Hankensbüttel: Kartoffelernte auf Hochtouren / Beim Roden darf’s nicht zu kalt sein

Damit es keine blauen Flecken gibt

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IKEG-Geschäftsführer Gerhard Müller in der fast gefüllten Halle, in der alljährlich der Kartoffeltag gefeiert wird. Rund 6000 Tonnen Kartoffeln können hier gelagert werden.

Hankensbüttel. Bereits 33 000 Tonnen Kartoffeln sind eingelagert, wenn alle Knollen gerodet sind, werden es rund 80 000 Tonnen sein, die Landwirte aus der Region an die Industriekartoffel-Erzeugergemeinschaft (IKEGO) im Hankensbütteler Industriegebiet geliefert haben.

Bisher sind etwas mehr als 50 Prozent der Kartoffeln gerodet, die für die Chips-Herstellung produziert werden, sagt IKEGO-Geschäftsführer Gerhard Müller im IK-Gespräch. 20 000 Tonnen Kartoffeln werden direkt vermarktet, die anderen 60 000 Tonnen werden in den elf Hallen mit einer Fläche von 18 000 Quadratmetern auf dem Gelände des Kartoffelvermarkters eingelagert. Das Kerngeschäft für die IKEGO, so Müller, sei die Belieferung von Lorenz Snack World, einer der großen Kartoffelchips-Produzenten. Die Lieferwege sind sehr kurz, denn das Chips-Werk liegt gleich neben dem rund 40 000 Quadratmeter großen Gelände.

Wenn das Wetter so gut bleibt wie in den vergangenen Wochen, geht Müller davon aus, dass die Kartoffelernte Ende September, Anfang Oktober abgeschlossen ist. Das Wetter sei zwar sehr gut, morgens aber fast schon zu kalt zum Roden. Mindestens zehn Grad sollten es sein, macht Müller deutlich. Die speziell für die Chipsherstellung gezüchteten Kartoffeln seien bei den niedrigen Temperaturen sehr stoßempfindlich, würden sich dann blau und schwarz verfärben, wie bei einem Bluterguss. Da Chips geschnittene Kartoffeln seien, würden man die Stellen sehen.

120 Landwirte aus der Region beliefern die IKEGO. Etwa 90 Prozent kommen aus dem Landkreis Gifhorn, die restlichen zehn Prozent aus den angrenzenden Landkreisen Uelzen, Salzwedel und Celle. Als IKEGO-Vertragspartner bauen sie Kartoffeln auf einer Fläche von rund 1900 Hektar an.

Sorgen bereitet Geschäftsführer Müller der Strukturwandel in der Landwirtschaft. Es gebe immer weniger Landwirte, die immer größere Flächen bewirtschaften würden. Das treffe auch die IKEGO. Wurden die Kartoffelvermarkter 1989 von 255 Landwirten beliefert, sind es in diesem Jahr nur noch 120. Obwohl es weniger Landwirte sind, haben sich die Flächen von 1400 auf 1900 Hektar erhöht. Der Ertrag ist in der gleichen Zeit von 55 000 auf 80 000 Tonnen gestiegen.

Derzeit gibt es für Landwirte gute Perspektiven: die Getreidepreise sind hoch und die Biogasanlagen würden viel Mais brauchen. Deshalb müsse die Wirtschaftlichkeit des Kartoffelanbaus erhalten bleiben, mahnt der Geschäftsführer und versichert, dass die Erzeugergemeinschaft dafür kämpfe. Derzeit bekommen die Landwirte durchschnittlich 100 Euro pro Tonne für die Chipskartoffeln. Wer gute Qualität produziert, kann Zuschläge erhalten.

„Die Qualität der Kartoffel in diesem Jahr ist gut“, unterstreicht Müller. Die Kartoffeln hätten eine gleichmäßige Größe, was für die Chipsproduktion wichtig sei. Auch die Trockensubstanzgehalte seien optimal. Eine Kartoffel enthält Wasser und Stärke. Um so mehr Stärke in der Kartoffel, um so weniger Wasser müsse herausgetrocknet werden, erklärt Müller. Bei der Hauptsorte Verdi betrage der Wassergehalt in diesem Jahr 18,3 Prozent, im vergangenen Jahr waren es 18 Prozent. Das seien gute Werte.

Die Anlieferung durch die Landwirte, die eine logistische Herausforderung sei, klappe gut. So wurden beispielsweise am vergangenen Montag 170 landwirtschaftliche Züge mit einer durchschnittlichen Liefermenge von 25 Tonnen abgefertigt.

Die IKEGO hat derzeit sechs Mitarbeiter und Verlesepersonal, das je nach Bedarf eingesetzt wird. Für die Einlagerungszeit sind 20 Aushilfskräfte, unter anderem Schüler und Studenten, im Zweischichtbetrieb im Einsatz.

Von Walter Manicke

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