Hankensbütteler Uganda-Hilfe: Elisabeth Mwaka aus Wierstorf unterstützt den Aufbau von Schulen im Südsudan

Bücher und Bambushütte für Butiru

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Die Landschaft in Uganda ist idyllisch, aber die Bewohner sind sehr arm. Daher ist es wichtig, Schulen für die Menschen zu bauen.

Wierstorf/Butiru. Es gibt Neuigkeiten von der ehemaligen Wierstorferin Elisabeth Mwaka, die sich seit etwa 20 Jahren mit vielen Hilfsprojekten im afrikanischen Butiru in Uganda engagiert.

Berichtet sie sonst immer von den Fortschritten, die sie mit ihren Projekten in Uganda macht, erzählt sie dieses Mal von ihrer Reise in den Südsudan.

Gemeinsam mit Pastor Frank Butoto besuchte sie die Orte Juba, Gudele und Kuda in Central Equatoria im Südsudan. Warum sie ihre Reise ausgerechnet in dieses Land zog, erklärt die Geschichte des Sudan. Dieser teilt sich auf in Nord- und Südsudan. Im Nordsudan leben hauptsächlich Araber mit moslemischem Glauben, während im Süden vorwiegend schwarzafrikanische nilotische Stämme leben, von denen einige Christen sind und andere den alten Stammesglauben anhängen.

Die arabische Bevölkerung hat schon früh die Menschen im Südsudan unterdrückt und versklavt. Schließlich kam es 1948 zum Bürgerkrieg, als der Südsudan mit seinem Widerstand gegen den Norden begann. Mehr als 60 Jahre herrschte Kriegszustand, wobei etliche Südsudanesen flüchteten und ums Leben kamen.

Die heutige Bevölkerung des Südsudan sind Menschen, die unter sehr schweren Bedingungen leben, meist ohne jegliche Schulbildung, und die in ständiger Kriegs- und Flüchtlingssituation aufwachsen mussten.

Über die Jahre gab es natürlich auch viele Versuche, einen Frieden auszuhandeln. 2006 wurde dann von beiden Seiten ein umfassender Friedensvertrag unterschrieben. Letztendlich scheiterten diese Friedensvereinbarungen allerdings daran, dass bei einer Wahl im Südsudan 99 Prozent der Wahlberechtigten für eine offizielle Trennung des Sudans stimmten. Im Juli 2011 wurde schließlich der Südsudan als jüngster Staat der Welt ausgerufen und auch von den Vereinten Nationen anerkannt.

Trotz der Unabhängigkeit verbesserten sich die Zustände im Land nicht. Zudem kam es immer wieder zu Übergriffen aus dem Norden, bei denen es beispielsweise um die Kontrolle der Ölfelder geht, von denen etwa 75 Prozent im Südsudan liegen.

Die Schuldbildung der Bewohner ist immer noch sehr mangelhaft, selbst in der Hauptstadt Juba, was auch der Grund für Elisabeth Mwakas Reise in den Südsudan war. Die Bevölkerung bittet immer wieder um Hilfe und darum, Schulen einzurichten, was angesichts der ungewissen Sicherheitslage, der großen Entfernung von Butiru, dem Mangel an Finanzen und Personal und auch des weiterhin großen Bedarfs an Hilfe in Uganda unmöglich zu sein schien.

Ende vergangenen Jahres allerdings schlossen einige der Waisen in Butiru ihre Grundschullehrer-Ausbildung erfolgreich ab und es gab etliche Extraspenden, darunter zum Beispiel eine 3600-Euro-Spende der Realschule in Füssen. Und so konnte der Schritt endlich gewagt werden und zwei der jungen Lehrer zusammen mit Pastor Butoto in den Südsudan aufbrechen.

Die erste Grundschule entstand in Gudele, einem Vorort der Hauptstadt Juba. Dank der vielen Spenden konnte ein Schulgebäude aus Zeltplanen, mit Tafeln und Sitzgelegenheiten errichtet werden. In Uganda wurden Textbücher eingekauft und aus Bambus wurde sogar eine kleine Küche in einer Hütte mit Wellblechdach gebaut.

In der Schule findet nun vormittags Unterricht für Kinder und nachmittags für Erwachsene statt. Zurzeit gibt es insgesamt 84 Kinder, die an der Grundschule unterrichtet werden. Die Eltern bezahlen für ihre Kinder einen kleinen Beitrag von umgerechnet fünf Euro im Monat für Verpflegung und Unterhalt der Lehrer. Dank der Extraspenden konnten sogar zusätzlich 20 Waisenkinder gebührenfrei in der Schule aufgenommen und mit Unterrichtsmaterialien versorgt werden, berichtet Elisabeth Mwaka.

In Butiru haben Schüler und Kirchenmitglieder Kinderkleidung gesammelt, so dass jedes Waisenkind neu eingekleidet werden konnte. In Kuda haben Reverend Simon Wani und der Sultan – so werden bis heute die County Chiefs genannt – ihr Kirchengebäude zur Verfügung gestellt mit der Bitte, auch dort Grundschulunterricht einzurichten. Aufgrund des Mangels an Lehrkräften muss damit allerdings bis voraussichtlich Januar 2013 gewartet werden, dann sind weitere sieben Waisen in Butiru mit ihrer Lehrerausbildung fertig.

Elisabeth Mwaka möchte außerdem demnächst – bei Genehmigung und Unterstützung durch die Stiftung „Kinder in Afrika“ – einen Antrag für den Bau von ersten permanenten Klassenräumen und Lehrerwohnungen für Gudele ausarbeiten.

„Für die ugandischen Kinder ist diese Stiftung in den letzten Jahren durch etliche Schulneubauten zu einem großen Segen geworden“, schreibt sie ihren Freunden in Hankensbüttel. Wie berichtet, gibt es in Hankensbüttel einen Freundeskreis, der die gebürtige Wierstorferin unterstützt.

Von Rieke Jung

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