Antrieb bis zuletzt mit Wasserkraft

Ehemalige Bottendorfer Mühle dient heute als Wohnhaus

Die ehemalige Bottendorfer Mühle, die heute ausschließlich als Wohnhaus dient: Auf der rechten Seite des Gebäudes befinden sich eine kleine Laderampe und eine Rolltür. Dort konnten die Mahlgäste ihr Getreide abliefern und das Schrot oder Mehl wieder abholen.
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Die ehemalige Bottendorfer Mühle, die heute ausschließlich als Wohnhaus dient: Auf der rechten Seite des Gebäudes befinden sich eine kleine Laderampe und eine Rolltür. Dort konnten die Mahlgäste ihr Getreide abliefern und das Schrot oder Mehl wieder abholen.

Bottendorf – Vergessene Mühlen im Gifhorner Nordkreis: Kultur- und Landschaftsführer Karsten Hildebrandt aus Emmen zeichnet in einer IK-Serie in loser Reihenfolge ihre Geschichte nach. Nun ist die ehemalige Bottendorfer Wassermühle an der Reihe.

Erstmalig wurde sie in einem Kaufvertrag von 1354 erwähnt, in dem die Mühle ans Isenhagener Kloster verkauft wurde.

Später tauchte in den alten Urkunden auch das Adelsgeschlecht Gose als Besitzer auf. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts soll die Mühle weiter unten auf der heutigen Mühlenwiese gestanden haben. Das alte Haus, das 1843 abgebrochen wurde, trug auf dem Balken die Jahreszahl 1670. Das danach gebaute Gebäude ist der heutige Bestand. Im 19. Jahrhundert war die Mühle im Besitz von Heinrich Dammann aus Schweimke, Friedrich Pesel aus Bottendorf und dann von dessem Schwiegersohn Otto Heiberg.

In der Mühle befand sich ein Mahl- und ein Schrotgang, der Antrieb erfolgte bis zuletzt mit Wasserkraft. 1957 wurde sie außer Betrieb genommen. Von den Gerätschaften und dem Inventar ist nichts mehr vorhanden. Seit 1974 gehört sie der Familie von Bismarck, die das Wohngebäude als Zweitwohnsitz unterhält und außerdem eine kleine Pferdezucht betreibt. Heute noch ist der Mühlenteich westlich des Wohnhauses vorhanden. Auch das Fundament für das nicht mehr betriebene, ehemals wahrscheinlich oberschlächtige Wasserrad ist noch gut zu erkennen. Ansonsten ist von der Mühle nichts mehr übrig.

Zur Mühle gibt es eine besondere Geschichte aus der Schweimker Dorfchronik: Der Besitzer Köthe hatte im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 eine Kriegskasse gestohlen. Das Kriegsvolk – wahrscheinlich französische Truppen – hatte in Schweimke Quartier gehabt. Während der Nacht nutzte der Gauner die Gelegenheit, beim Schlummern der Wache eine Tonne Geld wegzunehmen. Der Diebstahl wurde von der Wache bemerkt und der Dieb verfolgt. Er wäre auf jeden Fall gefasst worden, wenn die Soldaten nicht durch herannahende feindliche Truppen bedroht worden wären und daher seine Verfolgung abbrechen mussten. Köthe kaufte vom gestohlenen Geld die „Lütje Mühle“ bei Knesebeck. Wahrscheinlich hat der diebische Müller den Rest der Beute auf seinem Grundstück vergraben: 1855/56 fand man dort an verschiedenen Stellen hauptsächlich Hannoversche und Braunschweiger Gulden.

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