Population dürfte aufgrund des reichlich gedeckten Tisches anwachsen / Neue Eichenbestände auf Sturmflächen

Eicheln im Überfluss: Schwarzwild freut’s

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Mit der riesigen Menge an Eicheln in diesem Jahr fühlen sich die Wildschweine im Oerreler Wildgehege sichtlich sauwohl. 

Samtgemeinde Hankensbüttel/Landkreis Gifhorn. Auffallend viele Eicheln prasseln derzeit von den Bäumen herunter. Dieser Eindruck täuscht nicht, sagen Experten aus dem Isenhagener Land.

Selbstverständlich nicht nur hier, sondern in ganz Deutschland herrscht eine so genannte Vollmast, die nur alle paar Jahre auftritt. Dies bedeutet, dass in diesem Jahr quasi alle Eichenbäume Eicheln tragen.

In diesem Jahr sind besonders viele Eicheln von den Bäumen gefallen. 

„Die Eichelmast ist gewaltig“, sagt Albert Meyer aus Oerrel. Er betreibt das dortige Wildgehege mit Wildschweinen sowie Rot- und Muffelwild. Besonders die Größe der Nussfrüchte sei in diesem Jahr beeindruckend. Meyer, der viele Jahrzehnte als Jäger aktiv war, weiß: „Die Wildschweine sind in den Wäldern jetzt schwerer zu bejagen. Wegen der vielen Eicheln kommen sie nicht an die Kirrung.“ Als Kirrung bezeichnet man eine Stelle, an der regelmäßig Lockfutter ausgebracht wird, um die Tiere anzulocken und zu bejagen.

„Wir haben wegen der langen Trockenheit im Sommer eine gute Eichelmast“, bestätigt auch Thomas Reuter, Sprecher der Gifhorner Jägerschaft. Die Bäume würden derzeit viele Eicheln und auch Laub abwerfen. Die Bauernregel, dass sich damit ein harter Winter ankündige, stimme aber nicht. Aufgrund der „hervorragenden Nahrungsbedingungen“ erwartet Reuter einen „moderaten Anstieg“ bei der Wildschwein-Population. Die Tiere würden sehr wahrscheinlich gut über den Winter kommen, die Überlebensrate entsprechend höher liegen. Jedoch sorge Mutter Natur für eine Regulierung. Die Afrikanische Schweinepest sei ohnehin momentan – wenn auch noch außerhalb der deutschen Grenzen – ein Thema. Eine hohe Population führe eben zu mehr Seuchen und außerdem zu vielen Wildunfällen, wodurch mehr Tiere zu Tode kommen. Zudem würde der Wolf die Jungtiere jagen.

„Solche Jahre gibt es immer wieder“, sagt Reuter. Die Jäger könnten durch die Bejagung der Wildschweine eher Nadelstiche setzen. Gleichwohl sei die Bejagung erforderlich und die Pflicht der Jäger.

Für die Landesforsten und die privaten Waldbesitzer sind die vielen Eicheln eine gute Chance. Sie können nach den Stürmen „Xavier“, „Herwart“ und „Friederike“ die freigewordenen Flächen jetzt zu einem gewissen Teil auf den besseren Böden mit Eichen bepflanzen.

Dafür werden die Nussfrüchte „in den anerkannten Saatgutbeständen gesammelt“, wie Eckhard Klasen, Leiter des Forstamtes Südostniedersachsen, erläutert. Nur alle drei bis fünf Jahre komme es zu einer Vollmast, betont Knut Sierk, Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten. Es gebe einen zeitlichen Versatz: Die jetzt gesammelten Eicheln seien als Sämlinge frühestens im Herbst 2019 zum Einpflanzen bereit. Auch das Säen von Eicheln könne jetzt eine kurzfristig machbare, wenn auch verschwenderische Option werden, vermutet er. Denn dafür seien im Vergleich zum Einpflanzen deutlich mehr Eicheln nötig.

Von Paul Gerlach

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