Steinhorster Bauausschuss muss bei möglichen Kosten von weit über 400 000 Euro für Sanierung des Freibades schlucken

„Diese Summen sind utopisch“

+
Das Steinhorster Freibad verliert jeden Tag eine Menge Wasser: Doch eine Sanierung übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde bei weitem.

Steinhorst. Wie soll es mit dem Steinhorster Freibad weitergehen? Diese Frage stand bei der Sitzung des Steinhorster Bauausschusses am Montagabend im Fokus.

Wilhelm Schmitt vom Uelzener Planungsbüro Wilhelm Schmitt (IBWS) stellte seine Bestandsbewertung und das erste Sanierungskonzept vor.

Als einen der Hauptmängel machte Schmitt den Beckenboden aus Beton aus. Dieser sei undicht: An den Nähten gehe Wasser verloren. Zudem werde das Wasser am Boden am einen Beckenrand eingesaugt und am anderen Rand herausgespült: Hierbei handele es sich um eine Durchspülung, die nach der neuesten DIN-Norm nicht mehr erlaubt sei. „Stattdessen muss das Wasser über eine Rinne abgeführt werden. Dafür benötigt man einen Schwallwassertank, der unterirdisch positioniert wird, aus Beton ist und 40 Kubikmeter Wasser fasst“, sagte Schmitt.

Viel Wasser geht seinen Angaben zufolge zudem durch einen Totalschaden im Schacht verloren. Bei einem Verlust von zwölf Zentimetern an Wasserhöhe pro Tag geht Schmitt von täglich bis zu 50 Kubikmetern aus. „Rohrleitung, Becken oder Technik: Alles ist abgängig“, sagt Schmitt. Die Materialkosten für den Tank veranschlagt er mit rund 12 500 Euro. Der Tank müsse beschichtet werden und über eine Niveauregelung verfügen. Inklusive der Erdarbeiten rechnet Schmitt mit Gesamtkosten für den Tank von 25 400 Euro.

Eine neue Rohrleitung kostet laut Schmitt inklusive der Erdarbeiten rund 16 000 Euro. Die Einströmung mit Erdarbeiten veranschlagt Schmitt auf 7500 Euro. Die Kosten für das eigentliche Becken kämen noch dazu: Eine Kostenschätzung hierfür müsste laut Schmitt ein Architekt vornehmen.

Mit bloßer Instandhaltung sind laut Schmitt die Probleme mit dem Bad nicht zu regeln. Aus seiner Sicht sei eine umfangreiche Sanierung erforderlich – mit neuer Rinne mit entsprechenden Abflüssen und einem Schwellwassertank. „Gelten die DIN-Normen nur beim Neubau von Bädern oder auch bei den alten?“, fragte Jutta Rißmann (SPD) nach. „Die neue DIN greift auch bei einer Sanierung sofort“, antwortete Schmitt. Es gebe noch die Möglichkeit, eine Folie ins Becken zu legen. Da der Beton jedoch rau und spitz sei, würde die Folie sehr schnell kaputt gehen. „Wäre eine Flüssigbeschichtung für den Boden denkbar?“, fragte Detlef Dehning (CDU). „Dafür müsste der Beton komplett aufgearbeitet werden“, so die Antwort von Schmitt.

Die komplette Erneuerung der Technik auf den heute erforderlichen Standard, so heißt es seitens der Verwaltung auf IK-Anfrage, werde – insbesondere wegen der Gesundheits- und Hygienevorschriften – vom Büro Schmitt in einer ersten groben Kostenschätzung auf 400 000 Euro geschätzt. Hierin sei die ebenfalls erforderliche Sanierung der Betonwanne noch nicht enthalten.

„Die benötigte Summe ist utopisch hoch“, sagte Klaus-Hinrich Singer (CDU). „Ist das Ansaugen am Beckenboden zulässig? Kann jemand eingesogen werden?“ Nein, dem sei nicht so, entgegnete Schmitt. „Wie teuer wäre es, nur die Rohre zu erneuern?“, fragte Singer nach. „Dann könnte man das alte Rohr abklemmen und verfüllen.“ Damit würde es sich um eine Reparatur und nicht um eine Sanierung handeln, sagte Schmitt, der empfahl, sich bei dieser Vorgehensweise mit dem Gesundheitsamt abzustimmen. Die Kosten für diese Herangehensweise schätzt Schmitt auf etwa 7000 Euro. Die Gemeinde könne nicht 500 000 Euro oder auch nur 100000 Euro in die Hand nehmen für ein Bad in einem 1400-Einwohner-Ort, das es in einigen Jahren ohnehin vielleicht nicht mehr gebe, war in der Sitzung zu hören. „Kann man die Sanierung nicht vielleicht doch in kleinen Schritten angehen?“, merkte Markus Holz (CDU) an. „Selbst wenn wir das scheibchenweise machen: Wer sagt uns, dass in den nächsten Jahren nicht wieder die Vorschriften hochgeschraubt werden?“, sagte Jörg Frischmuth (SPD). Dann werde eine Menge Geld verbuddelt. Bis zur nächsten Bauausschusssitzung soll Schmitt konkrete Zahlen für die von Singer vorgeschlagene Variante vorlegen.

Von Paul Gerlach

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare