Otter-Zentrum Hankensbüttel startet in seine 25. Saison / Neujahrsempfang mit Rückblick auf wechselvolle Geschichte

Aus dunklen Zeiten in glänzende Zukunft

Hankensbüttel. „Es dauert heute ein bisschen länger. “ Claudia Gorille, Präsidiumsmitglied der Aktion Fischotterschutz, stimmte die mehr als 80 Gäste am Samstagvormittag im Seminarraum des Otter-Zentrums auf einen besonderen Neujahrsempfang ein.

Denn die Hankensbütteler Naturerlebnis-Einrichtung wird dieses Jahr 25 Jahre alt – da gibt es schon mal ein wenig mehr zu erzählen.

Das Otter-Zentrum ist ein Besuchermagnet. In 25 Jahren wurden bereits rund zwei Millionen Gäste gezählt.

Und es gab am Sonnabend zudem ein hochaktuelles Thema: Gerade erst hatte die Aktion Fischotterschutz einen juristischen Erfolg errungen – mit ihrer Klage gegen Reusenfischerei am Steinhuder Meer, eine Praxis, die den geschützten Fischotter gefährdet. Gorille lobte das Engagement der Hankensbütteler Naturschützer in dieser Sache: „Anerkennung und Respekt, dass Sie das geschafft haben. Die Klage zeigt, wie ernst Sie Ihre Aufgaben nehmen.“ Der Vorstandsvorsitzende der Aktion Fischotterschutz, Mark Ehlers, ging später noch auf die gerichtliche Auseinandersetzung ein: Man habe viele Jahre lang versucht, das Problem einvernehmlich zu lösen, aber: „Die Fischerei hat sich gesperrt, die Reusen für Otter sicher zu gestalten.“ Zu der Angelegenheit äußerte sich auch der Landtagsabgeordnete Detlef Tanke, Anwärter der SPD auf den Posten des Umweltministers: Er stellte in Aussicht, dass mit der neuen Landesregierung derartige Probleme „vielleicht etwas einfacher zu lösen“ seien.

Dr. Peter Mank

Im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs stand dann aber nicht die aktuelle Umweltpolitik, sondern ein Blick auf 25 Jahre Otter-Zentrum. So lange soll das schon wieder her sein, wird sich mancher im Saal gefragt haben – doch andererseits: Die am Sonnabend gezeigten Fotos vom einstigen Haus des Gastes mit seinem Parkdeck wirkten schon ein wenig wie aus einer ganz anderen Zeit. Die Führung durch das Vierteljahrhundert Naturschutz am Isenhagener See übernahm Dr. Peter Mank, Vizepräsident der Aktion Fischotterschutz. Natürlich begann seine Geschichte bei Claus Reuther, dem charismatischen Begründer des Otter-Zentrums, der schon Ende der 70er Jahre im Harz Otterforschung betrieben hatte. Als die Forstverwaltung ihrem Angestellten die Gelder dafür strich, musste ein neuer Rahmen für diese Arbeit gefunden werden. Mank, schon in den 80er Jahren der 1979 gegründeten Aktion Fischotterschutz verbunden, erinnerte sich, Reuther damals den Rat gegeben zu haben: „Mach Dich selbstständig.“

Das tat der Forstingenieur dann auch, indem er zur treibenden Kraft bei der Gründung des Otter-Zentrums wurde. Die Standortsuche führte nach Hankensbüttel – hier, so Mank, habe man politische Unterstützung gefunden.

Das Haus des Gastes, ein von Pächterwechseln geplagter gastronomischer Klotz am Bein der Gemeinde Hankensbüttel, fand so eine ganz neue Verwendung. Der Umbau begann am 5. Juli 1987, die feierliche Eröffnung des Otter-Zentrums erfolgte am 16. Mai 1988. Die Erwartungen der Aktion Fischotterschutz mit Blick auf die Besucherzahlen seien weit übertroffen worden, so Mank: Mit 10 000 Gästen pro Jahr habe man kalkuliert, über 600 000 seien es nach den ersten fünfeinhalb Jahren gewesen.

Doch dann kam auch schon bald die dunkelste Stunde in der Geschichte der Einrichtung: Am 2. Dezember 1993 brannte das Verwaltungsgebäude lichterloh. Geschäftsführer Reuther geriet ins Visier der Ermittler („SOKO Otter“) und sah sich dem Vorwurf der Brandstiftung ausgesetzt. Mank zeigte wenig Verständnis für die damalige Stoßrichtung der Kripo: „Es gab keine Zahlungsschwierigkeiten, die ein Motiv ergeben hätten.“

Die Gästezahlen brachen um 50 Prozent ein, die Versicherungen zahlten nicht, und im April 1994 stand die Einrichtung vor dem Aus. Was dann kam, bezeichnet Mank noch heute als „Wunder“: Über Förderer kamen 250 000 Euro zusammen, die Aktion Fischotterschutz kam an Darlehen heran, und ein Jahr nach dem Brand begann der Wiederaufbau. 1995 dann die Wiedereröffnung mit neuem Verwaltungsgebäude. Und erst Ende des Jahres, zwei Jahre nach dem Brand, wurde auch Reuther endlich rehabilitiert: Das Gericht sprach den damals 45-Jährigen von allen Vorwürfen frei. Nun floss auch das Geld der Versicherung, und die Darlehen konnten beglichen werden.

Ein weiterer Schock für das Otter-Zentrum kam am 29. Dezember 2004: Claus Reuther verstarb völlig überraschend. „Er ist andere Wege gegangen, er war unbequem, er polarisierte“, charakterisierte Mank den Wegbereiter der „etwas anderen Art des Naturschutzes“. Sein Konzept, Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu zeigen, sei heute Standard und könne auch im Zoo Hannover beobachtet werden. Ohne institutionelle Förderung habe Reuther es geschafft, in Hankensbüttel über 50 Arbeitsplätze im Naturschutz zu schaffen.

Mank lobte auch die Arbeit der heutigen Führungsmannschaft – des Vorsitzenden Mark Ehlers, seines Stellvertreters Dr. Oskar Kölsch und des Finanzvorstandes Enno Hieronimus. „Die Bilanz seit 2004 kann sich sehen lassen“, viel Neues sei geschaffen worden.

In den 25 Jahren seien rund zwei Millionen Besucher registriert worden, bilanzierte Mank. Die Aktion Fischotterschutz habe seit ihrer Gründung mehr als 100 Millionen Euro bewegt. 54 Mitarbeiter, inklusive Saisonkräften und FÖJlern, habe das Otter-Zentrum heute. Finanzielles Rückgrat der Einrichtung ist die Otter-Stiftung, die aktuell ein Stiftungsvermögen von 174 000 Euro aufweist.

Von Holger Boden

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