandsmeldungen gegeben. Vor 25 Jahren wurde das Panzerartilleriebataillon 335 dann doch endgültig aufgelöst.

Zunächst war im August 1991 noch die „verbindliche“ Standortzusage für Dedelstorf gekommen. Aber am 15.  Dezember 1992 wurde überraschend das Aus für das Bataillon und damit für den Standort verkündet. Der Außerdienststellungsappell erfolgte am 25.  März 1994.

Die Gründungsurkunde der Traditionsgemeinschaft vom 16. November 1993.

Aufgestellt worden war die Einheit am 1. Juli 1962. Von vielen Verbänden und Einheiten aus dem Raum Hannover/Braunschweig/Hildesheim wurden Offiziere und Unteroffiziere abgestellt, die den Auftrag erhielten, die in den folgenden Monaten zu erwartenden Rekruten auszubilden und zu einem geschlossenen Ganzen zu formen. Die „trocken“ geübten Fertigkeiten im scharfen Schuss sollten das Feuer genau dorthin bringen, wohin es der Beobachter haben wollte.

„Die Bedrohung war direkt vor der Haustür“, sagt Martens über die Zeit des Kalten Krieges. Wenn man von Hankensbüttel nach Schweimke gefahren sei, habe man den Aufklärungsturm bei Barwedel sehen können. „Von dort aus wurde die gesamte norddeutsche Tiefebene überwacht.“ Hinter Dähre hätten „riesige Radaranlagen“ gestanden, um die Atlantikküste zu überwachen. Wenn man in die Nähe der Grenze kam, habe man Namensschilder und Kfz-Kennzeichen abgehängt. „Denn dann sind auf der anderen Seite Hundertschaften mit Fotoapparaten angerückt. Die haben ganze Archive mit Akten über uns gehabt.“ In den ersten Jahren habe man auch nicht in Uniform an die Grenze herangedurft.

In der fast 33-jährigen Geschichte des Bataillons wurden tausende Grundwehrdienstleistende zu Artilleristen ausgebildet und hunderte von Unteroffizieren, Feldwebeln, Offizieranwärtern sowie Offizieren zu Führungskräften herangebildet.

Werner Martens (l.) und Bernd Frahm vom Vorstand der Traditionsgemeinschaft Standort Dedelstorf vor dem Kasernen-Modell.

Eine Einsatzbereitschaft ganz anderer Art wurde dem Bataillon bei der Waldbrandkatastrophe im August 1975 abverlangt. Für die Leistungen im Einsatz in Repke, Starkshorn, Marinesiedlung (nordwestlich von Eschede) sowie in Stüde, Bokel und Sprakensehl wurden alle beteiligten Soldaten besonders ausgezeichnet. Auch bei der Schneekatastrophe im Januar 1979 helfen die Soldaten in der Samtgemeinde Hankensbüttel aus.

1962 verfügte der Bataillonskommandeur über knapp 400 Soldaten und zwölf Geschütze. 15 Jahre später waren es über 500 Soldaten und über 18 Geschütze sowie fast 180 Kraftfahrzeuge. Im Kriegsfall wären es mit den aktivierten Reservisten gut 600 Soldaten gewesen.

Die Soldaten in Dedelstorf sicherten auch viele Arbeitsplätze: 1977 gehörten 70 Zivilpersonen zur Truppenverwaltung, 45 Mitarbeiter zählte die Bezirksverwaltung. In der Verpflegungsgruppe wurden monatlich für 35 000 Mark Lebensmittel verarbeitet, die Aufträge dafür verblieben nahezu komplett in Niedersachsen. Zur Unterhaltung der Gebäude wurden jährlich 800  000 Mark benötigt, enorme Summen wurden für Bauarbeiten ausgegeben, die Aufträge gingen hauptsächlich an Firmen aus dem Kreis. Die ehemalige Kaserne war somit auch ein erheblicher Wirtschaftsfaktor.

Das Bataillon hat sich immer der Bevölkerung zugehörig gefühlt. „Es war eine super Kaserne. Die Verbundenheit war toll“, sagt der Vorsitzende der Traditionsgemeinschaft, Bernd Frahm. Durch die Bevölkerung habe es einen Rückhalt gegeben, so Martens. Der Zusammenhalt sei groß gewesen. „Die Kaserne war ein Juwel. Es war ein guter Standort, wir waren wie eine Familie“, hält Frahm fest.

Von Paul Gerlach

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