Einbahnstraße, Pfeile und Flatterband

Corona stellt Schulleben am Hankensbütteler Gymnasium auf den Kopf

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Lehrer- statt Nachtisch: Die Mensa des Hankensbütteler Gymnasiums wurde zum Lehrerzimmer umfunktioniert. Jeder Lehrer hat seinen eigenen Platz.

Hankensbüttel – Die Corona-Pandemie und die damit verbunden Sicherheitsregeln stellen am Hankensbütteler Gymnasium, wie auch an den anderen Schulen im Landkreis, das Schulleben auf den Kopf.

Ständig muss etwas nachjustiert werden, erläutert Schulleiterin Cornelia Röhrkasten im IK-Gespräch.

So wurde es zum Beispiel schwierig, die Aufsichten für die Schüler auf stabile Beine zu stellen. „Wir haben jetzt ein neues System entwickelt“, sagt Röhrkasten. Mindestens einmal in der Woche sollen nun Lehrer – die das Homeschooling (digitaler Hausunterricht) übernommen haben oder Fächer wie Sport und AGs unterrichten, die derzeit nicht stattfinden können – eine feste Vertretung antreten. „Wir haben versucht, es hinzubekommen, dass die Belastung für die Kollegen gleicher verteilt wird.“

In den zehn Schulgebäuden bewegen sich die Schüler, soweit es die Räumlichkeiten und engen Treppenhäuser zulassen, in einem Einbahnstraßensystem mit Pfeilen auf den Fußböden, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Das System hat sich laut Röhrkasten bewährt. In den Pausen gibt es sieben Bereiche, die je Platz für zwei Gruppen, also 20 bis 30 Personen, bieten. Bei Bedarf soll hierfür auch der Sportplatz genutzt werden. Durch die gestaffelte Pausenregelung darf jeder Schüler mindestens einmal am Tag nach draußen, den Rest der Zeit bleiben sie drinnen. Problematisch ist laut Röhrkasten noch, dass es an Reinigungskräften fehlt.

Als Raum für die Freistunden, wo sich die Schüler aufhalten können, wird ab nächster Woche die Sporthalle genutzt. „Wir müssen schauen, wie lange dies ausreicht, aber für eine Weile sollte das wohl funktionieren“, sagt Röhrkasten.

Ohnehin ist es so, dass die Klassen ab der nächsten Woche nur noch in ihrem eigenen Klassenraum unterrichtet werden, nicht mehr in den Fachräumen. Es sei schon abzusehen, dass es bei Fächern wie Religion, Werte und Normen oder auch Französisch dabei zu Problemen kommen werde.

Beim Blick voraus bleibt Röhrkasten weiterhin skeptisch – insbesondere, wenn der Zeitpunkt kommt, dass die Fünft- und Sechstklässler zurückkommen. „Wir sind in der Rolle des Laborhasen. Wir werden es ausprobieren.“

Auch die Unterrichtsvorbereitung, die mit Blick aufs nächste Schuljahr eigentlich schon längst hätte vorangetrieben werden müssen, steht derzeit in den Sternen. „Ich weiß nicht, wie es weitergeht“, sagt die Schulleiterin. Die Stellenbesetzung war bislang nicht erfolgreich, Röhrkasten wartet nun auf die Nachrückrunde.

Aktuell nehmen noch sechs Schüler die Notbetreuung in Anspruch. Generell wirkt durch die Corona-Regeln an der Schule aktuell „alles unwirklich“, sagt Röhrkasten. „Die Schüler sind auch nicht so offen und frei wie sonst. Das Thema beschäftigt sie.“ Ihren Kollegen gehe es da auch nicht anders: Von hyperängstlich bis zur „Mir-doch-egal“-Haltung sei alles vertreten.

Röhrkasten weist darauf hin, dass Schülern mit Problemen die Beratungslehrer und der Schulsozialarbeiter Oliver Schweitzer zur Verfügung stehen – ob bei Notfällen oder einfach nur zum Reden.

Die Schulleiterin berichtet, dass es in jeder Klasse einige wenige Schüler gebe, die aus unterschiedlichen Gründen noch zu Hause bleiben. Sie werden über Videokonferenzen mit im Unterricht dazugeschaltet, laut Röhrkasten hat sich ein Großteil des Kollegiums dazu bereiterklärt.

Was den digitalen Unterricht angehe, habe Corona die Schule zwei Schritte zu früh erwischt, man habe schnell quasi von Null auf Hundert hochgefahren, aber eben auch enorm dazugelernt, so Röhrkasten. „Jetzt sind wir an einem Punkt, wo wir sagen können: Hier und da gibt es Schwierigkeiten, aber im Grunde klappt es ganz gut und wir können damit umgehen.“

VON PAUL GERLACH

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