Millimeterarbeit an 250 Punkten

Deutschlands Neuvermessung - auch mit Sprakensehler Daten

Am Sprakensehler Ortseingang läuft bis zum heutigen Samstag noch eine 24-Stunden-Messung.
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Am Sprakensehler Ortseingang läuft bis zum heutigen Samstag noch eine 24-Stunden-Messung.
  • Paul Gerlach
    VonPaul Gerlach
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Sprakensehl/Hannover – Am Ende stehen hochgenaue Koordinaten in geographischer Breite, Länge und Höhe, die ganz neue Erkenntnisse für Forschung und Praxis verschiedenster Themengebiete liefern werden. Doch der Weg bis dahin ist wortwörtlich weit: Ganz Deutschland wird aktuell in 3D neu vermessen – und die Daten dafür werden unter anderem in Sprakensehl erhoben.

Punkt 12 Uhr ging am gestrigen Freitag, 11. Juni, dort die 24-Stunden-Messung am Ortseingang los – mit Spitzentechnik, die von einem dreiköpfigen Messtrupp aus Bremen betreut wird. Nur bei einem Gewitter müssten die Geräte in Sicherheit gebracht werden, ansonsten wird ohne Pause gemessen. Neben ihnen sind noch 34 weitere, hochmodern ausgerüsteten Vermessungstrupps seit dem 7. Juni und noch bis zum 15. Juli in der gesamten Bundesrepublik unterwegs. Gemessen wird an 250 Punkten, darunter Sprakensehl, erläutert André Sieland, Projektleiter der niedersächsischen Kampagne. Da mehrfach von verschiedenen Trupps gemessen wird, sind es am Ende knapp 600 Einzelmessungen. 2008 waren dort erstmalig Messdaten erhoben worden, nun wird mit einem Jahr Verspätung 13 Jahre danach unter gleichen Bedingungen die Messung wiederholt – somit wird man die Daten in zwei Jahren nach der Auswertung direkt miteinander vergleichen können. Damals wie heute geht es um Messungen, die auf ein, zwei Millimeter genau sind – die Größe eines Senfkornes. Das gebe es in anderen Ländern so in dieser Form, Präzision und Ausmaß sicherlich nicht, vermutet Sieland.

Dazu entsenden die Landesvermessungsämter und das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie Messtrupps in das gesamte Bundesgebiet, von der Küste bis zu den Alpen. Mit Hilfe von Satelliten wird – teilweise auch während der Nacht – vermessen. Dabei werden drei Satellitennavigationssysteme gleichzeitig genutzt (das amerikanische GPS, das russische GLONASS und das europäische Galileo). Allein die Vorbereitungen haben vier Jahre in Anspruch genommen.

Sieland gab am gestrigen Freitag, 11. Juni, im IK-Gespräch schon mal erste Hinweise, was am Ende bei der Auswertung ins Auge springen könnte. Denn bereits in 2012 waren Höhenmessungen abgeschlossen worden. Da jetzt erneut die Höhe gemessen wird, kann man erste Vergleiche anstellen. Vermutlich ist es laut Sieland so, dass sich die Nordsee absenkt und die Ostsee sich erhebt. „Das sind noch Auswirkungen der Eiszeit“, sagt er. Auch in Bayern gebe es Hebungen.

Die aktuelle Messung soll in spätestens zwölf Jahren dann ein drittes Mal vorgenommen werden. „Dann kann man eindeutig Trends erkennen“, sagt Sieland.

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